Bakterien gegen Malariamücken

Biovision und ihre Partnerorganisationen konnten mit ihren Massnahmen zur Bekämpfung der Malaria, dem Integrierten Vektorenmanagement (IVM) grosse Erfolge erzielen. Aber diese Malariaprävention ist jetzt wegen der Corona-Pandemie gefährdet. Es drohen Lieferengpässe bei den Moskitonetzen und der Lockdown zwingt die Malaria Scouts zuhause zu bleiben.

  • Die Anopheles Mücke überträgt bei ihrem Stich mit ihrem Speichel (Blutgerinnungsmittel) die Malaria-Erreger.
  • Professor Charles Mbogo, Forscher beim Kenya Medical Research Insitute und langjähriger Leiter des Biovision Projekts „Stopp Malaria“ ist überzeugt vom Integrated Vector Management (IVM).
  • Mwana Amani (links), Mosquito-Scout im Projekt „Stopp Malria“ von Biovision zeigt einer Einwohnerin von Malindi Town die fachgerechte Montage eines Bettnetzes.
  • Mosquito Scouts spüren Brutstätten von Mücken auf – im Bild ein Wasserloch in einem Flussbett - nehmen Wasserproben und kontrollieren die Mückenlarven.
  • Vor dem Projektbeginn war das Malindi Sub-County Hospital voll von Malariapatienten. Heute müssen nur noch wenige Malariafälle behandelt werden.
  • Während der Regenzeit fallen im Malindi heftige Niederschläge. Zurück bleiben Pfützen, aber auch stehendes Wasser in Astlöchern, Autoreifen oder Plastikabfällen – alles ideale Brutgebiete für Malariamücken.
  • Die Körner enthalten Bti (Bazillus Thuringiensis Israelensis). Die Bakterien werden von den Mückenlarven gefressen und setzen im Darmtrakt der Insekten Toxine frei, woran die Larven eingehen.
  • Die Bevölkerung legt kleine Brutstätten unter Anleitung der Mosquito-Scouts trocken und ebnet sie ein. Grössere Wasserflächen werden mit Bti oder anderen biologischen Mitteln behandelt.

Von Peter Lüthi, Biovision

Der ganzheitliche Ansatz des Projekts «Stopp Malaria» in Malindi (Kenia) hat sich bewährt: Die Malariamücken und die tödliche Krankheit wurden stark zurückgedrängt. Entscheidend für den Erfolg waren insbesondere die biologische Bekämpfung der Mückenlarven in den Brutgewässern sowie der Einsatz von Bettnetzen.

Für Prof. Charles Mbogo, Projektleiter am kenianischen medizinischen Forschungsinstitut (KEMRI) heisst der Schlüssel zur Reduktion des Malariavorkommens «Integriertes Vektormanagement» – kurz IVM. «Es geht darum die Population der Malariamücken, welche die tödliche Krankheit übertragen, mit einer Kombination verschiedener Massnahmen zu dezimieren», erklärt Mbogo. «Denn je weniger Mücken es gibt, desto geringer ist die Gefahr, dass sie die Krankheitserreger der Malaria übertragen».

 

Integriertes Vektormanagement (IVM)

Bei IVM werden nicht die Krankheitserreger ins Visier genommen, sondern die Krankheitsüberträger (Vektoren), also die Moskitos. Das geschieht auf drei Ebenen:

  1. Information der betroffenen Bevölkerung:
    Die betroffenen Menschen werden über die Gefahr, die von stehenden Gewässern als Brutgebiete der Malariamücken ausgeht, informiert und sensibilisiert. In Gemeinschaftsarbeit werden kleine Brutstätten trockengelegt und beseitigt.
     
  2. Kontrolle der Mückenlarven mit BTI:
    Mücken legen ihre Eier in stehende Gewässer, oft in umittelbarer Nähe der Menschen. Die Brutstätten werden mit biologischen Mitteln wie Bti (Bacillus thuringiensis israelensis) oder anderen umweltfreundlichen Mitteln behandelt. Die Bazillen produzieren Toxine, die bei Verzehr durch die Mückenlarven den Darmtrakt der Insekten zerstören, - die Larven gehen ein. Bti wirkt sehr spezifisch gegen Mücken. Für andere Organismen ist es harmlos. Diese Methode wird übrigens seit Jahren auch in der Schweiz erfolgreich gegen Mückenplagen am Lac de la Gruyère (Kanton Freiburg) und in der Bolle die Magadino (Tessin) angewendet. 
     
  3. Verteilung imprägnierter Bettnetze:
    Bei richtiger und konsequenter Anwendung bieten Moskitonetze den besten Schutz vor Mückenstichen und damit vor der Ansteckung mit Malaria.

Erfolgreiches Pilotprojekt «Stopp Malaria»

Im kenianischen Malindi am indischen Ozean und den umliegenden Gebieten ist es im Rahmen des Projekts «Stopp Malaria» gelungen, das Mückenvorkommen und damit auch die Malariafälle sehr stark zu reduzieren. Gemäss Projektleiter Prof. Charles Mbogo konnte die Mückenpopulation um ca. 70–80% dezimiert und das Vorkommen der Malaria-Parasiten bei Menschen deutlich reduziert werden.

Video: Archivmaterial von Biovision

«Mit dem Pilotprojekt, das von Biovision seit 2006 unterstützt wurde, konnten wir beweisen, dass die Malaria mit umweltfreundlichen Mitteln kontrolliert werden kann», ist Prof. Mbogo überzeugt. Für Biovision ist das Projekt unterdessen abgeschlossen. «Nun liegt es an den Entscheidungsträgern auf nationaler Ebene, den IVM Ansatz als Strategie für die Malariabekämpfung aufzunehmen und die entsprechenden Mittel zu sprechen», betont Dr. Mbogo.