Highlight 2017: Bauern-Schule auf höchstem Niveau

In Tansania hat sich das Schulungszentrum für Agrarökologie mit Unterstützung von Biovision zur besten Adresse entwickelt. Davon profitieren Bäuerinnen, Bauern und zielverwandte Organisationen.

«Isst du deine Karotten nur mit aufgesetzter Gasmaske»? Der an die Wand projizierte Comic löst Heiterkeit aus bei 25 Frauen und Männern in den Schulbänken. Sie haben soeben gelernt, wie man das Gemüse ohne Chemie vor Krankheiten und Schädlingen schützt. Die tansanischen BauernberaterInnen wurden von der Schweizer NGO Swissaid für einen Intensivkurs in Agrarökologie nach Morogoro gesandt. Das Schulungszentrum für ökologische Landwirtschaft von «Sustainable Agriculture Tansania» (SAT) gilt in Tansania als top. Es wird von NGO’s wie Swissaid, Swisscontact, dem Burundi Organic Agriculture Movement (BOAM) oder von staatlichen Organisationen wie dem tansanischen Ministry of Waters & Irrigation genutzt.

Das freut Biovision, standen wir SAT doch praktisch von Anfang an zur Seite. 2008 hatte der junge Österreicher Alex Wostry das Projekt mit 300 US Dollar Startkapital und einem kleinen Demonstrationsgarten gestartet. Seit 2009 wird das Ausbildungszentrum von Biovision unterstützt. Während der vergangenen acht Jahre entwickelten Alex und seine Mitstreiterin und heutige Ehefrau Janet Maro ihr Pionierprojekt mit sehr viel Engagement und Sachkompetenz weiter, gründeten einen Bioladen, starteten eine Forschungszusammenarbeit mit der Sokoine Universität und bauten das grosse Farmer Training Center (FTC) bei Morogoro auf.

FTC – das sind 15 Mitarbeitende, über 80 Hektaren bewirtschaftetes Land nach agrarökologischen Grundsätzen mit Ackerkulturen, Gemüse und Baumfrüchten, Schulungsgärten, Theorieräumen, Unterkünften und Mensa für 42 Studierende, einem Speichersee mit solarbetriebener Wasserpumpe und vielem mehr.

  • Menschen im Klassenraum
    Theorieunterricht im Schulungsraum von Sustainable Agriculture Tansania, SAT.


  • Frau erklärt etwas auf einem Feld
    Die praktische Anwendung ist wichtig für den Wissenstransfer (im Bild unten die Agronomin und SAT-Mitbegründerin Janet Maro).


  • zwei Gebäude
    Das Farmer Trainings Center von SAT umfasst Wohn- und Klassenräume sowie Schulungsgärten und Ackerkulturen.
  • Zwei Männer unter einer Solarpanäle
    Der neue Wasserspeicher mit Solarpumpe hilft, Trockenzeiten zu überdauern.

Wissen bringt Fortschritt

SAT versteht sich als Innovationsplattform für Agrarökologie im Dienste von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Die tansanische NGO verbindet Wissenschaft, Marketing, Networking und Informationsverbreitung in einem ganzheitlichen Ansatz.

2016 brachte eine interne Nachbefragung u.A. folgende Resultate:

  • Mit agrarökologische Methoden konnten die AnwenderInnen ihr Einkommen um durchschnittlich 38 % steigern.
  • 91 % nutzen Erosionsschutzmassnahmen.
  • 64 % konnten ausgelaugtes Land ökologisch aufwerten und wieder nutzen.
  • 97 % der geschulten Personen gaben an, dass sich ihre Situation nachhaltig verbessert hat.

Bis Ende letzten Jahres erlernten 2006 Bäuerinnen und Bauern die Theorie und Praxis des ökologischen Anbaus auf ihren Feldern, und 1464 KleinfarmerInnen und LandwirtschaftsberaterInnen wurden im Ausbildungszentrum von SAT geschult. Die NGO arbeitet heute mit 72 Bauerngruppen zusammen. Eine davon ist die Frauenkooperative «Mungano» aus Kibuko. Nachdem die Bäuerinnen ihre Familien bisher allein mit dem Anbau von Früchten über Wasser gehalten hatten, konnten sie nach der Ausbildung erfolgreich in den Gartenbau einsteigen. Heute verdienen sie Geld mit dem Verkauf von Gemüse. Kürzlich besuchte Janet Maro die Kooperative. Die Frauen nutzen die Gelegenheit und bedankten sich bei der SAT-Direktorin und ihrem Mann Alex Wostry für die wirksame Hilfe zur Selbsthilfe mit zwei Gockeln als lebendes Geschenk.