Highlight 2015: Die nachhaltigen Entwicklungsziele im Endspurt

Biovision gestaltet den Wandel zur nachhaltigen Entwicklung gemäss Agenda 2030 der UNO mit. Durch intensive Lobbyarbeit gelang es Biovision, Agrarökologie in den globalen Nachhaltigkeitszielen der UNO (SDG 2, Kein Hunger) zu platzieren. Der Weg dorthin war lang und intensiv. 2015 war er fast geschafft, wie der nachfolgende Beitrag aus unserem Newsletter von August 2015 zeigt.

Hans Herren referiert an der Konferenz der UNO.

Im September sollen an der UNO in New York 17 nachhaltige Entwicklungsziele verabschiedet werden. Biovision und das Millennium Institute hatten sich in der Vorbereitungsphase für griffige Formulierungen insbesondere im Ziel 2 zur Ernährungssicherheit und nachhaltiger Landwirtschaft eingesetzt. Durch die starke Präsenz in New York über die letzten zwei Jahre konnte das Projekt Kurswechsel Landwirtschaft – ein Gemeinschaftsprojekt von Biovision und dem Millennium Institute (MI) unter der Leitung von Hans R. Herren – effizient auf aktuelle Entwicklungen in den Verhandlungen reagieren. So wurden beispielsweise den Unterhändlern der nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) in bilateralen Gesprächen laufend fachliche Informationen zu nachhaltiger Landwirtschaft und konkrete Textvorschläge für die Zielformulierungen zur Verfügung gestellt. Zudem konnte an einem hochkarätig besetzten Roundtable in New York im März 2014 das Konzept SHIFT zum konkreten Vorgehen für einen Kurswechsel in der Landwirtschaft in die Diskussion eingebracht werden.

Das Entwicklungsziel 2:

Hunger beenden, Ernährungssicherheit und höherwertige Ernährung erreichen und nachhaltige Landwirtschaft fördern lautet derzeit das SDG 2 im Entwurfsdokument der Post-2015-Deklaration. Auch die acht Unterziele enthalten weitgehend unsere Forderungen für eine faire und nachhaltige Ernährungssicherung: Zugang zu angemessener Ernährung, Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung, Stärkung kleiner Nahrungsmittelproduzentinnen und -produzenten, Förderung nachhaltiger Agrar- und Nahrungsmittelsysteme, Erhaltung der Diversität von Saatgut, Aufstockung der Investitionen in landwirtschaftliche Infrastruktur und Forschung, Verbesserung der globalen Agrarmärkte, Eindämmung erhöhter Preisvolatilität von Agrargütern. Zudem sind weitere Themen, die Biovision/MI im Laufe der Verhandlungen immer wieder gefordert haben, wie «Reduktion von Verlusten und Verschwendung von Lebensmitteln» sowie «Degradierung der Böden», in der Agenda enthalten. Die Chancen stehen gut, dass der Entwurf für die nachhaltigen Entwicklungsziele im September bestätigt wird und die Weltgemeinschaft sich zu diesem neuen Rahmenwerk für die nachhaltige Entwicklung bis 2030 verpflichtet.

Ohne Mittel keine Umsetzung der Ziele

Seit Ende 2014 verhandelte die Staatengemeinschaft auch über die Mittel, welche zur Umsetzung der SDGs benötigt werden. Diese Verhandlungen gestalteten sich komplex, da auch über systemische Fragen wie Entschuldung von Entwicklungsländern, Steuerflucht, unlautere Finanzflüsse oder Reformen der Finanzinstitutionen wie Weltbank und IWF befunden werden musste. Mit der «Addis Abeba Action Agenda», welche an der 3. Internationalen Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in der äthiopischen Hauptstadt im Juli verabschiedet wurde, konnte jedoch ein wichtiger Meilenstein für die Nachhaltigkeits-Agenda erreicht werden. Auch wenn viele Entwicklungsländer und die Zivilgesellschaft zurecht bemängeln, dass die Addis-Konferenz zu wenig Mittel für die Bewältigung der vielfältigen globalen Herausforderungen mobilisierte, konnten im Bereich Landwirtschaft und Ernährungssicherheit doch wichtige Teilerfolge erzielt werden. So hält die «Addis Abeba Action Agenda» fest, dass die finanzielle Unterstützung einer nachhaltigen Landwirtschaft grundsätzlich verbessert werden muss und dass mehr öffentliche Investitionen in Agrarforschung und Infrastrukturen fliessen sollen, insbesondere zugunsten eines verbesserten Marktzugangs für Kleinbauern. Es ist erfreulich, dass zur Umsetzung der Landwirtschafts- und Ernährungsziele Mittel versprochen wurden, jedoch machten auch in Addis Abeba viele Vertreter vor allem der Entwicklungsländer klar, dass sie stärkere Signale von den Geldgebern erwartet hätten. So wurde es beispielsweise auch verpasst, die Rolle des Ausschusses für Welternährungssicherheit (Committee on World Food Security – CFS) zu stärken, obwohl diesem Gremium in der Umsetzung des SDG 2 eine entscheidende Rolle zukommen wird.

Nach dem Gipfel beginnt die Arbeit

Die intensiven Bemühungen, die Weichen für einen Paradigmenwechsel hin zu einer ökologischen Landwirtschaft im Rahmen der universell gültigen SDGs richtig zu stellen, kommen mit der UNO-Konferenz zur Ratifizierung der SDGs im September in New York zu einem vorläufigen Ende.