Highlight 2012: Wir bleiben an Rio+20

An seiner Jahreskonferenz hat das Komitee für Welternährungssicherheit (CFS) in Rom die ersten Schritte zur Umsetzung seines Mandats von der Rio+20 Konferenz gemacht. Biovision war prominent an den Gesprächen vertreten, unter anderem mit einer Rede von Hans R. Herren, und versucht nun sicherzustellen, dass die Beschlüsse von Rio nicht verwässert werden.

Das CFS, die Plattform für Nahrungssicherheit innerhalb der UNO, betritt mit der Umsetzung des Rio-Mandats Neuland und muss nun die Basis schaffen, um den Anforderungen gerecht werden zu können. Wie an der Jahreskonferenz Ende Oktober vorgeschlagen wurde, gehört dazu auch die Unterstützung interessierter Länder in der Analyse ihrer landwirtschaftlichen Strukturen und des entsprechenden Potenzials zu mehr Nachhaltigkeit. Um die Kriterien zu definieren, wird sich das CFS auch auf die Erfahrungen von Organisationen wie Biovision stützen.

Biovision in Vorreiterrolle

Biovision macht mit solchen Analysen in drei Ländern bereits einen Anfang. Dank der Unterstützung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) wird dieser Prozess als Pilotprojekt in Kenia, Äthiopien und Senegal durchgeführt. Mit Senegal wird Biovision erstmals auch in Westafrika aktiv. Zunächst will das Biovision-Team gemeinsam mit Vertretern der jeweiligen Regierung, von Verbänden und von der Privatwirtschaft die Ausgangslage definieren und dann gemeinsam die vielversprechendsten Strategien zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Strukturen erarbeiten und umsetzen. Die kenianische Regierung hat ihr Interesse an diesem Prozess klar deklariert. Mit Kenia und Senegal haben bereits erste Gespräche stattgefunden und für anfangs 2013 sind mit diesen beiden Staaten Workshops terminiert. Dass diese Entwicklung nun tatsächlich in Gang kommt, ist auch das Resultat des grossen Engagements von Biovision vor und während der Rio+20 Konferenz im vergangenen Juni. Mit ihrer Überzeugungsarbeit für einen Kurswechsel in der globalen Landwirtschaftspolitik hin zu nachhaltigen ökologischen Methoden stärkt die Stiftung Biovision die bestehenden Projekte in Ostafrika und verfolgt ihr übergeordnetes Ziel: «Gesunde Nahrung für alle, natürlich!»

Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft

Heute leiden beinahe eine Milliarde Menschen an Hunger. Die Preisvolatilität von Grundnahrungsmitteln auf den Rohstoffmärkten erzeugt zusätzliche Besorgnis über die internationale Nahrungssicherheit. 70 Prozent der Armen in den Entwicklungsländern leben in ländlichen Regionen und sind direkt oder indirekt von den Erträgen aus der Landwirtschaft abhängig. Laut dem Weltentwicklungsbericht 2008 der Weltbank tragen Investitionen in die Landwirtschaft mehr zur Entwicklung des Bruttoinlandprodukts (BIP) in Entwicklungsländern und zur Abschaffung der Armut bei als Investitionen in andere Sektoren. Ausserdem hat der Weltagrarbericht (International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development – IAASTD) 2008 einen Paradigmenwechsel in der Agrarpolitik und -praxis gefordert, um Hunger und Armut zu reduzieren und um die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung zu verbessern.
Dazu soll sich der Fokus vermehrt auf Kleinbäuerinnen und –bauern, lokal angepasste Anbaumethoden und die Multifunktionalität der Landwirtschaft richten. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich Biovision in einer ersten Phase auf globaler politischer Ebene eingesetzt: In den Vorverhandlungen zum UNO-Gipfel Rio+20 haben sich Biovision und Partner für eine nachhaltige Landwirtschaft und Agrarökologie stark gemacht. Dazu gehörte die Forderung, dass eine internationale Organisation Staaten bei einem Kurswechsel in der Landwirtschaft beratend zur Seite stehen soll.

Erster Teilerfolg in Rio

Die Arbeit hat sich gelohnt. Als eine direkte Folge des Einsatzes von Biovision und ihren Partnern an der UNO-Konferenz enthält die Rio+20 Abschlusserklärung das Bekenntnis zu einer nachhaltigen Landwirtschaft, welche die Nahrungssicherheit gewährleistet und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen schützt. Und mit dem CFS wurde der Wunschkandidat von Biovision mit der Umsetzung betraut. «Das ist eine sehr gute Basis, auf der Biovision und ihre Partner die Projekte zur Transformation der Landwirtschaft und der Nahrungssysteme in ihren afrikanischen Zielländern voranbringen können, sowohl direkt mit den Betroffenen als auch auf politischer Ebene», sagte Hans R. Herren, der auch Co-Vorsitzender des Weltagrarberichts ist, auf den sich die Arbeit des CFS nun stützen kann.

Biovision erhält Sonderstatus an der UNO

Als erste Schweizer Stiftung hat Biovision von den Vereinten Nationen den generellen Konsultativstatus bekommen. Damit ist Biovision berechtigt, an UNO-Konferenzen teilzunehmen, sich an den offiziellen Diskussionen zu beteiligen und mit eigenen Nebenveranstaltungen für ihre Sache zu lobbyieren. Biovision hatte sich während der Vorbereitungen für den Erdgipfel in Rio über Monate für einen Kurswechsel in der globalen Landwirtschaftspolitik engagiert. Der erfolgreiche Einsatz von Biovision wurde offenbar auch vom Wirtschafts- und Sozialrat der UNO (ECOSOC) in New York beachtet. Mit ihrer Verleihung des Beobachterstatus im August 2012 würdigt die ECOSOC den umfassenden Ansatz von Biovision.