Highlight 2010: Biovision mischt sich in den globalen Dialog ein

Von Stefan Hartmann, Journalist BR, Zürich

Der Bereich Politikdialog und Anwaltschaft von Biovision setzt seit 2010 dort an, wo die Weichen für eine nachhaltige Ernährungssicherheit gestellt werden - in der Politik. Dass es ein Lobbying für Agrarökologie braucht, zeigen die Erfolge von Biovision bei der Mitgestaltung des Weltagrarberichts, von «Rio +20» und der Agenda 2030.

Bäuerinnen und Bauern aus dem Biovision-Projekt «Biofarm» in Äthiopien sandten die Forderung «Nahrung für alle, natürlich» nach Rio.
Menschen demonstrieren

Biovision war zehn Jahre alt, als 2008 – mitten in einer Hungerkrise – der Weltagrarbericht des IAASTD erschien. 400 Experten hatten daran mitgearbeitet, 60 Länder haben ihn unterschrieben. Der Bericht zeigte das ganze Malaise der globalen Landwirtschaft auf. Hans Rudolf Herren leitete zusammen mit der Kenianerin Judi Wakhungu als Co-Präsident diesen vierjährigen Prozess. Als sich abzeichnete, dass der unbequeme Bericht schubladisiert werden sollte, wurde Biovision aktiv. Ihr wurde bewusst, dass Entwicklungsprojekte in Afrika alleine nicht ausreichen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Deshalb entschied man sich, auch im Politikdialog und der anwaltschaftlichen Intervention auf globaler Ebene zu betätigen.

Kleinbauern aus Afrika eine Stimme geben

Als in den UNO-Vorbereitungsgesprächen zur «Rio-Umweltkonferenz» der Begriff nachhaltige Landwirtschaft gar nicht vorkam, rief Biovision ein «Advocacy»-Team ins Leben, beraten von Hans Rudolf Herren und dem Millennium Institute. Das junge Team dokumentierte an den Verhandlungen die Ländervertreter mit Vorschlägen, wie die Politiken verändert werden müssen, um nachhaltige Ernährungssysteme zu schaffen und brachte auch Fachleute aus Afrika auf die Podien in New York, um über Felderfahrungen aus erster Hand zu informieren. Die Aktivitäten der kleinen Schweizer NGO kamen gut an; sie wurde bald zur verlässlichen Adresse zum Thema nachhaltige Landwirtschaft, da ihre Briefings konzis und evidenzgestützt waren. Zum Vertreter von Ghana, den Delegierten der Afrika Gruppe, wie auch zu den Delegierten der Schweiz und der EU hatte Biovision einen guten Draht. So gelang es Biovision, Einfluss auf die Gestaltung der Abschlusserklärung zu nehmen.

Erfolgreiche Arbeit im Hintergrund

Am Umweltgipfel 2012 in Rio de Janeiro war Biovision wiederum vor Ort. Dank einem gemeinsamen Kraftakt zusammen mit einschlägigen NGOs wurde in der Rio-Schlussdeklaration festgehalten, dass die Mitgliedsländer in ihren Bemühungen um eine nachhaltige Landwirtschaft von einem internationalen Expertenkomitee begleitet werden, in dem auch Bauernvertreter/ innen Einsitz haben. Im Sommer 2012 wurde Biovision als erste Schweizer NGO der generelle Konsultativstatus bei ECOSOC der UNO verliehen – eine Anerkennung und wichtige Voraussetzung für den weiteren Einsatz im globalen Politikdialog. Im Umsetzungsprozess von «Rio +20» und der Entwicklung der globalen Nachhaltigkeitsagenda 2030 der UNO mit den 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs) fokussierte sich Biovision auf das Ziel 2 («Hunger beenden, Nahrungssicherheit und bessere Ernährung erreichen, nachhaltige Landwirtschaft fördern »). Am runden Tisch mit zentralen Akteuren gelang es Biovision, die ganzheitliche Sicht auf die Nahrungssysteme zu stärken. Viel anwaltschaftliche Arbeit wurde hinter den Kulissen geleistet, zudem wurde Hans Rudolf Herren in den UNO-Verhandlungen von den versammelten Staaten zwei Stunden als Experte befragt. Dank hartnäckigem Einsatz von Biovision steht in SDG 2 heute anstelle einer vagen Formulierung «genug Essen für alle», dass alle Aspekte der Nachhaltigkeit für die Ernährungssicherheit beachtet werden müssen.