Highlight 2007: Hilfe per Mausklick

Monique Hunziker, zuständig bei Biovision fürs Infonet, bespricht sich mit dem Bauern Raphael Okoth in Kenia.
Frau und Mann sprechen miteinander, zwei Kinder im Bild

Wissensdurst trifft Informationsflut: Lange suchten Ostafrikas Bauern Hilfe bei landwirtschaftlichen Problemen und fanden sie im "Infonet", eine Art Wikipedia für Bauern. Aber wie ging das an Orten, die digital noch gar nicht erschlossen waren? Gemeinsam mit den Bauern in Westkenia fand Biovision Wege, die mit der technischen Entwicklung Schritt halten.

Der Anstoss zum Infonet kam von einem Bauern in Westkenia: Raphael Okoth, Farmer in Nyabera, beklagte sich bei Monique Hunziker von Biovision, dass er selten an Informationen und Hilfe herankomme, wenn er Probleme in seinen Gemüsekulturen habe. „Ich bräuchte einen Info-Pool, auf den ich bei Bedarf direkt zugreifen kann, weil landwirtschaftliche Berater kaum je den Weg ins Feld finden“, meinte der Kleinbauer frustriert.

Im Arbeitsalltag von Monique Hunziker lagen die Probleme genau umgekehrt. Als Biologin mit Spezialwissen in internationaler Landwirtschaft und Tropengesundheit war sie mit einer wirren Flut von Informationen aus wissenschaftlichen Studien und Fachbüchern konfrontiert. Sie hatte gelernt, die relevanten Fakten aus dem Datenmeer zu filtern, komplexe Zusammenhänge auf ihre Essenz zu reduzieren und diese klar und verständlich zu erklären. So stiess Raphael Okoths Wunsch bei ihr auf offene Ohren, zumal ihr längst bekannt war, dass unzählige Bäuerinnen und Bauern in Afrika Raphaels Problem teilen.

Zwei Bäuerinnen bearbeiten den Boden mit Informationen vom Infonet.
Zwei Frauen bei der Feldarbeit

Ein Leuchtturm im Datenmeer

2006 startete Biovision mit finanzieller Unterstützung des Liechtensteinischen Entwicklungsdienstes (LED) und in Zusammenarbeit mit der E-Learningspezialistin Ursula Suter (Avallain AG), das Projekt Infonet-Biovision. Ziel: Eine Internet-Informationsplattform für Ostafrika mit lokal relevanten Informationen zu nachhaltiger Landwirtschaft, ökologischer Krankheits- und Schädlingsbekämpfung bei Menschen, Tieren und Nutzpflanzen sowie Erhaltung natürlicher Ressourcen und Einkommensförderung mit ökologisch verträglichen Methoden.

Projektleiterin Monique Hunziker ist sich bewusst, dass in Afrika zu diesem Zeitpunkt nur wenig Bauern Zugang zum Internet haben, doch sie weiss auch, dass sich das rapide ändert. „Von Tag zu Tag gibt es in Kenia mehr Computer in Internet-Cafés, bei Nonprofit-Organisationen und in den Poststellen im ganzen Land. Diese Entwicklung nutzen wir mit dem Infonet.“

Das Infonet wird ausserdem in einer Offline-Version auf CD produziert, die lokal unabhängig vom Internet verwendet wird. Wichtige Zielgruppen sind insbesondere auch Landwirtschaftsberater und Lehrer, die in staatlichen Organisationen, Schulen und verschiedenen Hilfswerken tätig sind. Diese haben meist Internet-Anschluss und führen Trainings mit Bäuerinnen und Bauern durch.

Qualität statt Quantität

Das Infonet-Biovision besticht durch die Auswahl und Qualität der Informationen und durch eine verständliche Visualisierung und Bebilderung. Monique Hunziker und ihr Team haben bewusst reduziert und ausgewählt aus der immensen Informationsflut, um für die Anwender Klarheit und Übersicht zu schaffen. So beschränkt sich die Auswahl auf die 150 wichtigsten und am meisten verbreiteten Krankheiten und Schädlinge in Ostafrika – unterteilt in die vier Bereiche Pflanzen, Nutztiere, Menschen, Umwelt. „Wir wollen Zugang zu lokal relevanten und wissenschaftlich abgesicherten Informationen ermöglichen, mit denen die Bäuerinnen und Bauern ihre häufigsten Probleme wirklich lösen können“, erklärt die Projektleiterin. Über das Infonet können zudem sämtliche Ausgaben der Bauernzeitung "The Organic Farmer" (TOF) heruntergeladen werden, welche von Bäuerinnen und Bauern wegen ihrer praktischen Tipps äusserst geschätzt wird.

Monique Hunziker, Leiterin des Projekts Infonet-BioVision, schafft Überblick im Datenmeer.
Frau am Computer

Teamwork von Forschern und Bauern

Bei der Auswahl und Aufarbeitung der Informationen und Handlungsanleitungen zählt die Projektleiterin auf die Mitarbeit kompetenter Wissenschaftler des Internationalen Forschungsinstituts icipe in Nairobi sowie Forschungsanstalten in Europa wie dem FiBL in Frick.
Gleichzeitig steht sie aber auch in ständigem Kontakt mit drei Farmergruppen in Kenia mit insgesamt 918 Mitgliedern, vorwiegend Frauen. Diese steuern traditionelles und lokales Wissen bei, prüfen die Informationen und Darstellungen des Infonet-Biovision auf ihre Verständlichkeit, testen Handlungsanleitungen und bringen ihre praktischen Erfahrungen ein. Die Gruppen werden vor Ort durch Anne Bruntse, eine kompetente Agronomin und praktizierende Bäuerin, koordiniert. Anne ist zudem Bindeglied zwischen den Bäuerinnen im Feld und den Wissenschaftlern des icipe. In der nächsten Projektphase wird sie ein Netzwerk zu Farmergruppen, NGOs und Behörden aufbauen, damit das Infonet-Biovision Eingang in die Ausbildung von landwirtschaftlichen Beratern und in Farmer-Kurse findet. „Das Projekt steht und fällt letztlich mit den Leuten vor Ort“, betont Monique Hunziker und ist überzeugt, dass Raphael Okoth in Nyabera die begehrten Informationen bald aus dem Computer holen kann.