Highlight 2006: Stopp Malaria

Jahrzehntelang war Malaria in der kenianischen Küstenstadt Malindi die häufigste Todesursache. Plötzlich gibt es viel weniger Moskitos und damit Erkrankungen. Für Dr. Anisa Omar ist klar, hinter dem Erfolg steckt ein Pilotprojekt von Biovision.

In den Pfützen lauert der Tod.

Pfütze in einem Dorf, am Rande Vieh

Malindi am Indischen Ozean. Frau Salim sitzt vor ihrem kleinen Lehmhaus und blickt entspannt in die Kamera: „Ich habe friedlich geschlafen“, lächelt sie. Das ist neu. Bis vor kurzem wurde ihr Schlaf oft gestört von gefährlichen Stechmücken, welche die Malaria verbreiten.

Jährlich sterben weltweit gegen zwei Millionen Menschen an der Krankheit, davon 90 % in Afrika. Vor allem bei Kleinkindern und schwangeren Frauen führt die Krankheit zum Tod. „Es hat plötzlich viel weniger Mücken als früher“, berichtet Nuru Habim Salim. Diese Beobachtung wird auch von der Spitalverantwortlichen in Malindi, Dr. Anisa Omar vom Ministery of Health, bestätigt: „Malaria war hier während Jahrzehnten die Todesursache Nummer Eins. Seit 2005 kommt sie erst an dritter Stelle hinter HIV/Aids und Tuberkulose.“ Der Grund für den plötzlichen Rückgang ist für die Kinderärztin klar: „Seit einem Jahr hat es hier viel weniger Moskitos.“

Der markante Mückenrückgang ist unter anderem die Folge eines Pilotprojekts zweier afrikanischer Forschungsinstitute*, das von Biovision unterstützt wird. Das Malariaproblem wird mit einer Reihe gezielter, umweltfreundlicher Massnahmen angegangen: Information und Aufklärung der Bevölkerung, Kontrolle und Eliminierung von Brutgewässern, biologische Bekämpfung der Malariamücken und Verteilen von Bettnetzen.

Umweltfreundlicher Mückenkiller

„Die Moskitolarven werden unschädlich gemacht, bevor sie sich zu Mücken entwickeln und die Krankheit verbreiten können“, erklärt Dr. Charles Mbogo, Projektleiter und Malariaspezialist beim Kenyan Medical Research Institute KEMRI. „Dazu werden die Brutgewässer mit dem natürlichen Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) behandelt. Bti produziert ein Protein, das den Darm der Larven zerstört. Andere Organismen und die Umwelt bleiben unbehelligt. Selbst die Behandlung von Trinkwasser ist problemlos.“ Für die Erfolgskontrolle werden spezielle Moskitofallen eingesetzt. Anhand der Fänge können die Entwicklung der Mückenpopulation verfolgt und bei Bedarf weitere gezielte Eingriffe vorgenommen werden.

Am Anfang steht das Wissen

Für Dr. Charles Mbogo hat aber auch der enge Einbezug und die aktive Mitarbeit der betroffenen Bevölkerung höchste Priorität. „Die Menschen werden über die Ursachen der Krankheit, die Rolle der Moskitos und die Gefahr informiert, die in stehenden Gewässern lauert. Als Brutplatz reicht schon ein ausgedienter, mit Regenwasser gefüllter Autoreifen oder eine Pfütze neben der Hütte“, betont er. Ein besonderer Coup gelang mit der Ausbildung von Einheimischen zu Moskito Scouts, die als Bindeglieder zwischen der Bevölkerung und den Fachleuten im Malariaprojekt agieren. Scouts sind verantwortlich für ein Gebiet von circa einem Quadratkilometer, wo sie die Mückenbrutgewässer aufspüren und die Bevölkerung bei der Sanierung der Gefahrenherde anleiten. Sie überwachen auch die Verteilung von Moskitonetzen und sammeln Daten über Malariafälle in ihrem Rayon.

Eine Biovision-Mitarbeiterin und Projektleiter Dr. Charles Mbogo in Malindi: Frau Nuru Habim Salim gehört zu den 4.000 Müttern mit Kleinkindern, die als erste mit Bettnetzen, gesponsort von Biovision-Partner FAWCO, versorgt werden.

Menschenmenge bei einer Verteilung
Eine Frau schaut über die Schulter

Moskito Scouts: Schlüssel zum Erfolg

Die Moskito Scouts werden aus verschiedensten lokalen Organisationen wie Frauen- oder Jugendgruppen rekrutiert. Eine geschulte Sozialarbeiterin organisiert die Aus- und Weiterbildungen und koordiniert die Einsätze. Für Hafswa Bokia (im Bild), Moskito Scout in den Slums von Malindi, ist die Mückenjagd ein existenzsichernder Job. Vom morgen früh bis Sonnenuntergang organisiert sie mit den Quartierbewohnern Abfallentsorgungsaktionen, gibt Anleitungen zur Entstopfung von Abwasserkanälen und motiviert zur Entleerung von Pfützen und zum Auffüllen von Erdlöchern. „Die Leute vertrauen mir, weil ich eine von ihnen bin. Aber es braucht Zeit, bis sie ihr Verhalten ändern“, meint Hafswa Bokia ungeduldig. Die Arbeit wird den Moskito Scouts von Malindi vorderhand nicht ausgehen. Aber ein guter Anfang ist gemacht. Jedenfalls können immer mehr Menschen in Malindi nachts ruhig schlafen.