Highlight 2005: Neue Bauernzeitung in Kenia

Biovision finanziert in Kenya die Bauernzeitung „The Organic Farmer“. Offizielle Herausgeberin ist das ICIPE in Nairobi, der frühere Afrika-Korrespondent des Tages-Anzeigers Zürich hat die Zeitung lanciert. Die Zeitung wird begeistert aufgenommen, wie er berichtet.

„Ich gratuliere Biovision für die Unterstützung der Zeitung „The Organic Farmer“, schreibt Joseph Kiruthi Kinyanjui aus Kinangop, „sie ist ein lebendiges Blatt und nützt den kenianischen Bauern“. Kinyanjuis Zuschrift ist einer von einigen Dutzend Briefen, die wir erhielten; über 200 Bauern meldeten sich über ihre lokalen Vereinigungen; manche sogar per E-Mail – kurzum, das Echo auf die erste Nummer der von Biovision finanzierten Bauernzeitung in Kenia war überwältigend. Wir könnten die monatliche Auflage von 10.000 glatt auf 14.000 Exemplare erhöhen.

Nun, bleiben wir auf dem Boden. Verglichen mit anderen Bauernzeitungen, etwa in Simbabwe oder Südafrika oder in Europa, ist „The Organic Farmer“ ein bescheidenes Blättchen, informativ zwar mit seinen konkreten Tipps und Anregungen, und leserfreundlich aufgemacht, aber – vorerst – acht Seiten dünn. Zudem wird die Zeitung gratis verteilt. Das spielt bei den Bauern auf dem Land eine wichtige Rolle; allein das Porto für die Briefe, die wir erhalten, kostet so viel wie ein Kilogramm Maismehl Ugali, das eine fünfköpfige Familie vier Tage lang sättigt.

  • 2004: Der erste Ausgabe des "The Organic Farmer" erscheint...
  • …und die Verteilung ist noch ein logistisches Abenteuer.
  • Reiche Hirse-Ernte: Die Bauernzeitung gibt neues Wissen an kenianische Kleinbauern weiter. Damit können sie ihre Erträge steigern.
  • Das Office in Kangari, Kenia.
  • Die Zeitung kommt gut an. Ein Exemplar geht durch Dutzende Hände.
  • 2018: Die Wissensvermittlung an die Bauernfamilien hat längst neue Kanäle erreicht.

Jeden Monat ein Lehrbuch

Gleichwohl, die grosse Resonanz erklärt, weshalb die Zeitung so wichtig ist. Den kenianischen Bauern fehlt es an Informationen über die Landwirtschaft im Allgemeinen und über die Hinwendung zum biologischen Landbau im Besonderen. Die Tageszeitungen sind auf die Städte konzentriert und enthalten in erster Linie offizielle Stellungnahmen. Die bestehenden drei Bauernzeitungen sind Inserateplantagen für die AgroBusiness-Unternehmen, welche die Artikel gleich mitliefern. „The Organic Farmer“ geht neue Wege. Wir betrachten die Zeitung als ein in monatliche Portionen aufgeteiltes und locker aufgemachtes Lehrbuch. So zeigen wir in der neuesten Nummer etwa auf, wie organischer Kompost hergestellt werden kann, mit genauen Tipps und einer anschaulichen Grafik. Oder wir geben Ratschläge für den Kauf von Saatgut, wir empfehlen das Ansäen von Molassegras, das Zecken fernhält, und wir zeigen Schritte auf, wie sich die Bauern organisieren können, um unter Ausschaltung der diebischen Zwischenhändler auf die Märkte zu gelangen. Material ist genügend vorhanden. Wir geben lediglich das Wissen in verständlicher Form weiter.

„Wann erscheint der nächste Organic Farmer?"

Genau daran hapert es in Kenia. Und auch an der Erreichbarkeit der Bauern: Die Verteilung ist ein logistisches Abenteuer. Wir haben die Adressen von rund 900 Bauerngruppen mit je rund 25 Mitgliedern gesammelt. Sie alle erhalten je fünf Kopien per Post. Und die Zeitungen zirkulieren! Joseph Kinyanjui schrieb, dass alle Bauern in seinem Weiler seine Kopie des Organic Farmer gelesen hätten, immerhin 20, einige von ihnen mit Hilfe ihrer Kinder, die besser Englisch können. Daneben beliefern wir mit Kurier die Grossverteiler wie Caritas Nyeri oder die Entwicklungsbüros der katholischen Diözesen, die weit über 1.000 Bauerngruppen betreuen, und schicken ein halbes Dutzend Lehrer direkt auf die wichtigsten Märkte. Am Tag, als die zweite Nummer in Druck ging, rief uns Stanley Kuura von der hinter dem Mount Kenya liegenden Diözese Meru an, ziemlich genervt, wie es schien. „Wann erscheint der nächste Organic Farmer? Jeden Tag kommen Bauern her und fragen nach!“ Das ist kein schlechtes Zeichen.