Highlight 2003: Der Malariamücke auf der Spur

Im kenianischen Hochland grassiert die Malaria nicht das ganze Jahr über. Aber nach langen Regenperioden kommt es immer wieder zu intensiven Malaria-Epidemien, bei denen unzählige Menschen sterben. Forscher vom ICIPE haben nun eine Methode entwickelt, um diese Epidemien einzudämmen.

Kisii ist eine kenianische Kleinstadt mit blühendem Handel und farbigem Markttreiben. Die Region rund herum ist hügelig, grün und fruchtbar. Das Hauptproblem für die Bevölkerung ist nicht die Ernährung, sondern die Krankheiten – allen voran die Malaria. Mehrmals pro Jahr kommt es in der Region rund um Kisii zu Epidemien. Im lokalen Spital müssen jährlich Tausende von Malaria-Kranken behandelt werden. Die Ärzte behelfen sich mit den wenigen zur Verfügung stehenden Medikamenten, und die Bevölkerung versucht, sich mit Bettnetzen gegen Stiche zu wehren. Eine Frage aber hatte bis vor kurzem niemand wirklich gestellt: Woher kommen eigentlich die Malariaüberträger, die Anophelesmücken? Und gäbe es nicht eine Möglichkeit, die Mücken zu bekämpfen anstatt die Krankheit? François Omlin, Insektenforscher am ICIPE, wollte hier Klarheit schaffen. In monatelangen Streifzügen stapfte er durch die Hügel rund um Kisii, beobachtete die Landschaft und die Menschen, nahm Proben aus Wasserlachen ... und fand eines Tages die Antwort. Sie lag in den Tümpeln der so genannten Brickmakers. Viele Bauern haben in den letzten Jahren angefangen, Backsteine herzustellen. Die lehmige Erde rund um Kisii bietet dafür ein ideales Rohmaterial. Doch an die Nebenwirkungen hatte niemand gedacht: Dort, wo die Bauern den Lehm abgraben, formen sich kleine Tümpel, in denen Insekten wunderbar brüten können.

  • Männer diskutieren
    Hans Herren diskutiert die Problematik der Malariamücken mit der lokalen Bevölkerung.
  • Mann arbeitet in Tümpfel
    Dort, wo der Lehm abgegraben wird, bilden sich Tümpel, die von den Insekten als Brutstätte verwendet werden.
  • Junge Männer berabeiten einen Tümpel
    Tümpel in der Nähe von Wohngebieten müssen eliminiert werden.

François Omlin untersuchte diese kleinen Seen und machte eine erstaunliche Entdeckung: In den Tümpeln der Brickmakers tummelten sich viel mehr Larven der Anophelesmücke als in natürlichen Gewässern. Der Grund dafür war schnell gefunden: Es fehlten in diesen kleinen Seen die natürlichen Feinde der Larven, wie zum Beispiel Schlammfische und Larven fressende Insekten. In minutiöser Forschungsarbeit, begann Omlin nun nach einem ökologischen Mittel zu suchen, um die Anopheleslarven zu bekämpfen – und wurde fündig. Wenn man Extrakte des Neembaums ins Wasser streut, werden die Larven in ihrem Wachstum gehemmt. Sie sterben ab, oder es entwickeln sich nur verkrüppelte Mücken, die für den Menschen keine Gefahr mehr sind. François Omlin ist mit seiner Forschung und mit der Entwicklung einfacher Massnahmen nun so weit, dass die Bauern davon profitieren können: Ein Stoffsack wird gefüllt mit Neempulver. Diesen überdimensionierten Teebeutel legen die Bauern in die Tümpel. So kann die Gefahr gebannt werden. Zusammen mit Biovision will Omlin diese einfache und effiziente Methode möglichst rasch an Ziegelmacher und Bauern weitergeben. Er hofft, dass das Resultat schon bald sichtbar wird: mit weniger Patienten in den Spitälern und mehr Freude auf den Gesichtern der Menschen. Infos zum Projekt