Echte Hilfe in Tolay

Gesundheit ist das höchste Gut. Sie ist nicht nur bestimmend für das Wohlergehen jedes Einzelnen, sondern auch für die Arbeitskraft und die Prosperität der ganzen Gesellschaft. Das zeigt ein Modellprojekt im äthiopischen Tolay District, das Biovision von 2006 bis 2017 gemeinsam mit dem internationalen Insektenforschungsinstitut (icipe) und der betroffenen Bevölkerung durchführte.

Der Schlüssel zum Erfolg in Tolay liegt im ganzheitlichen Projektansatz und der Kombination von vier Interventionen in verschiedenen Bereichen, die sich gegenseitig ergänzen und unterstützen. Das Projekt wurde wissenschaftlich begleitet und analysiert. Fazit: Der Synergie- Effekt aus den vier Interventionen brachte mehr als die Summe der einzelnen Projekterfolge. Die Bauernfamilien konnten ihr Nettoeinkommen dank positiven Wechselwirkungen pro Kopf mehr als verdreifachen. Sie schafften es, den Hunger zu überwinden, ihre Gesundheit zu verbessern und der Armut zu entrinnen.

 

  • Ochsen und Menschen
    Fast das gesamte Vieh war der Schlafkrankheit (Nagana) zum Opfer gefallen. Es fehlte an Milch, Fleisch, Mist und Einkommen.
  • Männer mit einer Fliegenfalle
    Biologische Tsetsefallen halfen, die Krankheit unter Kontrolle zu bringen.
  • Frau am Mikroskop
    Auch die Malaria wurde dank koordinierter Massnahmen besiegt. Die Aufklärung der Bevölkerung spielte dabei eine grosse Rolle.
  • Mann im Mais
    Durch die erfolgreiche Schädlingsbekämpfung im Mais und Sorghum konnten die Menschen ihre Ernährung, ihre Gesundheit und ihr Einkommen verbessern.
  • Honig ist in Äthiopien sehr gefragt. Mit Bienenhaltung wurde eine lukrative Einkommensquelle geschaffen.

Ein Unglück kommt selten allein

Vor Projektbeginn herrschte in Tolay das Elend. Die Menschen litten unter der Malaria. Kleinkinder starben und Erwachsene lagen krank darnieder. Auf den Feldern fehlte es dadurch an Arbeitskräften. Es war eine menschliche Tragödie.

Auch um das Vieh stand es schlecht. Praktisch der gesamte Tierbestand war der Schlafkrankheit (Nagana) zum Opfer gefallen. Es fehlte an Milch, Fleisch, Mist und Einkommen. Mangels Zugochsen standen die Ackerpflüge still. Die bewirtschaftete Ackerfläche nahm um ein Vielfaches ab, die Ernten brachen ein. Mangelernährung, Hunger, Verschlechterung der Gesundheit und Armut waren die Folgen.

Erfolgreiche Hilfe zur Selbsthilfe

In ihrer Not wandten sich die Menschen an das icipe und Biovision. Die beiden Organisationen hatten in Kenia und Äthiopien bewiesen, dass die Malaria und die Nagana mit biologischen Methoden kontrolliert werden können. Das Konzept wurde auch in Tolay angewendet. Gemeinsam mit der Bevölkerung nahm man also zuerst die Krankheitsüberträger ins Visier. Für beide Interventionen stand die Aufklärung der Betroffenen über die Krankheitsursachen, die Übertragung und die Prävention an erster Stelle. Die Malariamücken wurden mit einer Kombination umweltfreundlicher Massnahmen erfolgreich bekämpft und die Gefahr gebannt: Überwachung und Eliminierung der Brutgewässer, biologische Bekämpfung der Larven, Verteilung von Bettnetzen und Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden. Das Vorkommen von Tsetsefliegen, welche die Nagana übertragen, konnte mit Duft- und Farbenfallen auf ein unproblematisches Niveau gesenkt werden.

Schritt für Schritt aus der Krise

Der Sieg über die beiden Krankheiten war eine starke Basis für zwei erfolgreiche Folgeprogramme: die biologische Bekämpfung von Schädlingen im Mais und Sorghum und die Einführung der modernen Bienenhaltung. Dank der Hilfe zur Selbsthilfe in Tolay gelang es den Menschen, ihre Gesundheit und die Ernährung zu verbessern, neue Einkommensquellen zu erschliessen und die Krise Krise zu überwinden.