Schweiz und International

Mit Agrarökologie gegen den Klimawandel

Unser Einsatz für zukunftsfähige Nahrungssysteme

Ausgangslage

Die Auswirkungen des Klimawandels wie Dürren oder Überschwemmungen verursachen Rückschläge bei den derzeitigen Entwicklungsanstrengungen, die Ernährungssicherheit im globalen Süden zu gewährleisten. Gleichzeitig werden durch die globalen Nahrungsmittelsysteme, insbesondere in der konventionellen Landwirtschaft, erhebliche Mengen an Treibhausgasemissionen verursacht. Die Agrarökologie hingegen stärkt die Widerstandsfähigkeit der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern durch Diversifizierung der Produktion, erhöhter Ressourceneffizienz und -erhaltung sowie durch Integration sozialer Aspekte. Das Potential zur Verminderung von Treibhausgasemissionen, die sich als Mitnahmeeffekte z.B. aus der Kohlenstoffspeicherung im Boden oder der reduzierten Produktion von synthetischen Düngemitteln ergeben, ist beachtlich. Dieses Potenzial der Agrarökologie zur Klimaanpassung in der Landwirtschaft und Stärkung der Ernährungssicherheit wird deshalb von internationalen Organisationen (insbesondere der FAO) zunehmend bestätigt. Allerdings haben bislang nur die wenigsten Regierungen ihre Agrarpolitik so ausgerichtet, dass sie ein günstiges Umfeld für die Skalierung von agrarökologischen Ansätzen schaffen. Biovision arbeitet mittels Politikdialog und Anwaltschaft daran, dies zu ändern.

Siraro, Trockenheit
In Subsahara-Afrika häufen sich die Wetterextreme. Dürreereignisse nehmen zu, Regenzeiten verschieben sich oder führen zu Überschwemmungen und Zerstörung.

Wie hilft Agrarökologie beim Klimaschutz? Wie verstärkt Agarökologie die Widerstandskraft (Resilienz)? Die Infografik erklärt die Zusammenhänge und die entstehenden Synergien.

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Projekt

Das Projekt des Teams Politikdialog & Anwaltschaft wird parallel in zwei Modulen umgesetzt:

Modul A) Zusammenfassung und verständliche Vermittlung wissenschaftlicher und anwendbarer Erkenntnisse über das technische und politische Potenzial der Agrarökologie als ganzheitliche Lösung für klimatisch bedingte Umweltprobleme der Gegenwart. Zielgruppe sind politische Entscheidungsträger und Geberorganisationen (internationale Ebene und Fallstudien in West- und Ostafrika).

Modul B) Förderung der Verbreitung der agroökologischen Landwirtschaft durch:

  • Überzeugungsarbeit und Präsentieren von erfolgreichen Pilotprojekten bei Entscheidungsträgern und der Gebergemeinschaft, um eine stärkere Unterstützung für Ressourcen, Kapazitäten und Finanzierung zu erreichen (international und Ost-Afrika).
  • Anstoss und Unterstützung partizipativer und integrativer Austauschplattformen für Wissensmanagement-, Entscheidungs- und Berichterstattungsmechanismen (CSA-Agrarökologie-Plattformen) auf nationaler Ebene in Kenia
  • In Zusammenarbeit mit einem gut abgestützten Konsortium an lokalen Anspruchsgruppen werden in Kenia Strategien und konkrete Programme zur Argrarökologie erarbeitet, welche zielgerichtet implementiert werden können

Langfristiges Ziel ist es, die nötigen politischen Voraussetzungen zu schaffen, um genügend gesunde Nahrung durch einen ökologischen Ansatz zu produzieren und damit sich Kleinbauern besser an externe Veränderungen wie den Klimawandel anzupassen können.

Relevanz

Das Projekt nutzt den vorhandenen Rahmen des Pariser Klimaabkommens und der Agenda 2030, um dem wissenschaftsbasierten Ansatz der Agrarökologie zu mehr Beachtung und Anwendung zu verhelfen. Dadurch wird der Paradigmenwechsel hin zu nachhaltigen, globalen Nahrungssystemen vorangetrieben.

Projektziele 2019

  1. Durchführen einer systematischen Metastudie durch FIBL, FAO und Biovision zur Bewertung des Potenzials der Agrarökologie zur Erhöhung der Klimaresistenz in der Landwirtschaft (Schwerpunkt Subsahara-Afrika). Berücksichtigung der Resultate in den internationalen Klimaverhandlungen (SBSTA 50 Submission und side-event), Präsentation der Resultate an der Klimakonferenz COP26 und der CFS Jahreskonferenz.
  2. Durchführen von Fallstudien mit der FAO in Kenia und Senegal über das kontextspezifische, technische und politische Klimapotenzial der Agrarökologie in diesen beiden Ländern. Präsentation und Diskussion der Resultate bei Entscheidungsträgern aus den beiden Ländern.

Bisher Erreichtes

Ein umfassender analytischer Rahmen für die Klassifizierung der Agrarökologie wurde erarbeitet und in die Agroecology Infopool Website integriert: Die Plattform verbindet bestehendes Wissen mit beispielhaften Methoden und Projekten der Agrarökologie und dient so als Referenz, um sich einem gemeinsamen Verständnis von Agrarökologie anzunähern. Zudem ist nun eine politisch aktive Agrarökologie-Allianz sowie eine Austauschplattform zum Thema in Kenya eingerichtet, die grosses Interesse und Andrang erfährt.

Zusätzliche Informationen

Derzeit führt das kenianische Landwirtschaftsministerium (MOALFI) eine nationale Climate Agriculture Strategy in allen 47 kenianischen Bezirken ein. Basierend auf dieser nationalen Strategie entwickelt jeder Bezirk Anpassungsstrategien und -massahmen, die auch agroökologische Ansätze beinhalten können. Das Projekt von Biovision will diese politische Dynamik nutzen. In 20 Bezirken hat Biovision bereits eine Bedarfsanalyse über das Potenzial zur Förderung und Stärkung agrarökologischer Massnahmen durchgeführt. Dabei wurden folgende Handlungsebenen identifiziert: Unterstützung bei der Politikentwicklung, Kapazitätsaufbau sowie die Finanzierung der Umsetzung. In einem Pilot-Bezirk wird nun durch Politikdialog auf diese Bedürfnisse weiter eingegangen und Unterstützung bei der Lösungsfindung geboten.
In Zusammenarbeit mit MOALFI und CCAFS Kenia wird zudem im Rahmen des Projekts eine Multi-Stakeholder-Plattform eingerichtet, die in Abstimmung mit allen beteiligten Interessengruppen Leitlinien, Umsetzungspläne und Mechanismen im Rahmen der nationalen Leitlinien gegen den Klimawandel (NDC) für Agrarökologieprojekte entwickeln.
In Zusammenarbeit mit MOALFI ist die Durchführung wissenschaftlich begleiteter Pilotprojekte in ausgewählten Landkreisen und Gemeinden geplant, die ihre Anbaumethoden auf agroökologischen Prinzipien aufbauen. Diese Erfahrungen liefern Inputs und Inspiration für die CSA-Plattformen auf Länderebene und stellen einen Machbarkeitsnachweis für politische Entscheidungsträger bei der Entwicklung unterstützender Strategien und Umsetzungspläne dar.