Mit ökologischem Landbau gegen die Klimakrise

Im Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme hat der Weltklimarat Anfang August darauf hingewiesen, dass ohne einen Kurswechsel zu nachhaltigen Ernährungssystemen die Pariser Klimaziele nicht mehr erreicht werden können.


Mit ihrer Vision "Agrarökologie gegen den Klimawandel" setzt sich Biovision bereits seit längerem dafür ein, dass biologische Landwirtschaft als Methode zur Reduktion von Ursachen des Klimawandels erkannt und für die Bekämpfung und Linderung der Folgen der Klimaerwärmung eingesetzt wird. 
Martin Herren vom Team Politikdialog und Anwaltschaft erklärt die Zusammenhänge, die wir auch auf einer Infografik ausführlich erläutern.

 

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1. In Bezug auf den Klimawandel: Ist die Landwirtschaft Täter oder Opfer? 

Primär sind Bäuerinnen und Bauern Betroffene des Klimawandels. Ihre Produktionsgrundlagen Boden und Wasser sind direkt gefährdet. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Subsahara-Afrika – sie sind verantwortlich für 75 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion auf dem Kontinent – stehen angesichts ihrer beschränkten Anpassungsmöglichkeit vor existentiellen Herausforderungen. Auch mittlere und Grossproduzenten werden ihre Produktionsmethoden anpassen müssen. Dies eröffnet ihnen aber gleichzeitig die Chance, dazu beizutragen, den beträchtlichen Treibhausgasausstoss aus der industriellen Landwirtschaft zu senken.

2. Welches sind die grössten Herausforderungen, mit denen sich die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Ostafrika in den nächsten 10 Jahren in Bezug auf den Klimawandel konfrontiert sehen?

Bäuerinnen und Bauern sind es gewohnt, sich wechselnden Witterungsbedingungen anzupassen. Die Schwankungen werden jedoch immer grösser und weniger vorhersehbar – dies stellt eine grosse Herausforderung dar. Zu beobachten sind heute schon Verschiebungen oder gar Ausfälle von Regenzeiten, starke Schwankungen der Niederschlagsmengen, eine Zunahme von Extremereignissen sowie die zunehmende Ausbreitung von Schädlingen. Indirekte Gefahren sind auch klimatische Extremereignisse andernorts, die sich global auf die Nahrungsmittelmärkte auswirken können.

3. Wie kann der Ansatz der Agrarökologie helfen, diese Herausforderungen zu meistern?

  1. Agrarökologie ist wissensintensiv. Wenn Bäuerinnen und Bauern genau verstehen, wie Landwirtschaft aus ökologischer Sicht funktioniert, können sie sich gezielter auf Klimaeinflüsse vorbereiten oder mit wirksamen Methoden darauf reagieren.
  2. Agrarökologie setzt auf eine diversifizierte Produktion. So kann das Risiko verringert werden, dass im Falle eines klimatischen Extremereignisses die gesamten Einnahmen ausfallen.
  3. Die Nutzung von Synergien, eine effiziente Ressourcennutzung und eine clevere Kreislaufwirtschaft stärken die Resilienz der Bauern.
  4. Lokale Produktions- und Konsumationssysteme, die sich auf traditionelle Sorten, soziale Netze und lokale Märkte stützen, sind weniger anfällig auf interne oder externe Klimaschocks.
  5. Die sozialen Prinzipien der Agrarökologie helfen auch, Ungleichheiten auszubalancieren. Dies stärkt die Widerstandsfähigkeit der schwächsten Mitglieder einer Gesellschaft, die typischerweise am stärksten von Klimaschäden betroffen sind.

4. Wie viel tragen die Bäuerinnen und Bauern Subsahara-Afrikas zum menschgemachten Klimawandel bei?

Der Einfluss der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern auf den Klimawandel ist verschwindend klein. Die Treibhausgas-Emissionen aus dem globalen industriellen Agrarsektor sind jedoch beträchtlich, wie der Weltklimarat IPCC in seinem Sonderbericht vom August 2019 bestätigte. Ein grosser Teil der Emissionen entsteht vor und nach der eigentlichen landwirtschaftlichen Produktion: bei der energieintensiven Produktion von synthetischen Düngemitteln oder ausgelöst durch steigenden Fleischkonsum. Grössere Betriebe haben ein Reduktionspotenzial beim Transport, der Lagerung und dem Verkauf ihrer Produkte. Des Weiteren sind zunehmende Entwaldung und die Umnutzung von Landflächen in Subsahara-Afrika bedenkliche Entwicklungen.

5. Wie kann die Agrarökologie dazu beitragen, dass Klimaemissionen vermindert werden?

In erster Linie unterstützt die Agrarökologie Bäuerinnen und Bauern bei der Anpassung an den Klimawandel. Sie birgt aber durchaus auch Potenzial, den Ausstoss von Klimagasen zu reduzieren. Ganz konkret zum Beispiel beim Verzicht auf synthetische Düngemittel und Pestizide oder dem Verbrennen von Ernteresten unter freiem Himmel. Agrarökologie propagiert einen grundlegenden Wandel darin, wie wir unsere Nahrung produzieren und konsumieren. Eine solche Transition könnte das gesamte Nahrungssystem deutlich weniger CO2-intensiv gestalten. Aber sie braucht Zeit – und für den Übergang auch staatliche Unterstützung.