Schweiz und International

Advocacy für Agroökologie

Ausgangslage

Die globalen Nahrungssysteme beruhen weitgehend auf einem Landwirtschaftsmodell, das den Bezug zu seiner ökologischen und sozialen Grundlage verloren hat. Anstelle eines nachhaltigen und vielfältigen Landbaus, wie in der Agenda 2030 gefordert, überwiegt eine industrialisierte und intensive Landwirtschaft - zumindest in den Industrie- und Schwellenländern. Es ist eine Landwirtschaft, die Böden auslaugt und Regenwälder rodet, Gewässer verschmutzt und die Biodiversität bedroht, die Schädlinge resistent macht und die Gesundheit der Produzenten und zunehmend auch der Konsumenten gefährdet. Schliesslich trägt sie durch zusätzliche Treibhausgasemissionen massgeblich zum globalen Klimawandel bei. Die Agrarökologie bietet einen systemischen Ansatz zur Gestaltung unserer Nahrungssysteme, der auf viele dieser Herausforderungen gleichzeitig eine Antwort hat. Agrarökologische Praktiken tragen zum Erhalt unserer natürlichen Ressourcen, zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und zu einem gesunden Klima bei.

Projekt

Ziel des Projektes ist es, das Potential von systemischen, agrarökologischen Nahrungssystemen besser zu nutzen. Dazu soll zum einen die wissenschaftliche Basis weiter ausgebaut werden, gleichzeitig soll die Agrarökologie mittels begünstigenden politischen Rahmenbedingungen gefördert werden. Zudem wird im Projekt eine bessere Kommunikation und eine engere Koordination zwischen den Geldgebern, Forschern und den politischen Entscheidungsträger angestrebt.

Ausgewählte nationale und regionale Regierungen werden in einer ganzheitlichen Politikplanung unterstützt, indem konkrete agrarökologische Anwendungen (wie z.B. Push Pull) sichtbar und verständlich gemacht werden. Insbesondere der Klimawandel und die länderspezifischen Versprechen des internationalen Klimaabkommens bieten den nötigen politischen Rahmen, die Dringlichkeit für die Umsetzung von agroökologischen Lösungsansätzen wahrzunehmen.

Das langfristige Ziel ist es, ökologisch, sozial und ökonomisch gesunde Nahrungssysteme zu etablieren, welche die Bevölkerung auch unter veränderten klimatischen Bedingungen ernähren können. Ein tiefgreifender Paradigmen- und Systemwechsel kann dabei nur schrittweise und in einer längerfristigen Transition erfolgen, weshalb Biovision die Umsetzung der notwendigen Schritte etappenweise plant.

Wo der Wald stirbt, breitet sich die Armut aus. Davon sind zunehmend auch fruchtbare Gebiete in Afrika betroffen. Bedingt durch die Waldverluste und den Klimawandel werden die Regenfälle immer unberechenbarer.

Relevanz

Die Balance und die Synergien zwischen den ökologischen, sozialen und ökonomischen Prozessen in lokalen Nahrungssystemen stehen im Zentrum des Projekts– wie bereits im Weltagrarbericht (IAASTD 2008) gefordert und mit der Agenda 2030 global anerkannt.

Das Projekt nutzt den nun vorhandenen Rahmen der Agenda 2030 und des Pariser Klimaabkommens, um dem wissenschaftsbasierten Ansatz der Agrarökologie zu mehr Beachtung und Anwendung zu verhelfen und dadurch den Paradigmenwechsel hin zu nachhaltigen globalen Nahrungssystemen voranzutreiben.

Projektziele 2018

  • Ziel 1: Förderung agrarökologischer Forschung durch Sensibilisierung und Zusammenarbeit mit Geberorganisationen, Regierungen und der Forschungsgemeinschaft.
  • Ziel 2: Weiterführung des «Kurswechsel Landwirtschaft» Ansatzes; Das Politik-Planungswerkzeug T21/iSDG zur Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaftsstrategie in einer Region (Djourbel) im Senegal anwenden, um die politischen Massnahmen zur Erreichung der Agenda 2030 zielführender zu gestalten.
  • Ziel 3: Information, Sensibilisierung und Unterstützung von Entscheidungsträgern auf internationaler Ebene (bspw. Klimakonvention) sowie Aufzeigen des Potenzials von agroökologischen Massnahmen und Strategien in Kenia, um den negativen Folgen des Klimawandels zu begegnen.

Bisher Erreichtes

Kurswechsel Landwirtschaft Projekt (2012-2017):

Kurswechsel Landwirtschaft (KWL) ist ein von 2012 bis 2017 in Zusammenarbeit von Biovision mit dem Millennium Institut durchgeführtes Projekt. Ziel war es politische Rahmenbedingungen für eine globale, nachhaltige Landwirtschaft zu schaffen.

International stand die Fürsprache für nachhaltige Landwirtschaft an multilateralen Gipfeltreffen im Vordergrund. So war das Biovisions-Team aktiv an den Verhandlungen der Rio + 20 Konferenz und der Agenda 2030 beteiligt. Während des Verhandlungsprozesses der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) setzte sich Biovision insbesondere für das SDG 2 „Hunger beenden, Ernährungssicherheit und bessere Ernährung erreichen und nachhaltige Landwirtschaft fördern“ ein.

Mittels strategischen Allianzen und Plattformen, wie zum Beispiel dem Ausschuss für Welternährungssicherheit in Rom (CFS) oder im Rahmen des UNO-Programms für nachhaltige Nahrungssysteme (10YFP), verstärkte Biovision ihre Rolle als „Pionierin des Wandels“ und hat so erfolgreich zur Umsetzung der Agenda 2030 auf internationaler Ebene beigetragen.

Auf nationaler Ebene unterstützte Biovision zusammen mit dem Millennium Institute die Regierungen von Äthiopien, Kenia und Senegal bei der Planung von nachhaltigen Landwirtschaftsstrategien – auch mit Blick auf die Umsetzung des SDG 2. Dies mittels der Anwendung eines integrierten Politik-Planungswerkzeug dem sogenannten T21/iSDG Model. Die Arbeit von Biovision hat dazu beigetragen den politischen Dialog in diesen Ländern zu stärken, unter anderem durch den Einbezug von Bauernorganisationen und der Zivil Gesellschaft – Gruppen, die sonst bei den Entscheidungsprozessen gerne ausgeschlossen werden.

Dank des Erfolgs auf nationaler Ebene in Senegal hat das Finanzministerium in Dakar darum gebeten, die Arbeit von Biovision und dem Millennium Institute auf regionaler Ebene fortzusetzen. In Kenia unterstützt das Team auf Anfrage des Landwirtschaftsministeriums die Regierung in der Politikanalyse und Planung, um mittels agrarökologischer Methoden dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Beacons of Hope Projekt (2017-2019):

Im Projekt «Leuchttürme der Hoffnung» hat das Politik und Anwaltschaftsteam im Auftrag der «Global Alliance for the Future of Food» weltweit über 130 Projekte für einen Wandel zu einem ökologischeren und sozialeren Ernährungssystem analysiert. Daraus wurden 21 ausgesucht, die gute Leuchtturmbeispiele und damit Inspiration für einen erfolgreichen Wandel sind. Identifiziert wurden sie mittels einer von Biovision eigens dafür entwickelten Methodik, die insbesondere die Dynamik solcher Veränderungsprozesse sowie deren Hindernisse und Chancen anschaut. Eine der bedeutendsten Erkenntnisse ist die Tatsache, dass ein Grossteil der 21 Initiativen den agrarökologischen Ansatz als Grundlage ihrer Aktivitäten nutzt. Dies stärkt den Beweis, dass die Agrarökologie die Nachhaltigkeit auf allen Ebenen fördert - und das Potenzial besitzt, eine Transformation des gesamten Ernährungssystems voranzutreiben.