"Wir müssen alle mehr zusammenarbeiten: beginnen wir jetzt!"

Welches Potenzial birgt die ökologische Landwirtschaft im Kampf gegen den Klimawandel? Wie können wir grundsätzlich widerstandsfähigere Produktionssysteme fördern, anstelle von einzelnen, isolierten Symptombekämpfungsmassnahmen? Biovision initiiert zur Lösungsfindung den Austausch unter Entscheidungsträgerinnen und –trägern und organisierte deshalb einen runden Tisch in Zürich.

Jonas Wieckert, Biovision

Die Wissenschaft ist sich einig: Der Klimawandel ist die grösste und komplexeste Herausforderung für unsere Landwirtschaft und Nahrungssysteme und damit auch für die Menschen die davon leben. Wo liegen die Chancen einer agrarökologischen Landwirtschaft im Kampf gegen den Klimawandel, was sind die Herausforderungen? Für die Lösungsfindung ist es notwendig, den Austausch unter Fachleuten zu fördern und die relevanten Akteure in der Schweiz und international besser miteinander zu vernetzen. Dazu organisierte Biovision für Experten aus der Forschung, der Verwaltung, dem privaten Sektor und Nichtregierungsorganisationen  gemeinsam mit dem internationalen Forschungsprogramm zu Klima, Landwirtschaft und Ernährungssicherheit CCAFS, einen Workshop in Zürich.

Nach der Einführung ins Thema durch CCAFS und Biovision waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmern einig, dass die Herausforderung und Chancen der ökologischen Landwirtschaft nahe beieinander liegen. Erstere liegt darin, dass Massnahmen gegen den Klimawandel zeitgleich zwischen sehr vielen Akteuren mit teilweise gegensätzlichen Interessen koordiniert sein müssen um richtig greifen zu können. Zudem braucht es bessere und effektivere politische Rahmenbedingungen. Grosses Potential liegt hingegen in der Nutzung von Synergieeffekten. Diese zu erreichen ist das Ziel der systemischen, ökologischen Landwirtschaft, die den Plan eines Ökosystems „kopiert“ und durch Diversifizierung, Ressourceneffizienz und Schliessung von natürlichen Kreisläufen die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel stärkt. Fabio Leippert von Biovision präsentierte anhand des Push-Pull Ansatzes und der politischen Arbeit von Biovision konkrete wirkungsvolle Beispiele.

Im Austausch kamen die Expertinnen und Experten zu folgenden Schlüssen:

  • Ein Wandel hin zu nachhaltigeren Landwirtschaft- und Ernährungssystemen ist in Anbetracht des Klimawandels dringend.
  • Im Vergleich zu konventionellen Methoden, ist eine systemische, ökologische Landwirtschaft nicht nur resistenter gegen die Folgen des Klimawandels, sie kann auch einen Beitrag zur Milderung des Temperaturanstiegs leisten.
  • Das Pariser Klimaabkommen sowie die UN Nachhaltigkeitsziele bieten eine gute Grundlage, um das steigende Bewusstsein für systemische, ökologische Ansätze in konkretes Handeln umzuwandeln.
  • Leider dominiert immer noch isoliertes Denken, Planen und Handeln. Das Potenzial von ökologischen sowie politischen Synergien bleibt oft ungenutzt. Gründe hierfür sind häufig fehlende Zeit, Ressourcen, politischer Wille, aber auch mangelnde Kommunikation zwischen den betroffen Akteuren

Hier setzt Biovision mit ihrer Vermittlerrolle an und versucht als Facilitator die Akteure nicht nur zu mehr systemischen und ökologischem Denken anzuregen, sondern auch ihren gegenseitigen Austausch zu fördern und beschleunigen. Die zentrale Erfahrung der Anwesenden am Workshop fasste Maryline Darmaun von der FAO treffend zusammen: „We all agree on the need to collaborate more, why not start now?“ („Wir sind uns alle einig dass wir mehr kooperieren müssen, warum beginnen wir nicht gleich jetzt“)

Die Teilnehmenden am runden Tisch waren unter anderem von folgenden Organisationen: CCAFS, BLW, Universität Bern, ETH Zürich, DEZA, FAO, Helvetas, Syngenta Foundation, Brot für alle