Neue Partnerschaft mit grosser Innovationskraft

Mit dem Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (SWISS TPH) hat Biovision seit Anfang Jahr einen neuen Projektpartner. Simon Gottwalt, Molekularbiologe und Verantwortlicher für die Projekte zur Tier- und Menschengesundheit bei Biovision, stellt das neue «One Health»-Projekt in Äthiopien vor und spricht über das Potenzial dieser Partnerschaft. 

Simon, warum wurde für «One Health» gerade das Swiss TPH als Partner gewählt?

In unseren Entwicklungsprojekten testen wir innovative und umweltfreundliche Ansätze zur Bekämpfung des Hungers. Dabei gehen wir wissenschaftlich vor und versuchen herauszufinden, welche Ansätze erfolgsversprechend sind. Das Swiss TPH ist eines der führenden Forschungsinstitute weltweit im Bereich der globalen Gesundheit und daher ein idealer Partner mit grosser Innovationskraft. Die Synergien dieser Partnerschaft möchten wir nutzen.

Welche Synergieeffekte erhofft sich Biovision durch die Kooperation mit Swiss TPH?

Seit etwa zwei Jahren versuchen wir, die Bereiche Tier- und Menschengesundheit bei Biovision durch den «One Health»-Ansatz enger zu verknüpfen. Das neue Projekt in Äthiopien mit dem Swiss TPH ergänzt unsere bisherigen Projekte mit einer innovativen Methode zur besseren Erkennung von Tier-und Menschenkrankheiten. Funktioniert die Methode, lassen wir dieses Wissen auch in andere Projekte einfliessen.

Welche Rolle spielen lokale Organisationen bei der Umsetzung des Projekts?

Das Projekt wird in einem Konsortium von Swiss TPH und der äthiopischen Jigjiga Universität durchgeführt. Das Swiss TPH ist in einer Art Mentoring und Trainer-Rolle: Die Projektverantwortlichen stammen aus der Region, werden aber durch Doktorate und Masterprogramme in Basel zu Experten im «One Health»-Ansatz weitergebildet. Da «One Health» ein recht neues Konzept ist, findet sich in Ostafrika noch wenig Fachwissen zum Thema – ein fundiertes Training auf diesem Gebiet ist daher wichtig. Der Beitrag von Biovision fliesst ausschliesslich in die Umsetzung des Projekts vor Ort und das Training der äthiopischen Projektleiter.

Das «One Health»-Konzept verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz unter Berücksichtigung verschiedener Interessensgruppen. Wie wird dieser Ansatz durch die Kooperation gefördert?

Die Forschungsgruppe «One Health» des Swiss TPH ist mit ihrer Verknüpfung von Tier, Mensch und Umwelt ein idealer Partner für Biovision. Das Forschungsteam verfolgt ausserdem einen partizipativen Ansatz. Das bedeutet, die lokale Bevölkerung wird eingehend befragt und ist an der Entscheidung über die zu testenden Massnahmen stets involviert. Ausserdem setzt das Projekt in Äthiopien auf die Verknüpfung von traditionellem Wissen mit modernen Technologien. Um bessere Informationen über Wasser und Weideland zu erhalten, wird beispielsweise das traditionelle Erkundungssystem der Nomaden mit Satellitendaten integriert.

In welcher Phase befindet sich das Projekt und was sind konkret die nächsten Schritte?

In den letzten Jahren hat das Swiss TPH eingehend die Bedürfnisse und Probleme der hauptsächlich nomadischen Bevölkerung studiert. In Absprache mit den Viehhaltern wurde entschieden, dass für die Gesundheit von Mensch, Tier und Weideland ein integriertes Informationssystem eingeführt werden soll. Dazu wird zunächst eine «One Health»-Einheit – eine Art Call Center – im Gebäude des Gesundheitsministeriums eingerichtet. Die Bevölkerung wird in einem nächsten Schritt in der Benutzung des Systems geschult. So können potentiell gefährliche Seuchen und drohende Dürren früh erkannt werden. Mit dem neuen Projekt unterstützt Biovision jetzt den Aufbau dieses Informationssystems.

Simon Gottwalt während einem Projektbesuch im Trockengebiet am Horn Afrikas.