Kooperation schafft Synergien

Menschen und Tiere sind sich biologisch ähnlich. Ihr Wohlergehen ist eng miteinander und mit ihrer Umwelt verknüpft. Dem trägt Biovision Rechnung und setzt in verschiedenen Projekten einen «One Health»-Ansatz um. Doch was bedeutet das genau?

Von Simon Gottwalt, Projektleiter

Der Mensch ist ein Tier. Diesen biologischen Fakt nutzen viele Bakterien und andere Mikroben, indem sie munter vom Tier zum Menschen springen – und umgekehrt. Humanmediziner und Veterinäre in Universitäten und Behörden hingegen leben in verschiedenen Welten: getrennte Ausbildung, unterschiedliche Labore und Büros, wenig Austausch und zuweilen mangelndes Verständnis für die andere Seite.

Schlüsselrolle der Kommunikation
Am Beispiel der Biovisions-Projekte im Isiolo County in Kenia lässt sich das gut erkennen. Sobald das Veterinäramt vom Tierkrankheits-Reporter über einen möglichen Fall von Rifttalfieber erfährt, sollte es diese Information unverzüglich mit dem Gesundheitsministerium teilen. Die Zuständigen für Tier- und Menschengesundheit sitzen jedoch in zwei verschiedenen Ministerien und der Informationsaustausch ist nicht selbstverständlich. Das gilt übrigens nicht nur für die Länder Afrikas. In den Niederlanden etwa kam es 2007–2010 zu einem grossen Ausbruch des Q-Fiebers unter Menschen, weil das Veterinäramt nicht rechtzeitig informierte.

Zusatznutzen durch Zusammenarbeit
Solche Defizite versucht «One Health» (zu Deutsch: eine Gesundheit) zu beheben. Für eine bessere Gesundheitsversorgung sollen Human- und Tiermedizin, aber auch Ernährung und Umwelt berücksichtigt werden. Jakob Zinsstag, Professor für One Health am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH), fasst den Ansatz wie folgt zusammen:

«‹One Health› ist, wenn Tier- und Humanmedizin eng zusammenarbeiten und dabei einen Zusatznutzen ermöglichen: eine bessere Gesundheit von Menschen oder Tieren etwa, finanzielle Ersparnisse oder aber verbesserte Öko systemdienstleistungen. Dieser Mehrwert kann ohne die Kooperation von Human- und Tiermedizinern nicht ent stehen.» Im Isiolo County erarbeitet unser Projekt-partner, das internationale Insektenforschungs-instituticipe, deswegen gemeinsam mit den Behörden klare Regeln für den frühzeitigen Datenaustausch zwischen den Ministerien.

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Mehrere Fliegen mit einer Klappe

Seit 2019 verknüpft Biovision die Gesundheit der Menschen und Tiere auch im Bereich des sogenannten integrierten Vektor-Ma-nagements (IVM), also der Kontrolle von Zecken, Mücken und anderen krankheitsübertragenden Insekten. Bisher fokussierte Biovision IVM-Massnahmen auf die Malariakontrolle und somit auf die Menschen. Nun sollen mit einer neuen Methode buchstäblich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Dafür werden Kühe mit einem Bio- Insektizid besprüht und so die Population der Malaria übertragenden Anopheles-Mücke reduziert. Gleichzeitig werden weitere parasitische Blutsauger wie Tsetsefliegen und Zecken bekämpft, die ebenfalls gefährliche Tierkrankheiten verbreiten.

Universales Gesundheitssystem

Die Verknüpfung verschiedener Gesundheits-bereiche ist für Biovision nicht neu. Mit unseren Projekten adressieren wir seit je neben dem Wohlergehen der Tiere und Men-schen auch die Gesundheit der Pflanzen und Umwelt. Prof. Zinsstag hält dies für extrem wichtig: «Die Erhaltung der Gesundheit muss auch Faktoren wie Luftverschmutzung, Klimaerwärmung und Bodenfruchtbarkeit mit einschliessen.» «One Health» sieht er nur als einen Teilbereich von «EcoHealth», einer Art universalem Gesundheitssystem. «Alles hängt mit allem zusammen, eigentlich wissen wir das doch schon längst», so Zinsstag. Um den Mikroben jeweils einen Schritt voraus sein zu können, muss dieses Wissen dringend umgesetzt werden.