Das CO2-Gesetz ist auch eine Frage der Solidarität

Am kommenden Wochenende stimmt die Schweiz über das CO2-Gesetz ab. Die jüngste Umfrage des Forschungsinstituts GFS im Auftrag von SRF sagt ein knappes Resultat voraus. Eine Ablehnung der Vorlage würde dringend nötige Fortschritte beim Klimaschutz in unserem Land bremsen. Und sie wäre ein Zeichen mangelnder Solidarität mit dem globalen Süden.
 

In den Projektgebieten von Biovision sind die Folgen des Klimawandels deutlich spürbar. Bild: Biovision Projekt «Kamele für Trockengebiete», Isiolo County, Kenia (Foto: Peter Lüthi, Biovision)

von Peter Lüthi, Biovision

Schmelzende Gletscher, vermehrte Steinschläge, Hitzesommer oder magere Heuernten bei uns – Überschwemmungen oder Dürren mit Viehsterben und Hungersnöten in Afrika: Der Klimawandel hat begonnen. Die Welt droht aus den Fugen zu geraten, und die Existenz künftiger Generationen ist infrage gestellt.

Um dieses Schicksal abzuwenden, hat sich die Weltgemeinschaft 2015 in Paris auf das Klimaabkommen geeinigt. Jedes Land – auch die Schweiz – hat sich verpflichtet, seinen Ausstoss an Treibhausgasen bis 2050 so weit zu reduzieren, dass der globale Temperaturanstieg deutlich unter zwei Grad Celsius gehalten werden kann. Dafür hatte sich die Stiftung Biovision mit dem Team «Politik & Anwaltschaft» bereits im Vorfeld des Klimagipfels eingesetzt. Auch mit unseren Informationsprojekten in der Schweiz und den Entwicklungsprojekten in Afrika leisten wir Beiträge an den Klimaschutz und die Bewältigung der Folgen der Erderwärmung.

Zu viel oder zu wenig Regen

In den Projektländern von Biovision Ostafrikas leiden die Menschen längst unter den Folgen des Klimawandels, obwohl sie kaum zu dessen Ursachen beitragen. Sie beklagen, dass der Pflanzenbau und die Viehhaltung je länger desto schwieriger würden. «Seit einigen Jahren sind die Regenzeiten sehr unberechenbar geworden», berichtete etwa Peter Ngugi aus Kigio in Zentralkenia. «Gelegentlich haben wir zu viel, meistens aber zu wenig Regen. Und manchmal bleibt er ganz aus. Dann brechen die Ernten ein, und viele Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.»

In den Afrika-Projekten vermittelt Biovision Praktiken und Wissen an Kleinbauern- und Nomadenfamilien, mit welchen sie die negativen Folgen des Klimawandels mildern und ihre Resilienz verbessern können. Aber das reicht nicht, um ihre Existenzen langfristig zu sichern. Dazu braucht es eine schnelle und namhafte Reduktion der Treibhausgasemissionen. Darum ist die Abstimmung über das CO2-Gesetz auch eine Frage der Solidarität mit den bedrängten Menschen im globalen Süden.

Der Ball liegt bei uns im Norden

Die Schweiz hat sich mit der Ratifizierung des Klimaabkommens dazu verpflichtet, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu halten und den CO2-Ausstoss bis spätestens 2050 auf Netto-Null zu reduzieren. Doch leider ist unser Land nicht auf Kurs. Darum braucht es jetzt verbindliche Vorgaben, damit auch wir die Klimaziele doch noch erreichen. Das CO2-Gesetz, über das wir am 13. Juni abstimmen, ist der erste Schritt dazu. Damit sollen die Treibhausgasemissionen in unserem Land bis 2030 um mindestens 50 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden, und zwar zu drei Vierteln hier in der Schweiz.