Informationssystem zu Krankheiten und Dürre

Partizipatives Informationssystem für Viehhalter zu ausbrechenden Krankheiten und verfügbarem Weideland in Trockenzeiten

Projekt

Die Pastoralistinnen in Äthiopiens Somali-Region sind vielen Gefahren ausgesetzt: Dürren, Unterernährung und diversen Krankheiten, die sowohl den Menschen als auch seine Nutztiere betreffen. In diesem Projekt entwickelt die Jigjiga University zusammen mit dem Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut (Swiss TPH) ein Kommunikationssystem, welches Informationen aus den abgelegenen Gebieten per Handy sammelt und vor Krankheitsausbrüchen warnt. Zudem gibt das System während Trockenperioden Auskunft darüber, wo sich gute Weideflächen befinden. Das Projekt vereint Aspekte der Menschen- Tier und Umweltgesundheit in einem One Health Ansatz. Die Hirten können Informationen über kranke Menschen und Tiere an ein „One-Health-Büro“ übermitteln, wo lokale Experten entscheiden, ob ein Gesundheitsarbeiter vor Ort gehen muss oder ob eine telefonische Beratung ausreicht.

Da die Viehhalter von nutzbarem Weideland abhängig sind, senden sie sogenannte Sahan-Scouts aus, die Informationen über das Weideland, die Verbreitung von Tierseuchen sowie mögliche Konflikte sammeln. Auch dieses traditionelle Wissen aus dem „Sahan“-System wird ins System aufgenommen. Zusammen mit modernen Satellitendaten werden daraus Karten entwickelt, um die Pastoralisten zu verfügbarem Weideland zu lotsen.

Relevanz

Behörden, Viehzüchterinnen und Hirten erhalten durch das Informationssystem zeitnahe und zuverlässige Informationen, um auf die Herausforderungen besser zu reagieren. Indem Gesundheitsmassnahmen für Mensch und Tier schneller organisiert werden, können Krankheiten rechtzeitig erkannt, Leben gerettet und Kosten gespart werden. Das Projekt verringert den Nutzungsdruck auf die oft degradierten Weideflächen und trägt zu deren Regeneration bei. Dies verringert die Auswirkungen von Dürreperioden, die durch den Klimawandel häufiger werden. All diese Faktoren erhöhen die Produktivität und Stabilität der Viehhaltung und führen dazu, dass die stark von Armut betroffenen Pastoralisten weniger auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen sind.

Begünstigte

Zu den Direktbegünstigten gehören die 8'000 Viehhalterinnen, welche Zugang zu persönlicher Gesundheitsbehandlung erhalten. Weiter profitieren 7'000 Viehhalter von medizinischer Behandlung ihrer Tiere und zusätzlich werden 45 kommunale Gesundheitshelfer sowie 30 lokale Behördenvertreterinnen bei den Schulungen weitergebildet.

Ziele laufende Projektphase

  • Aufbau des integrierten Informationssystems durch errichten eines One Health Büros und Schulung der Viehhalter
  • Nachweis einer verbesserten und günstigeren Gesundheitsversorgung der Bevölkerung und ihrer Nutztiere
  • Wenn das System funktioniert soll es für etwa 4,4 Millionen Einwohnerinnen der gesamten äthiopischen Somali-Region (SRS)ausgeweitet werden

Nachhaltigkeit

Die Unterstützung der Lokalbehörden konnte bereits gewonnen werden. Durch die erwarteten Synergieeffekte spart das System Kosten, was die Chance einer langfristigen Umsetzung und Ausweitung durch die Lokalbehörden erhöht.

Das Projekt ist Teil der grösseren «Jigjiga One Health Initiative» in der die Universität Jigjiga als Exzellenz-Zentrum gestärkt wird. Eine langfristige Stärkung der Ausbildung von interdisziplinär denkenden Nachwuchs-Fachkräften ist somit sichergestellt.

Die lokale Gemeinschaft wurde von Beginn an in die Planung des Projekts einbezogen, dies wird während der gesamten Projektlaufzeit fortgesetzt. Somit ist die Relevanz des Projekts für die Bevölkerung sichergestellt was Teilhabe und Verantwortung der Bevölkerung fördert.


Aktuelle Geschichten und Bilder aus dem Projekt

Starker Partner mit grosser Innovationskraft

Mit dem Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (SWISS TPH) hat Biovision seit Anfang Jahr einen neuen Projektpartner. Simon Gottwalt, Molekularbiologe und Verantwortlicher für die Projekte zur Tier- und Menschengesundheit bei Biovision gibt in diesem Interview Antworten zum Projekt und Zusammenarbeit.