Weltagrarbericht: Quo vadis Schweiz?

25.06.2019

Was hat die Schweiz in den vergangenen zehn Jahren unternommen, um die Empfehlungen des Weltagrarberichts (IAASTD) umzusetzen? Maya Graf, Biovision Stiftungsrätin und Nationalrätin Grüne (BL), verlangt vom Bundesrat eine Antwort.


Die Schweiz ist eines von rund 60 Ländern, die 2008 den Weltagrarbericht der UNO und der Weltbank unterzeichnet haben. Maya Graf, Nationalrätin Grüne (BL) und Biobäuerin erkundigte sich damals bei der Landesregierung, «wie die Schlussfolgerungen des Weltagrarberichts der Uno und der Weltbank (IAASTD) in der Landwirtschaftspolitik im Inland und im Ausland im Zusammenhang mit Entwicklungshilfe, Forschung, Innovation und Handel umgesetzt werden können.» Die Antwort erhielt sie in Form eines ausführlichen Berichts. In der Sommersession 2019 fasste die Biovision Stiftungsrätin nach und verlangt in einem Postulat (vollständiger Text s. weiter unten) vom Bundesrat aufzuzeigen, «wie die (2010) angestrebten Ziele, namentlich zur Nachhaltigkeit bei Produktion und Konsum» umgesetzt worden sind. Der Bundesrat hat nach der Überweistung durch das Parlament zwei Jahre Zeit, auf den Vorstoss zu antworten.

Empfehlungen gegen den Welthunger

Vor zehn Jahren verkündete der Weltagrarrat das Ergebnis seiner vier Jahre andauernden Arbeit: Die Art und Weise, wie die Welt Lebensmittel anbaut, muss sich radikal ändern, damit Armut und Hunger besiegt werden können – nur so kann es gelingen, eine wachsende Weltbevölkerung in Zeiten des Klimawandels zu ernähren und den sozialen und ökologischen Kollaps zu vermeiden. So lautete die Kernbotschaft des International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development (IAASTD), bekannt als Weltagrarbericht. 

Im Auftrag der Weltbank und der UN hatten über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Disziplinen und Kontinente den Wissensstand über die globale Landwirtschaft, ihre Geschichte und Zukunft zusammengefasst. Sie befassten sich mit der Frage, wie durch die Schaffung, Verbreitung und Nutzung von landwirtschaftlichem Wissen, Forschung und Technologie Hunger und Armut verringert, ländliche Existenzen verbessert und gerechte, ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Entwicklung gefördert werden kann. Das Co-Präsidium des Weltagrarrats bestand aus Prof. Judy Wakhungu, ehemalige kenyanische Umweltministerin, heutige Botschafterin in Paris und Mitglied des Stiftungsrats von Biovision Africa Trust sowie Biovision Präsident Dr. Hans Rudolf Herren. Der Bericht wurde von rund 60 Regierungen, darunter der Schweiz, angenommen. 

Biovision von Anfang an dabei

Der Bericht unterstützte den Ansatz, den Biovision seit ihrer Gründung verfolgte und gab ihrem Engagement für den globalen Kurswechsel in der Landwirtschaft zusätzlichen Auftrieb. Zusammen mit über 100 weiteren internationalen Nichtregierungsorganisationen forderte Biovision deshalb, dass die Landwirtschaft an der Rio-Konferenz 2012 zur nachhaltigen Entwicklung als zentrales Thema behandelt wird. Dass es ein Lobbying für Agrarökologie braucht, zeigen die Erfolge von Biovision bei der Mitgestaltung des Weltagrarberichts, von «Rio +20» und der Agenda 2030. Besonders beim Ziel 2 der 17 neuen, nachhaltigen Entwicklungsziele konnte Biovision dazu beitragen, dass die folgende Formulierung Eingang in das SDG2 fand: «End hunger, achieve food security and improved nutrition, and promote sustainable agriculture». Auf Deutsch: «Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern».
 


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Vollständiger Text des Postulats von Maya Graf vom 21.6.2019 (Geschäft in der Geschäftsdatenbank CURIA VISTA des Parlaments)

10 Jahre Unterzeichnung des Weltagrarberichtes IAASTD – Fazit und Ausblick in Bezug auf die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der UNO Agenda 2030


Der Bundesrat wird gebeten in einem Bericht darzulegen, wie er die Empfehlungen des Weltagrarberichtes IAASTD von 2008 in den vergangenen 10 Jahren umgesetzt hat. Zudem soll er darlegen, welche weiteren Massnahmen geplant sind, um im Inland die zentralen Forderungen des IAASTD im Sinne eines Beitrags zu den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 umzusetzen.

Der Weltagrarbericht (International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development, IAASTD) rief 2008 die Weltgemeinschaft zu fundamentalen Veränderungen in der Landwirtschaft auf. Mit meinem Postulat 08.3269 Weltlandwirtschaftsbericht der Uno und dem Postulat Stadler 08.3270 Nahrungsmittelkrise. Rohstoff- und Ressourcenknappheit wurde der Bundesrat beauftragt, in einem Bericht darzulegen, wie die Schweiz die Schlussfolgerungen des Weltagrarberichts der Uno und der Weltbank (IAASTD) in der Agrarpolitik im In- und Ausland im Rahmen der Internationalen Zusammenarbeit, Forschungsförderung, Förderung von Innovation und Aussenhandelspolitik umzusetzen gedenkt.

Der Bundesrat hat dem Postulat mit seinem «Bericht zur Nahrungsmittelkrise, Rohstoff- und Ressourcenknappheit» vom 19.8. 2009 entsprochen. Der Bundesrat soll nun aufzeigen, wie die angestrebten Ziele, namentlich zur Nachhaltigkeit bei Produktion und Konsum, umgesetzt wurden, auch in Anbetracht des neuen Verfassungsartikels 104a, Buchstabe d, der „grenzüberschreitende Handelsbeziehungen, die zur nachhaltigen Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen“ fordert.

Das Diskussionspapier «Agroecology as a means to achieve the Sustainable Development Goals» des Schweizerischen nationalen FAO-Komitee zeigte dem Bundesrat auf, wie die Schweiz bei ihrem Auslandsengagement durch Förderung von Agrarökologie die nachhaltige Entwicklung beschleunigen und einen substanziellen Beitrag zur Erreichung der Agenda 2030 leisten kann.

Was unternimmt der Bundesrat im Inland, um deren Ziele, insbesondere im Bereich nachhaltige Nahrungssysteme (Produktion und Konsum) zu erreichen? Wieviel von dem, was sich der Bundesrat vorgenommen hat wurde bereits konkret umgesetzt? Wo ist die Umsetzung im Verzug? Wo setzt der Bundesrat bei der Umsetzung in den kommenden Jahren entsprechende Prioritäten?

Der Weltagrarbericht (International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development, IAASTD) rief 2008 die Weltgemeinschaft zu fundamentalen Veränderungen in der Landwirtschaft auf. Mit meinem Postulat 08.3269 Weltlandwirtschaftsbericht der Uno und dem Postulat Stadler 08.3270 Nahrungsmittelkrise. Rohstoff- und Ressourcenknappheit wurde der Bundesrat beauftragt, in einem Bericht darzulegen, wie die Schweiz die Schlussfolgerungen des Weltagrarberichts der Uno und der Weltbank (IAASTD) in der Agrarpolitik im In- und Ausland im Rahmen der Internationalen Zusammenarbeit, Forschungsförderung, Förderung von Innovation und Aussenhandelspolitik umzusetzen gedenkt.

Der Bundesrat hat dem Postulat mit seinem «Bericht zur Nahrungsmittelkrise, Rohstoff- und Ressourcenknappheit» vom 19.8. 2009 entsprochen. Der Bundesrat soll nun aufzeigen, wie die angestrebten Ziele, namentlich zur Nachhaltigkeit bei Produktion und Konsum, umgesetzt wurden, auch in Anbetracht des neuen Verfassungsartikels 104a, Buchstabe d, der „grenzüberschreitende Handelsbeziehungen, die zur nachhaltigen Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen“ fordert.