Earth Overshoot Day 2019

Genussvoll suffizient

Dank Suffizienz zum guten Leben und zur Resilienz

Die erneuerbaren Ressourcen, welche die Menschheit 2019 zur Verfügung haben, werden am 29. Juli aufgebraucht sein. Alles, was wir ab diesem Datum konsumieren, geht zulasten der kommenden Generationen und der natürlichen Resilienz unseres Planeten.

Der Earth Overshoot Day (EOD) bezeichnet jenen Tag, an dem die Nachfrage nach Ressourcen im jeweiligen Jahr übersteigt, was die Erde in diesem Jahr regenerieren kann.

Neben der Wiederverwendung (re-use) sowie der Wiederverwertung (recycle) wollen wir dieses Jahr einen vertieften Blick in die Nachhaltigkeitsstrategie der Suffizienz werfen, was soviel bedeutet wie «genug ist genug» oder «weniger ist mehr». Der Suffizienz gegenüber haben die auf immerwährendes Wachstum getrimmten Volkswirtschaften und die Industrie verständlicherweise Berührungsängste und Vorbehalte. Aber ohne Einbezug der Suffizienz wird es äusserst schwierig, unsere CO2-Ziele sowie die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu erreichen.

 

Suffizienz in der Arbeit von Biovision

Egal ob auf nationaler, internationaler Ebene oder beim eigenen Konsum: Für Biovision hat die Suffizienz einen wichtigen Stellenwert. Unsere Spezialisten und Expertinnen erklären den Ansatz mit Bezug auf ihre Projektarbeit:

Andreas Obrecht, Geschäftsführer SDSN Switzerland

Wir Menschen entscheiden uns zu einem suffizienten Lebensstil, wenn wir erkennen, dass wir so ein glücklicheres und nachhaltiges Leben führen können. Um den Earth Overshoot Day nach hinten zu verschieben (#movethedate), müssen wir als gesamte Gesellschaft und Wirtschaft suffizienter, also genügsamer, werden. Dabei müssen wir von einer mengenorientierten Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft wechseln. Eine Kreislaufwirtschaft berücksichtigt soziale- und Umweltkosten, fokussiert auf Service und Benutzererfahrung, bringt Qualität statt Quantität und erwirtschaftet ihren Gewinn primär durch Serviceleistungen an ihren langlebigen Produkten. Also all das, was wir als Konsumentinnen und Konsumenten wollen. Als Bürgerinnen und Bürger wünschen wir uns ein gutes Umfeld, welches uns angenehme Nachbarschaften, Naherholung, Kultur, Sportmöglichkeiten, kurze Wege zum Arbeitsplatz und Entschleunigung bietet. Das steht im Einklang mit dem Suffizienzgedanken. Streben wir nach einer suffizienteren Schweiz, steigern wir damit unsere Lebensqualität und leisten so unseren Beitrag zu den globalen Entwicklungszielen (SDGs). Das Sustainable Development Solutions Network (SDSN) Switzerland bringt Universitäten, Forschungszentren, zivilgesellschaftliche Organisationen, Firmen und andere interessierte Kreise zusammen, um innovative Lösungen für die Umsetzung der Agenda 2030 und die globalen Entwicklungsziele zu kreieren. www.sdsn.ch

 

 

Das Team von Politikdialog und Anwaltschaft

Suffizienz bedeutet auch Abschied zu nehmen von der endlosen Wachstumsphilosophie. Gesteigerte Effizienz alleine reicht nicht aus, um die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 zu erreichen, wenn immer mehr Menschen immer mehr konsumieren. Erhöhtes Bewusstsein seitens der Konsumentinnen und Konsumenten hin zu verantwortlichem Konsum ist überaus wichtig, jedoch nicht ausreichend. Es gilt auch, die politischen Rahmenbedingungen und Steuerungsmechanismen so umzustellen, dass auch Produzentinnen und Produzenten und Unternehmen motiviert werden, nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit zu handeln und dass suffizientes Denken und Verhalten belohnt wird.

Auf die Landwirtschaft übertragen bedeutet dies, dass die politischen Rahmenbedingungen (international, in Afrika und in der Schweiz) und die Finanzierungsmechanismen (z.B. Subventionen, Forschungs- und Entwicklungsgelder) so umgestellt werden, dass nachhaltige und suffiziente Produktions- und Handelssysteme gefördert werden. Zum Beispiel nach den Prinzipien der Agrarökologie. Diese achten darauf, nicht mehr als notwendig zu düngen und Kunstdünger zu vermeiden, dafür lokale Nähstoffkreisläufe zu schliessen (z.B. Kompost, Tierdung, Gründüngung). Die  Agrarökologie zielt darauf ab, auf jegliche Pestizide zu verzichten und stattdessen durch einen intelligenten Aufbau des Produktionssystems (z.B. Mischkulturen, Fruchtfolge, push-pull) Schädlinge und Krankheiten von Anfang an zu vermeiden und nachhaltig zu kontrollieren. Auch im Handel setzt die Agrarökologie auf lokale Wertschöpfungsketten mit positiven Auswirkungen auf die soziale Entwicklung und nicht auf Profit als einzige Messlatte des Erfolges.

Um das Wissen zur Agrarökologie zu bündeln und alle Vorteile verständlich darzustellen, haben wir den Agroecology Infopool erstellt, wo Sie mehr Informationen zu unserer Arbeit im Bereich Politikdialog und Anwaltschaft erhalten. www.agroecology-pool.org

 

 

Rahel Thommen, Nachhaltiger Konsum Schweiz

Das Thema Suffizienz ist nicht nur ein Thema für nachhaltige Politik und eine Erfolgsstrategie für ökologisch orientierte Betriebe, sondern auch für den privaten Konsum. Und es liegt ein Teil des persönlichen Glücks dort verborgen. Wer clever einkauft, clever kocht und ebenso aufbewahrt, kann sein Leben vereinfachen und die Umwelt schonen. «Clever einkaufen» bedeutet, umweltgerechte und faire Produkte zu kaufen. Ich empfehle einen Testeinkauf auf www.clever-konsumieren.ch, um sich auf Nachhaltigkeit im eigenen Konsum zu eichen. Wer saisonal und lokal einkauft, zum Beispiel auf dem Markt oder ab Hofladent, auf Labels achtet und nur so viel kauft, wie er wirklich braucht, verzichtet zwar auf die gigantische Auswahl beim Grossverteiler, tut aber viel für die Umwelt, für die Produzentinnen und Produzenten und meist auch für seine eigene Gesundheit. Dabei können neue Bekanntschaften mit Gleichgesinnten geschlossen werden, wir lernen die Biobäuerin und den Verkäufer am Markt persönlich kennen und erfahren dabei auch gleich etwas über die Entstehung des Gemüses oder mögliche Zubereitungsarten. Deshalb unser CLEVER-Tipp zum Earth Overshoot Day 2019: Weniger ist mehr! Kaufe nur, was du wirklich brauchst und vermeide dabei Lebensmittelabfälle, die nur Verschwendung von Energie, natürlicher Ressourcen und Geld ist. www.clever-konsumieren.ch