Drei Krankheiten - One-Health

Bekämpfung von Krankheiten der Menschen und Nutztiere in Kenia

Projekt

Neben dem Rifttalfieber, das von Biovision mit ihren Partnern schon seit einigen Jahren bekämpft wird, sollen zwei weitere Zoonosen (Krankheiten die sowohl Menschen als auch ihre Nutztiere befallen) eingedämmt werden. Die Leishmaniose und die Brucellose sind in den Trockengebieten Kenias weit verbreitet und eine grosse Gefahr für die dort lebenden Viehhalter.

Die Leishmaniose verursacht schwere Leber-, Milz- oder Knochenmarkschäden und führt unbehandelt bei Mensch und Tier häufig zum Tod. Beim Rifttalfieber kommt es nach starken Regenfällen zu Epidemien, momentan (Frühjahr/Sommer 2018) gibt es einen Ausbruch im Norden Kenias. Neben menschlichen Todesfällen – es gibt keine Medikamente oder Impfungen – sind Fehlgeburten und Todesfälle bei Nutztieren und Verkaufsverbote für Fleisch ein grosses Problem für die hautsächlich von Viehzucht lebende Bevölkerung. Auch die Brucellose führt zu Aborten bei Tieren und ruft beim Menschen grippeartige Symptome hervor, die unbehandelt zum Tod führen können. In pastoralen Gebieten ist ein grosser Teil der Bevölkerung und der Nutztierpopulation mit Brucellose infiziert.

Für alle drei Krankheiten (Rifttalfieber, Brucellose und Leishmaniose) ist charakteristisch, dass sie von Tieren auf Menschen und umgekehrt übertragen werden. Es besteht aber kein zuverlässiger Austausch zwischen den gesundheitlichen Fachstellen für Mensch und Tier. Das erschwert bei Ausbrüchen die Früherkennung und führt zur raschen Ausbreitung der Krankheiten. Ein Rahmenwerk, das die Zusammenarbeit der Behörden regelt, kann wesentlich zur ganzheitlichen Eindämmung und Überwachung beitragen.

Ziel des Projekts ist es, die Krankheitserreger frühzeitig zu lokalisieren, Risikogebiete zu identifizieren und im Falle eines Ausbruchs gezielte Massnahmen (z.B. Impfkampagnen für Rifttalfieber) durch staatliche Behörden in die Wege zu leiten. Dazu ist es wichtig, dass die Lokalbevölkerung über Ursachen der Krankheiten informiert ist und weiss, wie sie sich vor einer Ansteckung schützen kann. Speziell geschulte Gemeindemitglieder (Community Health Workers) führen dazu Aufklärungskampagnen durch.

Schafe, Ziegen, Kühe und Kamele sind oft von Rifttalfieber oder Brucellose betroffen. Die Krankheiten führen zu einer Häufung von Fehlgeburten und sind auch auf den Menschen übertragbar.

Relevanz

One Health ist ein ganzheitlicher Ansatz zur Bekämpfung von zoonotischen Krankheiten. Im Norden Kenias stellen die drei Krankheiten eine grosse Gefahr für die Bevölkerung und ihr Vieh dar. Die Erreger werden durch Insekten, Fleisch oder rohe Milch übertragen. Der One Health-Ansatz berücksichtigt, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und ihrer Umwelt miteinander verbunden sind. Bis anhin werden diese Krankheiten oft losgelöst betrachtet, entweder beim Menschen oder beim Nutztier, ohne die Zusammenhänge zu berücksichtigen. Die Bekämpfung der Krankheiten bedingt also eine koordinierte und sektorenübergreifende Herangehensweise und Zusammenarbeit von Viehhirten, Gesundheitspersonal, Gemeindeoberhäuptern und Beamten des Gesundheits- und Veterinärsektors.

Begünstigte

Rund 2’500 Personen aus zwei Gemeinden werden direkt begünstigt, davon sind die Hälfte Frauen. Indirekt Begünstigte sind rund 20’000 Personen, die in den zwei grossen Gemeinden leben, in denen das Projekt durchgeführt wird. Sie profitieren von der verbesserten Erkennung der Krankheiten und dem neu erworbenen Wissen ihrer Nachbarn.

Ziele laufende Projektphase

  • Prävention durch Analyse des Wissenstandes in der Bevölkerung mittels einer KAP-Studie (Wissen, Haltung und Praxis) und Durchführung von Schulungsmassnahmen
  • Erstellung eines Rahmenprotokolls, dass die Zusammenarbeit zwischen den Behörden für Tier-und Menschengesundheit und somit die Früherkennung von Zoonosen verbessert
  • Optimierung des staatlichen Seuchenbekämpfungsplans
  • Evaluation durch externe Experten zur Abklärung einer möglichen Folgeperiode

Bisher Erreichtes

Biovision unterstützte das icipe bereits 4 Jahre bei der Errichtung eines mückenbasierten Frühwarnsystems gegen das Rifttalfieber. Bei der Schulung und Befragung der Dorfgemeinschaften stellte sich heraus, dass die Bevölkerung mit weiteren schweren Krankheiten konfrontiert ist. Diese werden mit diesem Folgeprojekt angegangen.

Nachhaltigkeit

Die lokalen und nationalen Behörden (Zoonotic Disease Unit, ZDU) werden in das Projekt einbezogen. Sie können in Zukunft die Projektaktivitäten selbständig übernehmen und ihren Krankheitsbekämpfungsplan anpassen. Bei erfolgreicher Zusammenarbeit zwischen Spezialisten der Menschen- und Tiergesundheit kann der Ansatz auf weitere Gemeinden und Counties sowie auf andere Krankheiten ausgeweitet werden. Die Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut icipe gewährleistet einen zeitnahen Wissenstransfer zwischen Forschung und Anwendung in der Erkennung und Behandlung der Krankheiten.