Grünes Signal aus dem Regal

Neuerscheinung: Beobachter-Ratgeber «ÖKOlogisch!»

Bio aus Übersee oder besser konventionell-regional? Verpackung gut, alles gut? Ein neuer Beobachter-Ratgeber, entstanden in Zusammenarbeit mit Biovision, klärt auf und führt mit konkreten Tipps durch einen nachhaltigen Alltag.

 

von Maggie Haab, Redaktorin

In Zusammenarbeit mit Biovision zeigt die Autorin Stephanie Hess auf, welchen Einfluss unsere täglichen Kaufentscheide auf den Klimawandel, die Verschmutzung von Gewässern und Böden, unsere Ressourcen sowie die Biodiversität haben. Aber auch die Dimension unserer kollektiven sozialen Verantwortung wird nicht ausgeklammert. Als «grünes Signal aus dem Regal» kann und soll dieses Buch den Konsumentinnen und Konsumenten helfen, sich ihrer weitreichenden Verantwortung und Möglichkeiten bewusst zu werden. Der Ratgeber weist die Leserschaft auf leicht begehbare Wege, die sie dem Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit Schritt für Schritt näherbringen. Denn: Immerhin verbrauchen die Menschen in der Schweiz über dreimal mehr Umweltleistungen und globale Ressourcen, als ihnen eigentlich zur Verfügung stehen würden. Unser nationaler Konsum ist demnach alles andere als nachhaltig und nur dank des reichlichen Gebrauchs der Ressourcen anderer Länder und Warenimporte überhaupt in diesem Ausmass möglich.

Konsum ist nicht gleich Konsum
Übermässiger und falscher Konsum führt weltweit zu einem erhöhten Druck auf die Produktionsflächen. Seit Jahrzehnten ist zu beobachten, wie der gesteigerte Produktionsdruck in der Landwirtschaft zu unfruchtbaren Böden und erheblichen Verlusten an Biodiversität führt. Die Folge dieser intensiven Produktion verunmöglicht geradezu die Einhaltung der im Buch vorgestellten Nachhaltigkeitskriterien. Daher gilt als Faustregel, nur das zu kaufen, was man wirklich braucht und nichts zu verschwenden, ansonsten rät ÖKOlogisch! sich an den zertifizierten Nachhaltigkeitslabels zu orientieren. Wenn Böden durch die Landwirtschaft intensiv bepflanzt, gespritzt und gepflügt werden, können sie verdichten, Nährstoffe verlieren und damit weniger ertragreich werden. Am Ende dieses Prozesses steht die Bodendegradierung, das heisst: Auf dem Boden kann langfristig nichts mehr wachsen. Mehr als 75% der Landgebiete sind inzwischen erheblich degradiert.

Eine nachhaltige Zukunft muss uns nicht so viel kosten, wie sie das jetzt tut
Neben dem Stiftungsgünder von Biovision und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hans R. Herren, kommt im Buch auch Frank Eyhorn, der Biovision-Geschäftsführer in einem Interview über «True Cost» zu Wort: Eindrücklich erläutert er, dass wir nicht etwa zu wenig für die Produkte im Laden zahlen, sondern hinsichtlich ihrer «wahren Kosten» eigentlich viel zu viel. So bezahlen wir über Steuern nicht nur hohe Subventionen an die Landwirtschaft, sondern ebenso Abgaben für den kontinuierlichen Ausgleich der Umweltschäden, welche unsere Konsumprodukte verursachen. Und schliesslich bezahlen wir noch ein weiteres Mal mit unserer eigenen Gesundheit, was sich unter anderem auch bei den Krankenkassenprämien und privat bei den Arztrechnungen widerspiegelt. Wir haben diverse Fehlanreize im System, welches beispielsweise für Pestizide einen reduzierten Mehrwertsteuersatz vorsieht, während Kundinnen im Laden für Biogemüse den vollen Mehrwert bezahlen müssen.

Es ist also wichtig, unsere selektive Wahrnehmung bei den Nahrungsmittelpreisen zu überwinden und einen holistischen Blick anzunehmen, der auch die Folgekosten im Auge behält und diese in die Rechnung miteinbezieht.

Wirkungsvolle Hebel und Mythen der Nachhaltigkeit
Vieles steht und fällt mit unserer Ernährung. Darum ist ihr im Buch ÖKOlogisch! auch ein ganzes Kapitel gewidmet. Warum genau ist Bio so viel besser? Halten Labels, was sie versprechen, darf man überhaupt noch Fleisch konsumieren oder ist bei der Demeter-Milch schon aus? Das Buch greift Themen auf, welche in der Gesellschaft teilweise kontrovers diskutiert werden, rückt Halbwissen zu Leibe und räumt mit alten Mythen auf, wie etwa dem Mythos der hohen CO2-Belastung durch Transportwege: Denn der problemreichste Transport von Lebensmitteln ist nämlich jener mit dem Auto vom Supermarkt nach Hause. Diese Fahrt verbraucht etwa gleich viel CO2, wie auf ein Kilogramm Obst, das mit dem Schiff von Argentinien nach Europa transportiert wurde.

Das Problem mit dem Fleisch: In der konventionellen Landwirtschaft werden Tiere mit viel Kraftfutter gefüttert, das zu grossen Teilen aus Mais, Getreiden und Hülsenfrüchten wie Soja besteht. Nur 40% dieses Futters wird in der Schweiz produziert. Der Rest wird importiert, unter anderem rund 700kg Soja täglich. Meist stammt es aus Brasilien, wo es oft auf gerodetem Regenwaldboden, auf ehemaligem Grasland und in Savannen unter hohem Pestizid- und Düngeeinsatz wuchs. Das führt zu einer sogenannten «Nahrungsmittelkonkurrenz», welche die Nachhaltigkeitsformel «Feed no Food» verletzt. Würden wir uns dies zu Herzen nehmen, wäre einer der Hauptverursacher des Hungerproblems auf der Welt gelöst.

ÖKOlogisch!
Fakten, Wissen, Tipps nachhaltiger konsumieren in der Schweiz

Autorin: Stephanie Hess

Fester Einband, 2020 im Beobachter-Verlag erschienen, 176 S., 215mm x 185mm, ISBN: 978-3-03875-285-1