Wir haben eine Goldader gefunden

Im abgelegenen Dehana-Bezirk (Äthiopien) versuchen junge Menschen der Arbeitslosigkeit zu entfliehen und wagen den Sprung ins Unternehmertum - mit Bienenzucht und Honig. 

Am Biovision Symposium vom 16. November (nachmittags) im Volkshaus in Zürich stellen Loredana Sorg von Biovision und Workneh Ayalew vom Internationalen Insektenforschungsinstitut icipe in Äthiopien die unglaubliche Erfolgsgeschichte eines unserer Bienenprojekte vor.

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  • Wir haben eine Goldader gefunden (Aynalem Sefiew, rechts)
  • Aynalem Sefiew mit Mitgliedern ihrer Gruppe «Edget Lesira» (Arbeit für Wachstum)
  • Die Anschaffung der Bienenvölker ist Sache der Gruppenmitglieder
  • Kies Kiros Wodaj, Jungunternehmer und Priester, freut sich über die erste Honigernte
  • Loredana Sorg ist Agronomin ETH und Biovision-Programmverantwortliche

Chance für eine bessere Zukunft

Wenn Aynalem Sefiew von ihrer letzten Honigernte erzählt, vergisst sie ihre Schüchternheit und ihre Augen beginnen zu strahlen. «Ganze 80 Kilogramm konnten wir bereits ernten und auf dem lokalen Markt verkaufen», sagt die 22-Jährige voller Stolz. Sie ist verheiratet und Mutter eines kleinen Sohnes. Wie alle anderen frischgebackenen Bienenzüchterinnen und -züchter war sie arbeits- und landlos, bevor sie vor einem Jahr in das Bienenprojekt für Jungunternehmen einstieg. In diesem abgelegenen und trockenen Teil des äthiopischen Hochlandes fehlen den jungen Menschen jegliche Perspektiven. Jugendarbeitslosigkeit und Landflucht prägen die Region. Da bieten die moderne Bienenhaltung und die Produktion von reinem Qualitätshonig eine echte Chance, den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen.

Hoffnung Dank Bienenzucht und Honigproduktion  

Am Projekt von Biovision beteiligen sich 300 Jungunternehmehmende, die in 30 Gruppen organisiert sind. Jede Gruppe wurde mit 30 Bienenkästen versorgt. Alle Imkerinnen und Imker erhielten eine Ausbildung in moderner Bienenzucht sowie in der Gewinnung und Verarbeitung von hochwertigem Honig und Bienenwachs. Die Anschaffung der Bienenvölker war Sache der Gruppenmitglieder. Dafür mussten sie einen Kredit aufnehmen, was mit Risiken verbunden war. Wer den Schritt trotzdem wagte, wurde belohnt. «Mit dem Gewinn aus dem Honigverkauf konnten wir einen grossen Teil unseres Kredits bereits zurückzahlen», freut sich Aynalem. Und ihre Gruppe namens «Edget Lesira» (Arbeit für Wachstum) erschafft sich mit dem Anbau von Gemüse bereits ein weiteres Standbein. Dennoch kämpfen die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Dorf Kozba Kebele auch mit Schwierigkeiten. So musste die Gruppe etwa ihr Schaf und eine Ziege wieder verkaufen, nachdem das Kleinvieh nachts von Hyänen attackiert worden war. Ausserdem erschwert der fehlende Wasserzugang den Gemüseanbau.

Die Goldader bringt weitere Früchte

Doch statt sich von den gescheiterten Versuchen entmutigen zu lassen, probieren die Mitglieder immer wieder Neues aus. Als Nächstes planen sie die Anschaffung von Mahlsteinen für Teff. Das Getreidemehl ist unentbehrlich für die äthiopische Nationalspeise «Injera» und erzielt auf dem Markt höhere Preise als die ungemahlenen Körner. «Deine Geschichte vom Goldgräber, der nicht aufgibt und immer weiter sucht, hat mir sehr geholfen und mich ermutigt, nicht aufzugeben», sagt Aynalem Sefiew mit einem dankbaren Blick auf Lulseged Belayhun vom icipe*, der die Gruppe im Rahmen des Projekts begleitet und betreut. «Wir haben mit der ersten Honigernte bereits eine Goldader gefunden und werden weitermachen», fügt sie entschlossen an. Dafür erhält sie von Lulseged Belayhun ein zustimmendes Lächeln.