30.06.2018

Wer zuletzt lacht...

„Das Problem war riesig“, erinnert sich James Gichovi aus Kimangaru (Kenia), als Myriaden von Fruchtfliegen über seine Mangos herfielen. „Überall wimmelte es von ihnen - wir hatten keine Chance“. Schliesslich fand er aber einen Weg, seine Mangos nachhaltig zu schützen.

Peter Lüthi, Kommunikation

Vor sieben Jahren verlor Herr Gichovi 50 Prozent seiner Mangoernte und damit sein Haupteinkommen. Denn alle Fruchthändler machten wegen der verdorbenen Mangos einen grossen Bogen um die ganze Region. Die Fruchtfliegen legen ihre Eier unter die Haut der Früchte. Daraus schlüpfen die Larven, ernähren sich vom Fruchtfleisch bis die verdorbenen Früchte vom Baum fallen und verkriechen sich in den Boden, wo sie sich verpuppen. Nach der Metamorphose macht sich die nächste Generation auf die Suche nach Mangos.

Mangobauer James Gichovi

  • Mann lacht in die Kamera
    James Gichovi hat gut lachen, denn mittlerweile sind seine Mangos sicher vor Fruchtfliegen. Hier ist er mit einer selbstgebauten Fliegenfalle zu sehen.
  • Frau und Mann an einer Falle
    Erst experimentierte Gichovi auf eigene Faust. Den tatsächlichen Durchbruch schaffte er nach einem Feldtag des icipe, das unter anderem den Einsatz von Maschenzelten empfiehlt.
  • Frau und Mann reden
    Samira Mohamed vom icipe berät gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen die Mangobauern in Kenia zum „Integrated Pest Management“.
  • Mangobaum
    James Gichovis Mangobäume tragen schwer. Heute sind die Früchte praktisch ohne Schädlingsbefall und sichern dem Bauern und seiner Familie das Einkommen.

Früher hatte Herr Gichovi viel chemische Pestizide versprüht. Doch jetzt versagten diese Mittel. Da erfuhr er, dass die Fruchtfliegen mit Fallen und Duftködern bekämpft werden können. In Tat und Wahrheit war das aber nur eine von mehreren Massnahmen des „Integrated Pest Management“ (IPM). Beim IPM werden parasitäre Schlupfwespen freigelassen, welche die Fliegenbrut befallen und dezimieren. Befallene Früchte werden konsequent in speziellen Maschenzelten gesammelt. Die Fruchtfliegen und Larven bleiben darin gefangen, während die kleinen Schlupfwespen entfliehen können und der Fliegenbrut weiter zusetzen. Dazu kommen der Einsatz von Duftfallen für männliche Fliegen, das punktuelle Besprühen der Bäume mit Bio-Insektizid sowie Pilzsporen gegen die Larven im Boden.

„Integrated Pest Management“ in der Praxis

  • Mangos, die von Fliegenlarven befallen sind, werden in engmaschigen Netzen gesammelt. Die Nützlinge (Wespen) können daraus entweichen, die Fruchtfliegen bleiben darin gefangen.
  • Die Schlupfwespen, welche die Mangobauern „Farmers Friends“ nennen, werden im Mangohain freigelassen. Sie befallen dort die Brut der Fruchtfliegen und reduzieren so die Schädlingspopulation.
  • Ein Duftköder lockt die männlichen Fruchtfliegen in die Falle, wo sie durch ein Bio-Insektizid eliminiert werden.
  • Die Fallen für die Fliegenmännchen sind wichtig für den Erfolg in der Schädlingsbekämpfung.
  • Hier erklärt Peterson W. Nderitu vom icipe einer Mangobäuerin die Funktionsweise der Augumentorien (Netzfallen für Fruchfliegen).
  • Am icipe werden Fruchtfliegen zu Forschungszwecken gezüchtet.
  • Forschung im icipe Labor: Unter dem Netz befindet sich Mango-Fruchtfleisch voller Fruchtfliegeneier bzw. Larven. Die Schlupfwespen legen ihre Eier durch die Maschen in die Brut.
  • Die vom icipe entwickelten IPM Methoden wirken auch gegen die einheimische Fruchtfliegenart (Ceratitis osyra).

James Gichovi experimentierte auf eigene Faust und war zuerst erfolgreich mit Plastik-Kesseln und Duftködern. Den endgültigen Durchbruch schaffte er dann nach einem Feldtag in IPM bei icipe* und Biovision. Heute hat James die Fruchtfliegen im Griff und kann seine Mangos nachhaltig schützen. Ganz zufrieden ist er aber noch nicht, denn er denkt weiter: „Die Ausbildung war zu kurz und die Gruppen zu gross“, bemängelt James. Viele Teilnehmende hätten nicht alles verstanden, und das sei bedauerlich. „Um die Mangofruchtfliegen dauerhaft in Schach zu halten, müssen wirklich alle Bauern die IPM Methoden sorgfältig und konsequent anwenden. Nur wenn wir das schaffen, mache ich mir keine Sorgen mehr.“ Gut also, dass das Projekt „Fruchtfliegenkontrolle“ von Biovision und icipe weiterläuft.

* icipe: Internationales Insektenforschungs-Institut, Nairobi