Wie die Agrarökologie an Fahrt aufnimmt

Zu komplex, zu zeitaufwendig und nicht im grossen Stil umsetzbar – so lauten gängige Vorurteile zur Agrarökologie. Doch immer mehr Forschungsergebnisse zeigen: Sie ist sie ein überzeugender Ansatz für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem. Eine Knacknuss ist die Finanzierung. Wie Biovision jetzt Schwung in die Sache bringt.

 

Laura Angelstorf, Online-Redaktorin

Bereits 2019 offenbarte der von Biovision miterstellte «Money Flows»-Report (siehe Box), dass nur ein Bruchteil der Forschungsgelder in die agrarökologische Forschung fliesst und nach wie vor auf konventionelle Praktiken in der Landwirtschaft gesetzt wird. Die Geldgebenden argumentierten, dass ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Unterstützung eines Projekts sei, dass dieses schnell Ergebnisse liefere und rasch rentabel sei – beides ungenügende Kriterien, welche die konventionelle Landwirtschaft begünstigen. Jedoch nimmt die Anzahl wissenschaftlicher Belege zu, welche die zahlreichen langfristigen ökologischen und sozialen Vorteile der Agrarökologie aufzeigen und deutlich machen, dass sie auch rentabel sein kann.

 

Praxisbeispiele werden Geldgebende überzeugen

Die Theorie bestätigt, dass die Agrarökologie rentabel ist und viele weitere Vorteile bietet: etwa die Förderung von Kreislauf- und Solidarwirtschaft oder die faire Verwaltung des Bodens. «Die Agrarökologie ist wissensintensiv. Was man beispielsweise im Anbau an Inputs, wie Dünger oder zugekauftem Saatgut spart, wird an anderer Stelle in Form von Wissen gebraucht. Das Verständnis für die Agrarökologie bei Bauern und Unternehmerinnen zu schärfen, benötigt darum Investitionen. Wenn junge Unternehmer unter Beweis stellen können, dass sie wirtschaftlich arbeiten, zieht dies auch Investorinnen an. Damit können wir die Agrarökologie endgültig aus der Nische holen.», so Stefanie Pondini, Programmverantwortliche Politikdialog und Anwaltschaft bei Biovision.

Noch gibt es nur wenige Vorzeigeprojekte, wie COMACO oder Sylvas Food Solution aus Sambia, die über die kleinbäuerliche Struktur hinausgehen und Investor:innen von der Wirtschaftlichkeit der Agrarökologie überzeugen können. Doch erste agrarökologisch strukturierte Unternehmen sind am Entstehen. Die Biovision-Partnerorganisation Sustainable Agriculture Tanzania (SAT) hat mit der Gründung der SAT Holistic Group Limited bereits einen grossen Schritt in diese Richtung getan.

Erfahren Sie mehr über den agrarökologischen Ansatz bei SAT im Video

 

Biovision weiss, dass es weitere ausgezeichnete agrarökologische Akteur:innen und Kleinunternehmungen gibt, die mit entsprechender initialer Förderung an den Punkt kommen, dass sie wirtschaftlich und eigenständig funktionieren.

Mit Wissen den Erfolg sichern

Damit dauerhaft mehr in solche agrarökologischen Projekte und Unternehmen investiert wird, braucht es aber nicht nur sensibilisierte und überzeugte Geldgebende, sondern auch ein mehr agrarökologisches und unternehmerisches Wissen auf Seiten der Bäuerinnen und Bauern.

Erste Abklärungen von Biovision mit Expert:innen aus Uganda und Kenia ergaben, dass es sich lohne einen Wissens- und Vernetzungs-Hub zu gestalten, in welchem Hintergrundinformationen über betriebswirtschaftliche Vorgänge vermittelt und Unternehmer:innen darin geschult werden, agrarökologische Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zudem fehle es an einem Ort, wo die Vernetzung und Zusammenarbeit, also das «Matchmaking» zwischen Unternehmer:innen und Geldgebenden stattfinden kann.

 «Hier sieht Biovision eine grosse Chance, sich zu engagieren, damit schon bald mehr philanthropische aber auch privatwirtschaftliche Investoren einsteigen und mit ihren Investments aktiv zur Gestaltung eines zukunftsfähigen Ernährungssystems beitragen.», so Fabio Leippert, Programmverantwortlicher Politikdialog und Anwaltschaft bei Biovision.