Welternährungstag 2019

Biovision möchte den Welternährungstag vom 16. Oktober nutzen, um das Thema "Zero Hunger" stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Laut der UNO-Welternährungsorganisation FAO leiden noch über 820 Millionen Menschen weltweit an Hunger (Stand 2017). Gemäss FAO ist die Zahl der Hungernden bis 2015 zwar zurückgegangen, in den letzten Jahren ist sie jedoch wieder signifikant gestiegen. Biovision ist seit 1998 in Afrika tätig – dort sind heute noch über 232 Millionen Menschen von Hunger betroffen.

«Zero Hunger – kein Hunger» steht im Zentrum der Arbeit von Biovision. Unsere Vision ist eine Welt mit genügend und gesunder Nahrung für alle, produziert von gesunden Menschen in einer gesunden Umwelt. Um dies zu erreichen, richten wir alle unsere Projekte nach den Sustainable Development Goals (SDG) also an den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UNO aus.

Das Nachhaltigkeitsziel 2 «Kein Hunger» gilt dabei als Fixpunkt unserer Arbeit rund um unser Kernthema «Ernährungssicherheit und ökologische Landwirtschaft». Damit tragen wir zur Umsetzung der Agenda 2030 auf internationaler und nationaler Ebene bei.

 

 

 

 

 

Luxus beim Essen

Manche Lebensmittel sind tatsächlich mehr Luxus, als uns das wahrscheinlich lieb ist. Wir essen Avocado, Chiasamen, Gojibeeren, Grünkohl, Granatapfel, Weizengras und Algen. Diese enthalten viele Vitamine, Mineralstoffe und Nährstoffe. Dabei vergessen wir aber oft deren Schattenseiten: lange Transportwege, Anbau in trockenen Regionen, Abholzung von Wäldern zur Schaffung von Anbauflächen, fragwürdige Arbeitsbedingungen oder der Einsatz von chemischen Pestiziden. Dabei sind nicht die Produkte an sich das Problem, sondern die durch den jeweiligen Foodtrend ausgelöste Produktion in riesigen Mengen.

Beispiel Avocados

Der grösste Teil der Avocados stammt aus Mexiko. Dort wird rund ein Drittel der weltweit konsumierten Avocados produziert. Weitere Anbauländer sind die Dominikanische Republik, Peru, Kolumbien, Chile, Indonesien und auch Israel oder Spanien. Die Transportwege sind in der Regel lang. Avocados kommen zwar per Schiff nach Europa, müssen aber gekühlt transportiert und gelagert werden. Die Klimabilanz ist daher ähnlich schlecht wie diejenige von anderen exotischen Früchten wie Banane oder Mango.

Das Hauptanbaugebiet in Mexiko ist Michoacán. Von dort stammen etwa 90 % der mexikanischen Avocados. Und es sollen noch mehr werden. Es erstaunt daher leider nicht, dass landesweit jährlich bis zu 4000 Hektaren Wald, vor allem Pinien, gerodet werden, um Platz für neue Anbauflächen zu schaffen.

Rund 1'150 l Regen- und Bewässerungswasser braucht es für den Anbau von 1 kg Avocado, also etwa zweieinhalb Früchten. Dazu kommen nochmals 850 l sogenanntes "graues Wasser", das während der Produktion, der Lagerung und dem Transport verunreinigt bzw. zum Verdünnen von Schmutzwasser benötigt wird. Damit verbrauchen Avocadoplantagen etwa doppelt so viel Wasser wie der Pinienwald, der vorher auf dem Land wuchs. Die Folge: Immer weniger Wasser gelangt in die Flüsse, nicht nur in Mexiko. In Chile sind bereits ganze Flüsse ausgetrocknet. Mit weitreichenden Folgen für das gesamte Ökosystem.

 

 

 

 

Ich & Hunger

Ernährungssicherheit ist vor allem ein globales Thema. In der Schweiz gibt es mehr als genug Nahrung für jeden und jede. Doch die Weltbevölkerung wächst immer weiter und durch die industrielle Landwirtschaft verlieren die Böden ihre Fruchtbarkeit und die Biodiversität nimmt dramatisch ab. Damit reduzieren wir auch die Widerstandsfähigkeit ganzer Ökosysteme gegen Extremwetter-Ereignisse, mit denen wegen der Erderwärmung vermehrt gerechnet werden muss. Wir haben einen Weg eingeschlagen, auf dem wir systematisch unsere Lebensgrundlagen zerstören. Deshalb fordert Biovision einen Kurswechsel in der Landwirtschaft. Mit agrarökologischen Methoden, einer starken Reduktion des Fleischkonsums sowie der Eliminierung von Food-Waste könnten wir den globalen Hunger eliminieren und gleichzeitig unsere Ressourcen nachhaltig schonen.

  • Biovision informiert regelmässig zu Landwirtschaft und Ernährungssicherheit in den e-News.

 

 

Fleischkonsum reduzieren

Die Produktion von Fleisch verursacht beinahe 20% der weltweiten Treibhausgase. Diese klimaschädlichen Gase entstehen beim Anbau und Import von Futter (z.B. Soja aus Brasilien) und bei der Verarbeitung, dem Transport und der Kühlung von Fleisch. Zusätzlich stossen Wiederkäuer wie Rinder, Ziegen und Schafe Methan aus, das etwa 25x schädlicher ist als CO2. Der Einfluss von Wiederkäuern auf das Klima muss bei nachhaltiger und artgerechter Haltung allerdings differenziert betrachtet werden, denn eine Weidehaltung in Berggebieten kann auch zur Erhaltung lokaler Biodiversität beitragen. Jedoch muss die Anzahl der Tiere, insbesondere bei den Rindern, reduziert werden, das Futter soll aus Gras und Heu bestehen und möglichst ohne Kraftfutter oder Getreide auskommen.

Für die Produktion von Fleisch- und Milchprodukten werden weltweit rund 80% aller landwirtschaftlichen Flächen benötigt, wenn man der Masttiere Kraftfutter miteinbezieht, welches auch direkt vom Menschen konsumiert werden könnte (Getreide, Mais, Soja). Eine Kalorien-Verschwendung sondergleichen. Da Fleisch- und Milchprodukte, und selbst die Werbung dafür, in der Schweiz noch immer subventioniert werden, ist unser hoher Konsum von tierischen Produkten mitverantwortlich für den Klimawandel und den Verlust von Regenwaldflächen.

Wir setzen uns für einen umweltverträglichen Konsum und für politische Rahmenbedingungen ein, die ein nachhaltiges Ernährungssystem ermöglichen. Unterstützen Sie unsere politische Arbeit mit einer Spende oder Mitgliedschaft.

 

 

Grüner Daumen

Gemüse auf dem Balkon, ein Permakultur-Kurs oder gleich ganz Selbstversorger: Auf wenig Platz kann man viel mehr anbauen, als gemeinhin geglaubt wird. Es braucht also kein riesiges Grundstück, um sich teilweise mit Selbstgepflanztem zu versorgen, die Frage ist mehr: Wie grün ist dein Daumen?

 

 

Labels

Und wer hat noch den Durchblick im Label-Dschungel?
Produkte mit Label garantieren, dass das Produkt unter gewissen Richtlinien produziert wurde und daher einen Mehrwert – zumindest an Informationen –  bietet. Wichtig ist, dass die Einhaltung der Richtlinien von einer unabhängigen Kontrollstelle geprüft wird. Firmeneigene Labels sind deshalb oft heikel, und nicht alle Labels versprechen was sie suggerieren. So schneidet beispielsweise die Migros beim Nachhaltigkeitsranking mit ihrer Bio-Linie und 141 Punkten wesentlich schlechter ab, als Bio-Naturaplan von Coop (168 Punkte) oder das Knospen-Label von BioSuisse (161 Punkte). Orientierung gibts auf www.labelinfo.ch.

Unsere CLEVER-News informieren regelmässig über nachhaltigen Konsum.

Bio-übersee oder regional-konventionell

Oftmals ist es nicht ganz eindeutig, ob es für die Umwelt besser ist, ein regionales, aber konventionell angebautes Produkt zu kaufen oder ein biologisches aus Übersee.

Gemüse oder Früchte, die ausserhalb der Saison verkauft werden, müssen in der Regel über weite Distanzen transportiert werden oder stammen aus beheizten Gewächshäusern. Sie verursachen deshalb eine deutlich höhere Umweltbelastung als saisonale und regionale Produkte: Beim Kauf von 1 kg Spargeln, die von Mexiko eingeflogen werden, sind 5 l Erdöl inbegriffen. Spargeln aus der Schweiz kommen mit 0.3 l pro Kg aus (Quelle: WWF).

Importierte Produkte stammen oft aus südlichen und niederschlagsarmen Gebieten, wo die intensive Bewässerung für Export-Nahrungsmittel den lokalen Wassermangel noch zusätzlich verstärkt (z.B. Almeria in Spanien). Eine gute Faustregel ist: Immer saisonal, regional und biologisch einkaufen. Hier gibt’s unseren Saison-Kalender.