Warum afrikanische Tomatenbauern und –bäuerinnen in ihrer Existenz bedroht sind

Aus der Küche ist sie nicht wegzudenken: die Tomate. Doch ein invasiver Schädling vernichtet ganze Tomatenernten um den gesamten Globus und bedroht die Existenzgrundlage vieler Kleinbauernfamilien. Wie die biologische Schädlingsbekämpfung hilft.

 

von Laura Angelstorf, Redaktorin bei Biovision

Ihre Ursprünge hat die Tomate in Mittel- und Südamerika. Von hier stammt auch der invasive Schädling Tuta absoluta. Der Name der Motte lässt ihre Durchsetzungskraft bereits erahnen. Die Tomatenminiermotte, wie sie auch genannt wird, kann pro Jahr bis zu 12 Generationen bilden, da ihr Fortpflanzungszyklus in warmen Gebieten gerade mal einen Monat beträgt und sie in unvollständig entwickelter Form überwintern kann. 2006 hat sie Europa erreicht, vermutlich über befallene Pflanzen oder Früchte. Es dauerte nicht lange, dann war auch der gesamte afrikanische Kontinent mit dem Problem Tuta absoluta konfrontiert.

Totale Ernteausfälle drohen

Das Problem: Der Tomatenschädling kann eine vollständige Ernte vernichten. Da die Tomate das meist konsumierte Fruchtgemüse in Afrika ist, liegt es auf der Hand, dass der Schädling zu einem gesellschaftlichen Problem werden kann. Bereits heute ist der afrikanische Kontinent von Importen abhängig, da die lokale Produktion den Bedarf nicht abdecken kann. 
2018 hat die Motte einen Ernteausfall von knapp 114 000 Tonnen in Kenia verursacht, was der dreifachen Menge der jährlichen Tomatenproduktion in der Schweiz entspricht.
Mit den rein quantitativen Verlusten, die sich insbesondere in der Wirtschaftlichkeit von Tomatenplantagen niederschlagen, gehen aber weitere Probleme einher. Besonders für Kleinbauernfamilien, die meist nur geringe Mengen für den Eigenbedarf produzieren können, fällt mit dem Ernteausfall eine wichtige Lieferantin für Vitamine, Mineralien und essentielle Aminosäuren aus. 
Zudem gefährden die Tomatenbäuerinnen und -bauern häufig ihre eigene Gesundheit durch den unsachgemässen Einsatz von chemischen Pestiziden, die ausserdem teuer und häufig nicht langfristig erfolgreich sind. Tuta absoluta wird somit schnell zum existenzgefährdenden Problem, was abermals vor allem die arme ländliche Bevölkerung in Subsahara-Afrika zu spüren bekommt.

Nachhaltiger und langfristiger Schutz für die Tomate

Das internationale Insektenforschungsinstitut icipe mit Sitz in Nairobi, Kenia, hat mit Unterstützung von Biovision nach einer ökologischen Schädlingsbekämpfungsmethode für die Motte Tuta absoluta gesucht. Dabei wurde eine ebenfalls aus Südamerika stammende Schlupfwespenart an die lokalen Bedingungen in Kenia und Uganda angepasst und vermehrt. Im Zuge des Biovision-Projekts werden sie nun in den betroffenen Regionen verteilt. Dabei werden die Bauernfamilien auch im richtigen Umgang mit biologischen Pestiziden, der Gewächshaushygiene und der Befallsüberwachung geschult. „Die Strategie, den Schädling mit Nützlingen zu bekämpfen, ist definitiv der Schlüssel zum Erfolg. Es ist aber trotzdem wichtig, den Betroffenen auch Wissen im Umgang mit dem Schädling, zur Gewächshaushygiene und zur Herstellung und dem Einsatz biologischer Pestizide mitzugeben“, fasst Dr. Samira Mohamed, Forschungsleiterin im Bereich integrierte Schädlingsbekämpfung am icipe zusammen. 
Getreu dem Biovision-Grundsatz der Wissensvermittlung, welcher eine langfristige Unabhängigkeit der Kleinbauernfamilien sichern soll, wird das im Labor erprobte Wissen der Allgemeinheit zugänglich gemacht. 

Schädlingsbekämpfung ist ein globales Problem

Das Biovision-Projekt ist momentan auf eine Projektphase bis 2021 ausgelegt. Zunächst werden rund 5000 Direktbegünstigte in Kenia und Uganda in der biologischen Schädlingsbekämpfung ausgebildet und Erfahrungen gesammelt. „Wir hoffen aber darauf, dass wir noch weitere Mittel bekommen, um die Technologie auch in anderen Ländern zu verbreiten“, so Mohamed.

  • Drei junge Tomatenpflanze werden seitlich von der Sonne beschienen
    Die Tomatenpflanze ist von ökonomischer Relevanz in Sub-Sahara Afrika.
  • Ein Forscher arbeitet an verschiedenen Tomatenpflanzen im Labor.
    Forscher am icipe entwickeln ein massgeschneidertes Paket zur integrierten Schädlingsbekämpfung.
  • Eine Tomatenminiermotte sitzt auf einem Tomatenblatt.
    Die Tomatenminiermotte "Tuta absoluta" ist klein, richtet aber grosse Schäden an.
  • Eine Forscherin und ein Forscher arbeiten an Tomatenpflanzen im Labor.
    Forscherinnen und Forscher des icipe entwickelten unter anderem ein Biopestizid zur Schädlingsbekämpfung.