09.07.2018

Vielfalt als Chance

Seit zwei Jahren frisst sich der Herbst-Heerwurm durch die Felder Afrikas. Das führt nicht nur zu Ernteausfällen, sondern stösst auch eine generelle Diskussion über den Umgang mit invasiven Arten an.

Je vielfältiger eine Landschaft, ein Biotop oder ein Garten ist, desto besser kann der Lebensraum auf Störungen reagieren. Das zeigt folgendes Beispiel: Wespen – so wertvoll sie für die Natur auch sein mögen – können einem die Lust am Essen im Freien verderben. Ist der Essplatz aber umgeben von Obstbäumen und Beeren, reduziert sich der Wespendruck erheblich. Denn die Sträucher und Bäume bieten nicht nur alternative Nahrungsquellen sondern beherbergen auch verschiedene Fressfeinde

Freie Bahn für invasive Schädlinge

Genauso verhält es sich mit Agrarökosystemen. Monokulturen sind für Schädlinge ein Schlaraffenland: Nahrung im Überfluss und keine Feinde weit und breit. Um einen totalen Ernteausfall zu verhindern, bleibt oft nur der Griff zu synthetischen Spritzmitteln. Noch verheerender ist die Situation, wenn fremde Arten aus einem anderen Land oder Kontinent eingeschleppt wurden. Denn die natürlichen Konkurrenten fehlen am neuen Standort. So können sich die invasiven Arten ungehindert ausbreiten.

Spätes Erwachen

Aufgeschreckt durch die Invasion des Herbst-Heerwurms, trafen sich im Februar 2018 in Nairobi verschiedene Fachleute aus 27 Ländern, um die nächsten Schritte gegen die Ausbreitung des Schädlings zu planen. An der Konferenz wurde beschlossen, Szenarien für Afrika zu erarbeiten, um potentielle Gefahrenherde und Transportrouten fremder Arten zu identifizieren. Die Invasoren müssten abgefangen werden, bevor sie ins Land kommen. Sollten sich trotzdem neue Schädlinge einschleichen, müssten Aktionspläne bestehen, um eine weitere Verbreitung der Art zu verhindern. Bis in Afrika ein Monitoring- und Reaktionssystem aufgebaut und funktionsfähig sein wird, bleiben die Bäuerinnen und Bauern allerdings auf sich selber gestellt.

Auf Expansionskurs in Afrika: Die Larve des
Herbstheerwurms.

Ökologische Anbausysteme sind robuster

Für Kleinbauernfamilien kann der zusätzliche Druck durch eingewanderte Schädlinge fatal sein, denn ihre bewirtschaftete Fläche und der Viehbestand sind oft zu klein, um durch Schädlinge oder Tierkrankheiten bedingte Ertragsausfälle auffangen zu können. Bäuerliche Kleinbetriebe setzen daher zur Vorbeugung gegen Schädlinge mit Vorteil auf Agrarökosysteme, die durch Diversität flexibler und resilienter auf Störungen reagieren. Darum bieten etwa Mischkulturen, wie die von Biovision seit Jahren unterstützte Push-Pull Methode, aber auch bepflanzte Terrassenwälle oder Obstbäume wichtige Lebensräume für eine grosse Anzahl von Nützlingen. Sie tragen so erheblich zur Nahrungssicherheit der Landbevölkerung bei.