Lebendiger Boden tönt – Sounding Soil

Erstmals konnte die Öffentlichkeit am Samstag im Zentrum Paul Klee in Bern hören, wie Schweizer Böden tönen. Im Rahmen des Agrikulturtags feierte „Sounding Soil“ Premiere und gastiert nun noch bis am 25. November 2018 am Zentrum Paul Klee und geht anschliessend an die Zürcher Hochschule der Künste ZHdK. Biovision will mit dem Projekt auf die zunehmende Gefährdung unserer Lebens­grundlage, den Boden, aufmerksam machen.

"Aus reiner Neugier habe ich vor zwei Jahren unsere Sensoren, die wir zur Aufzeichnung von Geräuschen in Bäumen verwenden, einmal in den Boden gesteckt", erklärt Marcus Maeder, Klangkünstler, Forscher und Kompo­nist an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), die Anfänge. "Das Resultat war eindrücklich: Die Vielfalt der Klangwelt unter dem Boden ist gewaltig." In diese Klangwelt eintauchen wollten am Samstag auch rund 80 Besucherinnen und Besucher des Agrikulturtags.


Sounding Soil ist ein inter- und transdisziplinäres Forschungs- und Kunstprojekt, in dem die Akustik von Bodenökosystemen untersucht wird. Bereits wurden in der Schweiz über 20 Bodenflächen aufgenommen. Von intensiv und extensiv genutzten Landwirtschaftsflächen, über Alpweiden bis zu Waldböden. Zu hören sind u.a. Bodentiere wie Springschwänze, Hundertfüsser, Käfer, Regen­würmer, Spinnen und Heuschrecken.


Angesichts von Klimawandel und einer wachsenden Erdbevölkerung wird die Nahrungsmittelsicherheit immer wichtiger. Gesunder Boden ist als Grundlage für die Ernährung und Artenvielfalt entscheidend. Mit Sounding Soil werden deshalb spezielle Aufnahme- und Messmethoden entwickelt, mit dem Ziel, Aktivität und Biodiversi­tät in Böden künftig einfach und schnell akustisch messen und beurteilen zu können.

"Im Gegensatz zur Luftverschmutzung oder sauberem (Trink) Wasser sind die Menschen kaum darauf sensibili­siert, worauf ihr Essen wächst", sagt Sabine Lerch, Projektleiterin bei der Stiftung Biovision für ökologische Entwicklung. Tatsächlich hat die Fläche an gesunden Böden in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten drama­tisch abgenommen. Durch intensive Bewirtschaftung, den Einsatz von Mineraldüngern und chemischen Pflan­zenschutzmitteln sowie durch Verdichtung können Böden ihre Fruchtbarkeit verlieren. Erste Ergebnisse von Sounding Soil zeigen Unterschiede bei den Bodentönen zwischen extensiv und intensiv bewirtschafteten Böden.

Sounding Soil ist ein Kooperationsprojekt der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), der Nationalen Bodenbeobachtung (NABO) an der Agroscope, der ETH Zürich und der Stiftung Biovision.