Überraschungsbesuch in Ebukanga

von Peter Lüthi, Projektreporter

Der Leiter des Push-Pull-Projekts am Victoriasee in Kenia stutzt, als ich spontan vorschlage, die Sandpiste zu verlassen und Kurs auf ein malerisches Gehöft zu nehmen. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind nicht an seinem Projekt beteiligt, und er kennt sie nicht. Mir hat es der Anblick des Hofes angetan. Zudem scheint mir ein Besuch nach dem Zufallsprinzip erfolgversprechend: Schliesslich war Ziel dieses Projekts, das ich damals – im Dezember 2006 – besuchte, dass sich die Push-Pull-Methode auch ohne unser Zutun verbreitet.

Anne Atiendo Anbolis Knaben, Ebukanga (Kenia), Projekt Push-Pull. Foto: Peter Lüthi / Biovision

Auf dem Hof herrscht angeregte Betriebsamkeit. Ein Mädchen lässt sich ihr langes Haar zu feinen Zöpfchen flechten, ihre Schwester hängt farbige Tücher zum Trocknen an die Leine, und zwei ihrer Brüder blicken erwartungsvoll zum Fenster heraus. Anne Atiendo Anboli, die Mutter, beantwortet meine Frage mit einem leisen Lächeln: «Ja, ich arbeite mit Push-Pull. Ich habe letztes Jahr an einer Versammlung davon gehört und bin selber aktiv geworden, um die Technik zu erlernen.»

Push-Pull ist eine biologische Methode zur Bekämpfung von Schadinsekten und des aggressiven Striga-Unkrauts. Die Schädlinge können enorme Ernteverluste in Mais und Hirse verursachen. Mit Push-Pull wird zudem die Fruchtbarkeit und die Feuchtigkeit des Bodens erhöht, die Erosion der Ackererde vermindert und hochwertiges Viehfutter produziert.

«Die Methode hilft mir sehr», sagte Frau Atiendo Anboli. «Mein Maisfeld war von Striga durchsetzt und gab praktisch nichts mehr her». Das sei nun ganz anders, meinte sie: «Nun schaffe ich es, genügend Nahrung für meine Familie zu produzieren.»
 

  • Anne Atiendo Anboli hat die Push-Pull-Methode gegen Maisschädlinge aus Eigeninitiative und ohne Zutun von Biovision erlernt und erfolgreich angewendet.
  • Landschaft nördlich von Maseno im Vihiga County (Kenia), der Heimat von Anne Atiendo Anboli und ihrer Familie.