Traumstart für das «Food Policy Forum for Change»

Entscheidungstragende weltweit suchen vermehrt nach funktionierenden Lösungen für nachhaltige Politiken. Ein 2020 neu lanciertes Angebot bietet ihnen das Gesuchte – und mehr!
 

Von Martin Grossenbacher, Biovision 

Nachhaltige Landwirtschafts- und Lebensmittelsysteme stehen aufgrund ihrer grossen Auswirkungen auf Gesundheit, Lebensgrundlagen und Umwelt ganz oben auf der politischen Agenda. Politische Entscheidungstragende sind zunehmend daran interessiert zu lernen, wie sie dafür die Rahmenbedingungen in ihrem nationalen und lokalen Umfeld gestalten können. Für sie lancierte Biovision im Oktober 2020 mit Unterstützung der Schweiz und Deutschlands ein Angebot, das auf diese Bedürfnisse zugeschnitten ist. «Unser ‹Food Policy Forum for Change› bietet Interessierten die Möglichkeit, Wissen über Erfolgsmodelle nachhaltiger Ernährungspolitik zu erhalten und sich in geschlossenem Rahmen über gemachte Erfahrungen auszutauschen. Es ist die erste Plattform dieser Art, die sich konsequent auf agrarökologische Ansätze fokussiert», erklärt die Projektverantwortliche Charlotte Pavageau die Besonderheit des neuen Projekts.

Im internationalen Scheinwerferlicht 

Eine besondere Herausforderung stellte die Corona-Krise dar. Die Aktivitäten mussten ständig an sich ändernde Bedingungen angepasst werden, persönliche Treffen und Besuche vor Ort waren nicht möglich. Aber Charlotte Pavageau erlebte auch einen positiven Aspekt: «Durch die Pandemie erhielt die Diskussion über einen Paradigmenwechsel beim Ernährungssystem einen zusätzlichen Impuls. Der Nachhaltigkeitsaspekt ist jetzt verstärkt ins Zentrum gerückt.» Um die neu geschaffene Plattform bekannt zu machen, aktivierten Biovision und die Netzwerke der am Projekt beteiligten Organisationen* ihre Netzwerke und stellten die Initiative wurde an mehreren Online-Anlässen vor. Am bedeutendsten war dabei die exklusive Präsentation im Rahmen der Jahreskonferenz des Welternährungsausschusses (CFS) vor wichtigen politischen Entscheidungstragenden aus der ganzen Welt. Die Aufmerksamkeit auf das neue Projekt von Biovision konnte so erfolgreich geweckt und Kontakte interessierten Teilnehmenden geknüpft werden.

Die Saat ist aufgegangen 

Für das Projekt schufen die Verantwortlichen beim Bereich Politikdialog und Anwaltschaft von Biovision eigens eine neue «Politik-Champions»-Datenbank, d.h. eine Sammlung existierender Gesetze und Regelungen zur Förderung von Agrarökologie auf nationaler und lokaler Ebene. An diesen konkreten Beispielen wird aufgezeigt, wie die Anwendung agrarökologischer Prinzipien in der Realität funktioniert. Im Dezember fand schliesslich der erste Anlass mit den Mitgliedern der neuen Community statt. Behandelt wurden Fallbeispiele aus Indien, Uganda und Dänemark über politische Instrumente zum Verknüpfen einer agrarökologischen Transformation mit dem Aufbau von Märkten für Bioprodukte oder das Verbinden von agrarökologischer und integrierter Politik in Krisenzeiten. «Uns war allen klar, dass eine solche Gruppe nicht über Nacht aufgebaut werden kann», erinnert sich Charlotte Pavageau an den Beginn des Projekts. «Die grosse Resonanz und das positive Feedback nach dem Start haben uns deshalb sehr gefreut», lacht sie erleichtert. Dem «Food Policy Forum for Change» gehörten Ende 2020 bereits 278 Personen aus Afrika, Amerika, Asien und Europa an; 147 von ihnen sind direkt in die Gestaltung von politischen Prozessen involviert. 

(* IFOAM – Organics International, Millennium Institute, Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ GmbH und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO)