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Bio-Landbau trägt langfristig zur Armutsbekämpfung bei

Ein Langzeitversuch vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Indien zeigt auf, dass der Anbau von Biobaumwolle ebenso rentabel ist wie konventionell produzierte Gentech-Baumwolle, aber bei einem wesentlich geringeren finanziellen Risiko. Zudem sind die Erträge beständiger und weniger wetterabhängig.

Stabilität ist ein wesentlicher Bestandteil nachhaltiger Entwicklung und die Resultate des Langzeitversuchs zeigen auf, dass der Anbau von Biobaumwolle in Indien dieses Kriterium erfüllt. Das Expertenteam des FiBL und die lokale bioRe Association führen den Versuch gemeinsam durch. Die ersten Ergebnisse der Studie sind jetzt in der renommierten Online-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht worden. Die Versuchsreihe, die in einer langjährigen Studie ökologische und konventionelle Anbaumethoden in den Tropen systematisch vergleicht, wird auch in Bolivien und Kenia durchgeführt. Das Projekt wird von Biovision zusammen mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), dem Liechtensteinischen Entwicklungsdienst (LED), und dem Coop Fonds für Nachhaltigkeit finanziert. Erste Resultate aus Bolivien und Kenia werden noch dieses Jahr  erwartet.

Der Langzeit-Versuch in Indien zeigte, dass die Erträge des biologischen Baumwoll-Anbaus – in einer Fruchtfolge mit Sojabohnen und Weizen - anfänglich tiefer waren (siehe Grafik 1), dafür aber auch die Produktion wesentlich weniger kostete. Die Bio-Baumwolle war nach Abzug der 38 Prozent tieferen Produktionskosten gleich rentabel wie die konventionell produzierte Gentech-Baumwolle. Insbesondere in den letzten zwei Jahren war der finanzielle Ertrag aus der ganzen biologischen Produktion signifikant höher - auch ohne Bio-Preisprämie. In Indien wird mehr als 99 Prozent Gentech-Baumwolle angebaut, vor allem von Kleinbauern. Deren Produktion ist wesentlich teurer wegen der hohen Kosten für chemische Dünger, Pestizide und das gentechnisch veränderte Saatgut. Bio-Baumwolle kann mit weniger Kapital produziert werden, was die Abhängigkeit von Krediten und die Gefahr von Schulden reduziert. Die ökologische Landwirtschaft ist somit gut für ärmere Bevölkerungsschichten geeignet, insbesondere wo die Verbreitung von praxisnahen Informationen gefördert wird. Die Stabilität der Produktionskosten und Einnahmen beim Bio-Landbau tragen langfristig zur Armutsbekämpfung bei.


Grafik 1. Ernte Ertrag (Durchschnitt ± Standardfehler) 2007-2010 in Baumwolle (cotton), Soja (soybean) und Weizen (wheat). Klick auf Grafik zum Vergrössern.

 

Anbaumethoden: (●) biodynamisch, () biologisch zertifiziert, () konventionell, () konventionell mit Gentech Baumwolle, () Weizen nach Ernte Gentech Baumwolle (Weizen 2); Abweichungsbalken stehen für Standard Abweichungen vom Durchschnitt. 2009 und 2010 wurde die Gentech Baumwolle zwei bis drei Monate früher entwurzelt als die konventionelle, biologisch zertifizierte und biodynamische Baumwolle um in der gleichen Saison noch Weizen (Weizen 2) anzupflanzen wie dies auch von den lokalen Bäuerinnen und Bauern praktiziert wird. Gentech-freie Soja- und Weizensorten wurden während der gesamten Versuchsperiode  in den Feldern der konventionellen und konventionellen Gentech Baumwolle angepflanzt. Zu beachten sind die unterschiedlichen Skalen der Y-Achse in den Graphiken.


Grafik 2 . Bruttogewinn pro Hektare (Durchschnitt ± Standarfehler) von vier Fruchtfolgen: (Klick auf Grafik zum Vergrössern)

Anbaumethoden: (●) biodynamisch, () biologisch zertifiziert, () konventionell, () konventionell mit Gentech Baumwolle (inklusive Weizen, angebaut nach Ernte der Gentech Baumwolle auf denselben Feldern in den Jahren 2009 und 2010 (Weizen 2)); Abweichungsbalken stehen für Standard Abweichungen vom Durchschnitt; C = Baumwolle, S-W = Soja/Weizen; Wechselkurs Indische Rupie (INR) : US Dollar (USD) = 50 : 1 (Stand Oktober 2012), Bio-Aufschlag für biologisch zertifizierte Baumwolle erst 2010.

www.plosone.org

www.fibl.org

Laufend werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse der Langzeit-Studie publiziert. Etwa der Einfluss ökologischer bzw. konventioneller Methoden auf das Pflanzenwachstum, den Ernteertrag, die Biodiversität oder auf die Bodenfruchtbarkeit. Die Projektresultate sollen allen Interessierten als Entscheidungsgrundlage für die Wahl der für Sie geeigneten Anbaumethoden dienen. Im von Biovision unterstützten Projekt in Kenia profitieren 200 Bäuerinnen und Bauern direkt von der landwirtschaftlichen Technologie-Entwicklung durch die mit den Bauern gemeinsam durchgeführten Versuche. Hier arbeitet das FiBL mit dem Internationalen Insektenforschungsinstitut (icipe) in Nairobi zusammen. Weitere 1000 Bauern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende, sowie Vertreter von Behörden und NGOs werden im Rahmen öffentlicher Kurse im Feld in nachhaltiger Landwirtschaft geschult.