«Bodenwissen und –bewusstsein sollen wachsen»

Welchen Beitrag kann die Biovision Sensibilisierungskampagne für gesunde Böden leisten? Anlässlich des Starts der Tour 2019 von Sounding Soil auf der Bioschwand in Münsingen haben wir darüber mit Claudia Maurer von der kantonalen Fachstelle Bodenschutz BE gesprochen.


Seit dem vergangenen Wochenende ist die Klanginstallation Sounding Soil nach einem Hard- und Software Update wieder unterwegs. Am 25. Mai fand im Rahmen des Gartenfestes auf der Bioschwand in Münsingen (BE) der Auftakt der Ausstellungstour 2019 statt. Dort haben wir Claudia Maurer, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Fachstelle Bodenschutz des Kantons Bern getroffen und uns mit ihr unterhalten.

  • Sounding Soil Eröffnung 2019 Bioschwand
    Sabine Lerch, Co-Projektleiterin Sounding Soil, begrüsste die interessierten Gäste und stellte ihnen die Kunstinstallation vor.
  • Claudia Maurer, kantonale Fachstelle Bodenschutz (BE)
    Claudia Maurer, wissenschaftliche Mitarbeiterin kantonale Fachstelle Bodenschutz (BE)
  • Besucherinnen und Besucher vor der Klanginstallation
    Alt und Jung waren überrascht von der Vielfalt der Töne in unserem Boden. Sounding Soil ist noch bis am 23. Juni auf der Bioschwand.

«Bodenwissen und –bewusstsein sollen wachsen»

 «Uns fehlt zurzeit eine detaillierte Bodenkartierung. Wir wissen nicht, was sich genau unter unseren Füssen befindet und wie fruchtbar unsere Böden sind. In Zusammenarbeit mit dem nationalen Kompetenzzentrum Boden wird jetzt begonnen, schweizweit Bodeninformations-Daten zu sammeln. Das Ziel ist der Schutz der fruchtbarsten Böden. Am Bioackertag vom 13. Juni betreue ich im Rahmen des «Brennpunkt Boden» einen Posten. Dabei geht es um Biodiversität und darum, die Leute  für den Boden als belebte Welt zu sensibilisieren. Boden ist ja kein Element, das man einfach so bewusst wahrnimmt. Er ist unter unseren Füssen verborgen. Mit Sounding Soil können Menschen auf eine neue, faszinierende Art auf das Leben im Boden aufmerksam gemacht werden. Auch solche, die sonst schwierig zu erreichen sind. Ich glaube in der Citizen Science Komponente von Sounding Soil steckt ein grosses Potenzial. Wenn man aktiv mitmachen kann, ist das Interesse viel höher. Wenn jemand dem Boden bei sich zu Hause im Garten zuhören kann, dann hat das eine viel stärkere Wirkung. Das ganzheitliche, sinnliche Erfassen schafft ein ganz anderes Erlebnis, als wenn die Sensibilisierung nur über den Kopf geht.»

Bodentöne faszinieren Alt und Jung

Sounding Soil macht die Töne des Bodens für ein breites Publikum hör- und erlebbar. Was erzählen sich der Regenwurm und der Steinkriecher, wenn sie sich unter dem Rüeblifeld treffen? Wie unterschiedlich tönen ein Bio-Boden und ein konventionell bewirtschafteter Gemüseacker? Junge wie ältere Besucherinnen und Besucher waren fasziniert von der begehbaren Installation. Darin hat man das Gefühl, sich im Boden zwischen den Wurzeln und den Tieren zu befinden. Im Innern wählen sie via Touchscreen unter verschiedenen Bodenaufnahmen aus und erhalten neben dem Ton auch die Hintergrundinformationen. Damit macht das inter- und transdisziplinäre Forschungs- und Kunstprojekt auf dieses komplexe Ökosystem aufmerksam und fördert das Bewusstsein für den Boden. 

Klimaschutz via Boden

Der Verlust gesunder Böden wirkt sich auch negativ auf das Klima aus. Nachhaltig bewirtschaftete Böden helfen, Treibhausgase zu reduzieren, verfügen über eine höhere Widerstandskraft und sind anpassungsfähiger für neue Klimabedingungen. «Ich erhalte fast täglich Mails von Menschen, die sich am Projekt beteiligen wollen,» sagt Co-Projektleiterin Sabine Lerch von Biovision. «Der Zeitpunkt ist günstig, die Sensibilisierung für gesunden, natürlichen Boden zu verstärken», freut sie sich auf die diesjährige Sensibilisierungs-Kampagne.

Projekt mit starken Partnern

«Sounding Soil» ist ein gemeinsames Projekt der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), der Nationalen Bodenbeobachtung (NABO), der ETH Zürich und der Stiftung Biovision für ökologische Entwicklung.

So tönt der Boden auf der Schwand bei Münsingen BE:

Wildblumenwiese

Diese bunte Wiese liegt südseitig vor dem Hauptgebäude der Bioschwand. Der Boden ist nährstoffarm. Neben vielen verschiedenen Pflanzenarten leben hier auch bodenbrütende Wildbienen. (Zum Anhören auf Bild klicken.)

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Raps

Der Raps auf der «Hausmatte» von Sigis Biohof stand zum Zeitpunkt der Aufnahme kurz vor der Blüte. Er gedeiht auf einer Parabraunerde. (Zum Anhören auf Bild klicken.)

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Kunstwiese

Diese Kunstwiese wurde im August 2018 auf dem «Hogerackers» von Sigis Biohof angesät. Während der Aufnahme dominierten Raigräser, Kleearten und das Hirtentäschelkraut. Der Boden des «Hogerackers» ist eine Parabraunerde. (Zum Anhören auf Bild klicken.)

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Kompost

Die Kompostmiete der Bioschwand wurde im Herbst 2018 aus Schnittgut, Laub und Küchenabfällen angesetzt und 1 Woche vor den Aufnahmen umgesetzt. Die Wärme durch die hohe Aktivität der Kompostbewohner war während der Aufnahme auch noch auf der Oberfläche spürbar. (Zum Anhören auf Bild klicken.)

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Naturwiese

Diese Naturwiese von Sigis Biohof am nordöstlichen Rand des Schwandwaldes wächst auf einem organischen Boden eines ehemaligen Moores. Dieser schwarze Boden mineralisiert viele Nährstoffe und ist deshalb sehr fruchtbar. (Zum Anhören auf Bild klicken.)

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Wald

Die Aufnahmen entstanden in einem Buchenmischwald beim Eingang zum Vitaparcours im Schwandwald. Mehr oder weniger stark abgebaute Streu vom Herbst sowie Buschwindröschen bedeckten den Boden. (Zum Anhören auf Bild klicken.)

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