29.06.2018

Schwester Ann wird Bio-Bäuerin

Eigentlich war Schwester Ann aus dem Mbale-Bezirk im Osten Ugandas Empfangsdame des Gästehauses in der St. Benedict-Gemeinde. Als sie eines Tages eine Push-Pull Bauerngruppe kennenlernte, veränderte sich ihr Arbeitsleben grundlegend....

Anna Steindl, Kommunikation und Stefan Diener, Programme

Alles begann im Jahr 2013. Die St Benedict-Gemeinde, in der Schwester Ann mitwirkte, empfing eine Besuchergruppe aus Kenia. Schnell stellte sich heraus, dass die Gäste sich gut mit Landwirtschaft auskannten und trotz ihrer körperlichen Behinderungen hohe Erträge im Feld erwirtschafteten.

Erfolgsgeheimnis Push-Pull

"Ich war tief beeindruckt davon, wie die Push-Pull-Methode das Leben der Bäuerinnen und Bauern verändert hatte. So beschloss ich, meinen Arbeitsplatz vom Büro ins Feld zu verlegen", berichtete Schwester Ann dem Programmverantwortlichen Stefan Diener von Biovision. Mit dem Einverständnis der Oberschwester, begann sie auf der Gemeindefarm im benachbarten Tororo eine Karriere als Push-Pull Bäuerin.

Schwester Ann zeigt dem Push-Pull Experten Girma Hailu (icipe) die Fortschritte auf ihren Feldern

Harte Arbeit, die sich lohnt

Das Feld, das Schwester Ann zu Beginn bewirtschaften sollte, bot ein klägliches Bild: verunkrautet mit hartnäckigem Striga, soweit das Auge reichte. Mit Hilfe der Gemeindeschwestern, harter Arbeit, viel Durchhaltevermögen und Push-Pull bereitete sie zwei Flächen zur Maisproduktion auf. Bereits in der ersten Saison dufte sie die Früchte ihrer Arbeit ernten: 3.5 Säcke Mais! „Solch einen hohen Ertrag auf einem ehemals unproduktiven Stück Land hätte ich nie erwartet“, staunte Schwester Ann. Doch es kam noch besser. Im folgenden Jahr erntete sie 7 Säcke Mais. Erstaunlich war zudem, dass das Desmodium, welches zwischen den Maisreihen gepflanzt wurde, das Unkraut Striga fast vollständig unterdrückt und den Schädling Stängelbohrer vertrieben hatte.

Mehrwert schaffen

„Ich lernte, wie ich die Begleitkultur Napiergras, das ich um das Maisfeld herum kultivierte und das Schädlinge aus dem Feld lockt, sowie Desmodium, als nährstoffreiches Viehfutter verwenden konnte. Seit wir die Kühe mit Napiergras und Desmodium füttern steigerte sich die Milchproduktion von 8 auf 12 Liter.“, freute sich die Benediktiner Schwester. Auch in Sachen Kompostierung ist Schwester Ann Expertin geworden und gewinnt hofeigenen, wertvollen Dünger (siehe Video Seitenleiste).

„Ich kann wirklich sagen, dass Push-Pull mir die Augen geöffnet hat und kann bezeugen, dass Erfolg noch mehr Erfolg anzieht“

Schwester Ann plant nun, Push-Pull auch in andere Bereiche der Farm zu integrieren: die Schweine, Hühner, Kaninchen und der Gemüsegarten sollen in Zukunft von den Nebenprodukten von Push-Pull profitieren können. 

Mit gutem Beispiel voran

Vor kurzem ist die ugandische Initiative Operation of Wealth Creation auf den Erfolg der Ordensschwester aufmerksam geworden und stellte ihr Kaffeesetzlinge für das Anlegen einer neuen Plantage zur Verfügung.

Die beeindruckende Entwicklung der St Benedict-Gemeindefarm ist auch auf Interesse des Insektenforschungsinstituts icipe gestossen. Allein im Jahr 2017 haben 240 Bauerngruppen die Farm besucht, um sich in Sachen Push-Pull ausbilden zu lassen. Inspiriert durch Schwester Anns Erfolge, wenden heute zahlreiche Kleinbauernbetriebe der Region die Push-Pull Methode an – Tendenz steigend.