Mit traditionellem Wissen nachhaltig in die Zukunft

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern halten dem Druck auf die natürlichen Ressourcen am Mount Kenia stand. Dabei greifen Sie auch auf traditionelles Wissen zurück.


von Fabian Kohler, Projektbetreuer bei Biovision

Die zunehmend unberechenbaren klimatischen Verhältnisse erschweren in vielen tropischen Ländern die Landwirtschaft. Intensität und Auftreten von Regen- und Trockenzeiten wandeln sich zusehends, Ernteverluste häufen sich. Die Übernutzung der Wälder verschärft die Situation zusätzlich: Fehlt ein ganzjähriger Bewuchs, sind die empfindlichen Böden Sonne, Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt, sodass der Niederschlag ungehindert abfliesst, anstatt die Böden und das Grundwasser zu speisen.

  • In Workshops mit Bauerngruppen kommen alle Generationen zu Wort. Die Teilnehmenden erstellen dabei gemeinsam landwirtschaftliche Saisonkalender und Gemeindekarten.
  • In der Projektregion werden durch den Klimawandel die Regen- und Trockenzeiten unregelmässiger – eine grosse Herausforderung für Mensch und Natur.
  • Das Wissen der älteren Generation wird in einer sog. «Karte der Vergangenheit» festgehalten. Dadurch werden für die Jüngeren die Veränderungen nachvollziehbar, die bereits stattgefunden haben.
  • Verschiedene Hirsesorten, Bohnen, Erbsen, Sorghum oder Amarant bringen Vielfalt aufs Feld und auf den Teller.
  • Mit der «Karte der Zukunft» wird eine gemeinsame Vision geschaffen. Bei der gemeinsamen Erstellung werden auch Massnahmen festgelegt, mit denen man sich den Veränderungen des Klimawandels stellen will.
  • Terrassierungsgräben und Bäume verbessern den Wasserrückhalt und reduzieren die Bodenerosion bei Starkniederschlägen.
  • Der Pfeilwurz (Arrowroot) kann auch starker Niederschlag nichts anhaben und sie bereichert neu den Speiseplan der Familie Gatobu in Meru.
  • Die Blüten von Heilkräutern und Gewürzen locken Bestäuberinsekten an. Dadurch verbessern sich die Erträge auf dem Feld und im Bienenstock.
  • Für die Bienen sind in der trockenen Savannenlandschaft von Tharaka-Nithi sichere Wasserstellen besonders wichtig - es dient dazu die Temperatur im Bienenstock zu regulieren. So können sich die Bienen optimal auf die Bestäubung und die Honigproduktion konzentrieren.
  • Mit über 50 Gruppen hat ICE in den letzten drei Jahren Kursmodule zu Agrarökologie und Selbstorganisation durchgeführt. 65% der Teilnehmenden waren Frauen.
  • Bei einem Besuch beim Projektpartner Institute for Culture and Ecology (ICE Kenya) bespricht Fabian Kohler (rechts) von Biovision die Fortschritte des Projekts.

Kleinbäuerinnen und -bauern werden aktiv

Wie man den Folgen dieser Entwicklung entgegentreten kann, zeigen 1500 Kleinbäuerinnen und -bauern in vier Bezirken am Fuss des Mount Kenia, welche im Rahmen des Biovision Projekts durch unseren Projektpartner ICE (Institute for Culture and Ecology) begleitet wurden. In agrarökologischen Feldkursen haben sie gelernt, wie sie mittels terrassierter Felder und gezielter Bepflanzung den Wasserrückhalt steigern und die Erosion verhindern können oder wie man mit Kompost die Bodenfruchtbarkeit aufbaut. Gemeinschaftliche Spargruppen ermöglichen zudem die Verbesserung traditioneller Kochstellen durch effiziente Öfen, womit der Brennholzbedarfs reduziert wird oder finanzieren den Kauf moderner Bienenstöcke zur besseren Bestäubung im Wald und auf den Feldern.

Seit Beginn unserer Partnerschaft mit ICE im Jahr 2012 ist das Projektgebiet gewachsen. Zu Beginn der Entwicklung des Projektansatzes (s. Text im grünen Feld weiter unten) standen die Bezirke Tharaka-Nithi und Meru im Fokus. In den letzten drei Jahren haben jetzt auch Bauerngruppen aus Embu und Muranga von den Feldkursen profitiert. Dabei hat sich gezeigt, dass die Bedürfnisse in den verschiedenen Regionen aufgrund der naturräumlichen Bedingungen ganz unterschiedlich sind: Während in den trockenen Savannen von Tharaka-Nithi Erosionsvermeidung und Bienenhaltung Anklang finden, interessieren sich die Menschen im feuchteren Muranga stärker für die Gemüse- und Früchteproduktion. Dank ihrer diversifizierten Einkommensquellen sind die Menschen heute auf unregelmässige Trocken- und Regenzeiten besser vorbereitet.

Wie weiter?

Die gewonnenen Erkenntnisse fliessen direkt in die nächste Projektphase ein: Fortan liegt der Fokus auf dem Kompetenzaufbau in Imkerei und Agroforstwirtschaft sowie auf der Anbindung an Absatzmärkte. So fördert unser Projekt alternative Einkommensquellen und lindert den Druck auf die natürlichen Ressourcen. Die beliebten und bewährten landwirtschaftlichen Feldkurse werden weitergeführt. Neu entwickeln wir gemeinsam mit dem Projektpartner Strategien, um in den vier Bezirken agrarökologische Themen auf die politische Agenda zu bringen. Die bisherigen Erfolge und die positiven Erfahrungen von ICE in der Zusammenarbeit mit über 50 Bauernorganisationen sind dafür beste Voraussetzungen.