Pflanzenpoulet – ein Poulet aus Pflanzen?

In letzter Zeit gewinnen fleischlose Alternativen so wie zum Beispiel der Beyond Burger immer mehr Aufmerksamkeit.

Anna Schöpfer, Biovision

Vermehrt werden pflanzliche Ersatzprodukte im Supermarkt gekauft. Die Grossverteiler bauen ihr veganes Sortiment laufend aus und konkurrieren um die besten und neusten vegetarischen oder rein pflanzlichen Ersatzprodukte. Der jüngste Hype auf dem Markt stellte Coop nun letzte Woche vor: Planted Chicken. Das pflanzliche Hühnchen besteht aus nur vier Zutaten: Gelberbsenprotein, Erbsenfaser, Rapsöl und Wasser. Das Produkt wurde von einem ETH-Startup entwickelt und hergestellt. Planted Chicken erlebt nun einen Höhenflug, nachdem sie 7 Millionen Franken Investitionsfinanzierung, unter anderem von Hiltl-Legende Rolf Hiltl, bekommen hatten.

 

Doch wie nachhaltig sind diese pflanzlichen Alternativen?

CLEVER hat nachgeforscht: Die Erbsen kommen aus Europa und das Rapsöl aus der Schweiz, die Transportwege sind entsprechend relativ kurz. Daher fällt in Bezug auf die Klimabelastung mehrheitlich die Verarbeitung ins Gewicht, da Energie für die Maschinen gebraucht wird. Erbsen benötigen um die 600 Liter Wasser pro Kilogramm und Sonnenblumenöl doch fast 7000 Liter Wasser pro Kilogramm (waterfootprint.org). Auch wenn es nach sehr viel scheint, ist nur wenig zusätzliche Bewässerung nötig, da der Anbau in Gebieten mit relativ hohem Niederschlag stattfindet. Die landwirtschaftlichen Produkte werden nicht biologisch angebaut, das heisst, dass chemisch-synthetische Pestizide und synthetische Düngemittel beim Anbau verwendet werden. Das wirkt sich negativ auf die Artenvielfalt und die Gesundheit des Bodens aus.

Wenn man das Planted Chicken mit einem konventionellen Poulet vergleicht, schneidet es deutlich besser ab. Grund dafür ist folgender: Die Kalorien können beim Planted Chicken direkt von uns Menschen genützt werden. Ein Huhn hingegen hat etwa eine Futterverwertung von 1:5. Das heisst, dass nur jede 5. Kalorie, die dem Tier verfüttert wird, am Ende für den Menschen nutzbar ist. Bei der Herstellung von Planted Chicken wird gemäss den Herstellerangaben zudem deutlich weniger Boden und Wasser benötigt. Und auch der Energieverbrauch ist geringer als bei herkömmlichem Poulet (Hühnerställe müssen z.B. geheizt und beleuchtet werden).

Die Wahl eines veganen Produktes heisst auch, auf Tierleid zu verzichten. In der Schweiz ist es in der konventionellen Mastpoulet-Haltung erlaubt, bis zu 18'000 Hühner in einer Halle zu halten. Diese werden innerhalb von 40 Tagen auf ein Gewicht von 2 kg gemästet. Diese intensive Mast wirkt sich negativ auf die Gesundheit der Hühner aus, was auch zu vermehrtem Antibiotikaeinsatz führen kann.

Obwohl das Planted Chicken nicht nach Bio-Standards produziert wird, ist es eine nachhaltige Alternative zu Pouletfleisch. Wer also aus ökologischen und ethischen Gründen gerne weniger Fleisch konsumieren möchte, kann als Alternative gut auf Planted Chicken im Coop oder ausgewählten Restaurants zurückgreifen. Und vielleicht steht ja schon bald ein «Bio Planted Chicken» im Regel, wünschenswert wäre es auf jeden Fall.

(Text: Anna Schöpfer, Biovision; Bilder: planted foods AG)