Nomaden unter Druck

von Peter Lüthi, Projektreporter

Der kurze Abstecher an den Ewaso Ngiro im staubtrockenen Nordosten Kenias war ein Glückstreffer. Der Fluss führte Wasser. Offenbar hatte es im rund 300 Kilometer entfernten Quellgebiet in der Aberdare Range geregnet. Es ist der 1. Juni 2013, und ich bin auf dem Rückweg vom Dokumentationsbesuch unseres Kamel-Projekts im abgelegenen Merti.

Und dann, nach Tagen voller Staub und Hitze, diese Szenerie!

Borana-Hirte am Ewaso-Ngiro-Fluss bei Bulesa (Kenia), Projekt Kamele für Dürregebiete. Foto: Peter Lüthi / Biovision

Der Borana-Hirte mit seinem Speer entspricht unserem landläufigen Bild afrikanischer Nomaden – die Realität sieht heute jedoch oft anders aus. So ersetzen die Hirten ihre Speere zusehends mit modernen Schnellfeuergewehren. Grund dafür sind die Konflikte um Weiden und Wasser, aber auch traditionelle Feindschaften oder Viehdiebstahl unter rivalisierenden Völkern.

Die Hirtenvölker (Pastoralisten) stossen mit ihren traditionellen Lebensformen immer mehr an Grenzen: Ihre Weidegründe werden von einer wachsenden und sich ausbreitenden Bevölkerung bedrängt und degradieren, traditionelle Wanderrouten werden unterbrochen. Dazu kommen immer häufiger extreme Trockenheiten. Verfeindete Pastoralistengruppen werden mit ihren Herden auf die verbleibenden Weidegründe zusammengedrängt. Spannungen und bewaffnete Auseinandersetzungen nehmen zu. Wurden Streitigkeiten früher mit Pfeil und Bogen oder Speeren ausgetragen, wird heute mit Kalaschnikows geschossen.

Die pastoralen Völker kommen nicht umhin, sich von alten Traditionen zu lösen und sich den neuen Herausforderungen anzupassen. Biovision unterstützt sie dabei in Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen «Vétérinaires Sans Frontières Suisse»(VSF) und «Sustainable Agriculture Tanzania» (SAT) in den Projekten «Kamele für Dürregebiete» (Kenia) und «Farmer and Pastoralist Collaboration Programme» (Tansania).

  • Flucht vor extremer Trockenheit: Im Isiolo County (Kenia) ziehen die Hirten mit ihren Herden in Gebiete, wo noch Wasser und Futter für das Vieh zu finden ist.
  • Im Nordosten Kenias unterstützt Biovision die Menschen des Borana-Volkes darin, sich den neuen Herausforderungen anzupassen.

Vom 23.01.-09.02.2020 stellt Peter Lüthi seine besten Arbeiten in der Photobastei Zürich aus. Die Bilder und Geschichten geben einen vertieften Einblick in seine Arbeit in Ostafrika.