Neue Partnerschaft mit CEAS: «Wir können viel voneinander lernen!»

Das Centre Ecologique Albert Schweitzer (CEAS) und Biovision starten 2021 eine strategische Partnerschaft. Patrick Kohler, stv. Geschäftsleiter von CEAS, und Biovision-CEO Frank Eyhorn, erläutern, was sie gemeinsam erreichen wollen.

 

Patrick Kohler, stellvertretender Geschäftsleiter von CEAS (links) und Biovision-CEO Frank Eyhorn.

Laura Angelstorf, Redaktorin

Herr Kohler, was ist die Vision von CEAS und wie wollen Sie diese verwirklichen?

Patrick Kohler: Wir wünschen uns eine Welt, in der jeder und jede einen Beitrag zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung und zum Schutz der Umwelt leisten kann. Wir kommen diesem Wunsch näher, indem wir zu einer positiven sozialen und wirtschaftlichen Dynamik in Afrika beitragen. Es ist uns wichtig alle Beteiligten aktiv an der Gestaltung ihrer Zukunft zu beteiligen. Wir nennen dies Co-Kreation. Die Begünstigten in unseren Projekten sind Teil der Lösung der Probleme, die sie betreffen. Häufig sind diese Probleme sehr komplex, weshalb wir Forschende aus einem großen Netzwerk an Universitäten und Hochschulen in der Schweiz und in Afrika in die Entwicklung der Lösungen miteinbeziehen.

  • In Madagaskar hat das CEAS sechs Solar-Kioske eingerichtet, von denen 1.140 Schülern und Schülerinnen profitieren.
  • Die Kinder haben Licht zum Lernen und ihre Eltern können mit dem Licht ihre wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten auf den Abend auszuweiten.
  • Im Senegal konnten fast 2.000 Menschen in der Fischverarbeitung ihr Einkommen und ihre Arbeitsbedingungen durch den Einsatz der von CEAS entwickelten Solartrockner verbessern.
  • In Burkina Faso und im Senegal unterstützt CEAS 10 mittelgroße Gemeinden bei der Sammlung und Verwertung ihrer Abfälle.
  • 190.000 Menschen profitieren somit von verbesserten Lebensbedingungen.

Herr Eyhorn, Biovision setzt sich gemäss ihrer Vision seit über 20 Jahren für eine Welt mit genügend Nahrung, produziert von gesunden Menschen in einer gesunden Umwelt ein. Wie unterstützt die Partnerschaft zum CEAS diese Vision?

Frank Eyhorn:  CEAS und Biovision verfolgen gemeinsame Ziele mit ähnlichen Ansätzen, aber in unterschiedlichen geografischen Regionen. Während CEAS in Burkina Faso, Senegal und Madagaskar tätig ist, konzentriert sich die Arbeit von Biovision auf Ostafrika. Gleichzeitig ergänzen wir uns in unseren inhaltlichen Schwerpunkten: Biovision hat viel Erfahrung in den Bereichen Politikdialog und Sensibilisierung, CEAS im Einsatz erneuerbarer Energien und im Aufbau von Wertschöpfungsketten. Wir können viel voneinander lernen!

Welche Rolle spielen die Förderung der Forschung und die Partizipation der lokalen Gemeinschaften vor Ort?

Kohler: Wenn es notwendig ist, erstellen wir Tandems mit madagassischen, burkinischen oder senegalesischen Forschenden. Gemeinsam arbeiten sie an innovativen Lösungen, welche an die tatsächlichen Bedürfnisse dieser Länder angepasst sind. Dabei arbeiten sie auch eng mit lokalen Gemeinschaften zusammen, denn sie kennen die Probleme und Umstände vor Ort am besten. Wir müssen ihre Ideen aufgreifen und mit ihnen gemeinsam verfeinern, wenn wir wollen, dass sie die entwickelten Methoden oder Technologien tatsächlich anwenden.

Eyhorn: Auch wir setzen auf partizipative Forschung. Forschung ohne Einbezug der lokalen Akteure, die die neuen Methoden dann anwenden sollen, geht häufig an den realen Bedürfnissen vorbei. Wir achten deshalb in unseren Projekten sehr auf ein kontinuierliches Zusammenspiel von Forschenden und Bäuerinnen, angefangen von der Formulierung der Forschungsinhalte über die Erprobung neuer Technologien auf dem Feld bis hin zur Verbreitung erfolgreicher Innovationen.

  • Biovision hilft die Push-Pull-Methode zu verbreiten. Sie ist eine integrierte, umweltfreundliche und nachhaltige Anbaumethode zur Ertragssteigerung und dem Schutz des Bodens.
  • Mit Hilfe von Partnerorganisationen wie Sustainable Agriculture Tanzania verbreitet Biovision Wissen über agrarökologische Anbaumethoden.
  • Biovision sensibilisiert die Schweizer Bevölkerung, insbesondere die Jugend, für die Auswirkungen des eigenen Konsumverhaltens auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt.
  • International setzt sich Biovision für bessere Rahmenbedingungen für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ein, um den Kurswechsel in der globalen Landwirtschaft zu echter Nachhaltigkeit zu erreichen.
  • Eingeschleppte Fruchtfliegen beschädigen die Ernten der Mango-Bäuerinnen und -Bauern massiv. Biovision verbreitet integrierte Kontrollmethoden dieses Schädlings, um den Ertrag zu steigern und die Natur zu schonen.

Welches sind Ihrer Meinung nach die drängendsten Probleme im Bereich der Landwirtschaft in Subsahara-Afrika? Was können Biovision und CEAS zu deren Lösung beitragen?

Kohler: Zunächst möchte ich betonen, dass der afrikanische Kontinent nicht ausschliesslich Probleme hat. Es ist beispielsweise der Kontinent, der vor der Covid-19-Krise das höchste Wirtschaftswachstum verzeichnete. Trotzdem steht Afrika vor vielen Herausforderungen. Auf dem Kontinent lebt immer noch die Hälfte der weltweit in Armut lebenden Menschen. Umweltzerstörung ist ein erschwerender Faktor für diese Armut und es ist wichtig die Entwicklungszusammenarbeit unter Achtung der planetaren Grenzen auszurichten. Die Böden müssen wieder angereichert werden, um die landwirtschaftlichen Erträge langfristig zu steigern. Ebenso darf der Zugang zu Energie, der für die Entwicklung aller wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten unerlässlich ist, keine zusätzlichen Treibhausgasemissionen verursachen. Das alles versuchen wir in enger Zusammenarbeit mit unseren afrikanischen Partnern zu erreichen, damit die Armutsbekämpfung mit einer gesunden Entwicklung der Ökosysteme einhergeht. Afrika hat eine glänzende Zukunft vor sich.

Eyhorn: Konkret muss Afrika eine wachsende Bevölkerung mit gesunder Nahrung versorgen, ohne seine natürlichen Ressourcen zu degradieren – und dies in einem sich wandelnden Klima. Insbesondere junge Menschen müssen dabei ein Einkommen erwirtschaften können. Der agrarökologische Ansatz, wie CEAS und Biovision ihn vertreten, bietet hier ein grosses Potential.

Welches sind die konkreten nächsten Schritte in der Partnerschaft von Biovision und CEAS?

Eyhorn: Der Austausch von Wissen und Erfahrungen, hier in der Schweiz und zwischen unseren Partnern in Afrika, steht sicher an erster Stelle. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie wir unsere Arbeit noch wirkungsvoller gestalten können. Der Zugang zu den Netzwerken der jeweils anderen Organisation spielt hierbei eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Kohler: Auch die gemeinsame Entwicklung regionaler Projekte, in welchen jeder Allianzpartner Aktivitäten in seinen Schwerpunktländern umsetzt, ist denkbar, sofern sich dazu Gelegenheiten bieten. In jedem Fall werden wir uns intensiv darüber austauschen, wie wir unsere Systeme zu Wirkungsmessung und kontinuierlichem Lernen weiterentwickeln können.