Nachhaltigkeit in aller Munde: CLEVER gibt Tipps für den Einkauf

Weshalb entscheiden sich junge Menschen für mehr Nachhaltigkeit beim Einkaufen und was hält sie davon ab? Welche Rolle spielen dabei das Elternhaus oder die Schule? Wir haben anlässlich ihres Besuchs der CLEVER-Ausstellung in Basel mit Melinda Berisa (20) und Manuel Haidlauf (21) gesprochen, die zurzeit am KV Basel-Land die Berufsmatura absolvieren.

 

Die CLEVER-Praktikant:innen stehen mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum geht, den eigenen Konsum auf die Nachhaltigkeit zu überprüfen. (Bild: Martin Grossenbacher, Biovision)

Interview: Martin Grossenbacher, Redaktor Biovision

Welche Rolle spielt bei Euch beim Einkaufen das Thema Nachhaltigkeit? 

Manuel: Ich bin der Lust-und-Laune-Konsumtyp und wohne noch bei den Eltern. Sie übernehmen eigentlich auch fast immer den Einkauf für die ganze Familie. Zusammen mit meiner Schwester setze ich mich aber dafür ein, dass wir zu Hause weniger Fleisch essen. In letzter Zeit achte ich mich generell mehr auf nachhaltigen Konsum. Bis jetzt mache ich das mehr so nach Gefühl. In der CLEVER-Ausstellung habe ich jetzt aber interessante Tipps erhalten, worauf es bei der Wahl eines nachhaltigen Produkts ankommt. 

Melinda: Ich sehe uns in der Verantwortung, dass auch unsere Kinder und Enkelkinder unter den gleichen Umständen auf dem Planeten leben können wie wir. Deshalb achte ich grundsätzlich auf nachhaltige Produkte. Am liebsten kaufe ich direkt bei den Bauern auf dem Markt ein. Dort sind die Produkte frischer als im Supermarkt. Ich lebe aber auch noch bei meinen Eltern. 

Was sind Eure Erfahrungen mit nachhaltigem Einkaufen bei Euch zu Hause? 

Melinda: Meinem Vater ist es wichtig, möglichst keine verarbeiteten Produkte zu kaufen. Er mag «richtiges Essen» im Sinn von frisch und selbst zubereitet. Dafür studiert er beim Einkaufen auch das Kleingedruckte auf der Verpackung und interessiert sich für die Zutaten in einem Produkt. Meine Mutter ist ein wenig pragmatischer. Da sie sich im Alltag um den Haushalt und das Kochen kümmert, ist es ihr auch wichtig, dass es unkompliziert und schnell geht. Beide achten beim Einkaufen aber auch auf den Preis. 

Manuel: Der Preis ist letztlich auch für meine Eltern ausschlaggebend. Sie kaufen entweder im Supermarkt ein und ab und zu auch in Deutschland. Nachhaltigkeit spielt für sie aber eine immer grössere Rolle. Zum Beispiel essen wir weniger Fleisch als früher, dafür qualitativ hochwertiges und möglichst nachhaltiges. Wenn ich später einen eigenen Haushalt habe, wird für mich Nachhaltigkeit beim Einkaufen eine wichtige Rolle spielen.

Warum kaufen heute noch nicht mehr Menschen nachhaltig ein? 

Manuel: Ein Punkt ist sicherlich, dass vielen Menschen das notwendige Wissen fehlt. Und natürlich auch die hohen Preise. Weshalb sollte eine sechsköpfige Familie sechs Eier kaufen, wenn sie für denselben Preis auch zwölf Eier kaufen kann, die halt nicht Bio sind? Und was ist überhaupt nachhaltig? Nur weil «Bio» darauf steht, muss es nicht zwangsläufig nachhaltig sein, habe ich in der CLEVER-Ausstellung erfahren. 

Melinda: Mein Bruder ist 15 Jahre alt und hat noch überhaupt keine Ahnung von Nachhaltigkeit. Ich finde das sehr schade, er gehört zur nächsten Generation und sollte das kennen. In der Schule wird aber darauf gar kein Fokus gelegt. 

Was sollte sich ändern, damit in Zukunft mehr Menschen nachhaltiger einkaufen? 

Melinda: Ich denke, es müsste in der obligatorischen Schulzeit bis zur 9. Klasse bereits stärker thematisiert werden. Die Sensibilisierung sollte beginnen, sobald die Kinder das Gelehrte verstehen und umsetzen können. 

Manuel: Ich sehe auch ein grosses Potenzial bei der Wissensvermittlung an den Schulen. Man könnte es aufbauend unterrichten: mit jüngeren Kindern eher spielerisch, mit zunehmendem Alter mit mehr Gewicht auf Fakten und Zusammenhängen. So könnte das Fach gut in den Schulunterricht integriert werden.