Die «Mosquito Scouts» sind die Heldinnen und Helden des Alltags

In Malindi, Kenia, konnte die Malaria effektiv zurückgedrängt werden. Einen grossen Anteil daran haben «Mosquito Scouts» wie Riziki Ramadhan.

 

Heute wird sie Mosquito-Doktor genannt: Riziki Ramadhan (rechts) sucht mit einer Kollegin eine Zisterne nach Mückenlavrven ab.

Peter Lüthi, Biovision-Projektreporter

Riziki Ramadhan aus Malindi ist eine Heldin des Alltags, wie alle ihre Kolleginnen und Kollegen der lokalen NGO PUMMA. Sie sind «Mosquito Scouts» und trugen damit massgeblich dazu bei, dass die Menschen in der Region weitgehend von der Geissel der Malaria befreit wurden. Mosquito Scouts klären die Bevölkerung über die Ursachen und den Schutz vor Malaria auf und sorgen dafür, dass die umweltfreundlichen Massahmen zur Bekämpfung der krankheitsübertragenden Mücken umgesetzt werden. Jeder Scout ist verantwortlich für ein Gebiet von einem Quadratkilometer. Hier spüren sie auf ihren wöchentlichen Kontrollgängen potenzielle Brutstätten von Malariamücken auf. Sie nehmen Wasserproben und prüfen, ob diese Mückenlarven enthalten. Die Lage der Brutstelle und die Anzahl der Larven werden minutiös beschrieben und an die Insektenspezialisten vom Kenya Medical Research Institute (KEMRI) weitergegeben. Zusammen mit den Daten über Krankheitsfälle der Gesundheitsbehörden können die Forscher des KEMRI das Mückenvorkommen und die Verbreitung der Krankheit überwachen.

In einer Zisterne in Malindi Town hatte Riziki Ramadhan Mückenlarven gefunden. Seither deckt die Besitzerin den Brunnen in ihrem Garten konsequent ab. Das Wasser wird von Spezialisten regelmässig mit umweltfreundlichem Bti (Bacillus thuringiensis israelensis) behandelt. Dabei handelt es sich um Bakterien, die von den Moskitolarven verzehrt werden. Die Bazillen zerstören den Darmtrakt der Insekten, woran diese verenden. Bti wirkt sehr spezifisch gegen Malariamücken, ist aber für andere Organismen harmlos. Entscheidend für den Rückgang der Malaria im Malindi Subcounty ist insbesondere auch die Verteilung von Bettnetzen sowie deren richtiger und konsequenter Gebrauch. Dazu lag die Schwelle anfangs hoch. «Viele Menschen weigerten sich, unter den weissen Netzen zu schlafen, weil diese sehr ähnlich aussehen wie die Tücher, mit welchen man hier die Toten bedeckt», erklärt Riziki. «Es brauchte sehr viel Geduld und Überzeugungskraft, um die Widerstände zu überwinden.»

Der Durchbruch gelang schliesslich, als die Scouts blaue oder grüne Netze zur Abgabe erhielten. Dank ihrem breiten Wissen und dem spürbaren Rückgang sowohl der Mücken als auch der Malaria konnten sie den Respekt und das Vertrauen der Menschen erlangen. «Heute nennt man mich Mosquito-Doktor», lächelt Riziki Ramadhan sichtlich stolz. Die Scouts arbeiten ehrenamtlich gegen Spesenentschädigung, obwohl sie nicht auf Rosen gebettet sind. Riziki Ramadhan etwa hielt ihre Kinder und ihren arbeitslosen Ehemann mit der Produktion und dem Strassenverkauf von Backwaren über Wasser. Heute verhilft ihr die breite Erfahrung im Umgang mit der Bevölkerung auch zu bezahlten Aufträgen. So wird sie etwa von anderen NGOs und den Behörden temporär für Sensibilisierungskampagnen gegen HIV/ AIDS und Tuberkulose, aber auch zur Verminderung häuslicher Gewalt eingesetzt.