Wie Malaria in Malindi erfolgreich zurückgedrängt wurde

Im hochwassergefährdeten Malindi, Kenia, konnte das hohe Malariavorkommen deutlich reduziert werden – gerade jetzt, in Zeiten der Covid-19-Pandemie, eine grosse Entlastung.

 

Mosquito Scout Amos Wangi nimmt eine Probe aus einem Wasserloch bei M’mangani Village und überprüft sie auf Mückenlarven. Gleichzeitig klärt er die Kinder über die Übertragung von Malaria auf.

Peter Lüthi, Projektreporter

Die Flutwelle im Sabaki River kam ohne Vorwarnung. «Wir konnten nur noch unsere Kinder und die Grossmutter packen und uns auf dem Mbogolo Hill in Sicherheit bringen», berichtet Kazungu Masha Weni, ein 53-jähriger Bauer und Familienvater aus M’mangani Village. Das Hochwasser riss alles mit: Häuser, Haushalt, Vieh und Hühner. Ähnlich erging es weiteren 400 Familien im Dorf.

Aber es hätte noch weit schlimmer kommen können. Folgten nämlich früher auf Hochwasser und Regenzeiten jeweils Malaria-Epidemien mit vielen Opfern, blieben die Menschen im Malindi Subcounty diesmal verschont vor diesem Unglück. Mit ein Grund dafür waren vorbeugende Massnahmen, die in den letzten Jahren durchgeführt und von Biovision unterstützt wurden.

Malariamücken im Visier

Die Krankheitserreger der Malaria werden von Stechmücken übertragen. Im «Stopp Malaria»-Projekt gelang es, die Moskitos mit einer Reihe koordinierter und umweltfreundlicher Massnahmen markant zu dezimieren. Je weniger Überträgermücken es gibt, desto geringer ist das Ansteckungsrisiko für die Menschen. Ein Schlüssel zum Erfolg war die Zusammenarbeit der Wissenschaftler vom staatlichen Kenya Medical Research Institute (KEMRI) und des internationalen Insektenforschungsinstitut (icipe) mit Sitz in Nairobi, Kenia, der regionalen Gesundheits- und Umweltbehörden und der sogenannten Mosquito Scouts der lokalen NGO PUMMA. Gemeinsam gelang es ihnen, die Krankheitsübertragungen deutlich zu reduzieren.

Die Gefahr ist gebannt

«Wir leben seit mehr als 30 Jahren hier in M’mangani», sagt Janet Weni, Kazungus Ehefrau. «Früher wimmelte es hier derart von Mücken, dass wir abends nie draussen essen konnten, ohne total verstochen zu werden». Damals habe es allein in ihrem Dorf von März bis Juni etwa 200 Malariafälle gegeben. Auch sie selber, ihr Mann und mehrere der Kinder seien mehrmals ernsthaft erkrankt. «Heute werde ich pro Abend bloss noch ein-, zweimal gestochen», meint sie. «Es gibt nur noch wenige Malariafälle in M’mangani.»

  • Blick auf den Mbogolo Hill, auf welchen Janet und Kazungu Masha Weni mit ihrer Familie vor dem Hochwasser flüchteten.
  • Malariamücken legen ihre Eier in stehende Gewässer. Pfützen, Baumhöhlen, ausgediente Autoreifen und sogar Plastikabfälle sind ideale Brutbiotope.
  • Bti (Bacillus thuringiensis israelensis) wird zur Bekämpfung von Mückenlarven in grösseren Gewässern verwendet. Die Körner enthalten Bakterien, die von Mückenlarven gefressen werden. Die Bazillen setzen im Darmtrakt der Insekten Toxine frei, woran die Larven eingehen.

Das bestätigt auch die Verantwortliche des kleinen Ambulanzzentrums im Dorf. «Malaria ist hier kein grosses Problem mehr», sagt Catherine Kachibi Kaingu, schlägt ihr Rapportbuch auf und rechnet vor: «In der letzten Malaria-Saison hatten wir im März keinen einzigen Fall, nur einen im April, drei im Mai, neun im Juni und drei im Juli.»

Auch virale Erkrankungen nehmen ab

Die langjährige Projektmanagerin in Malindi, Frau Dr. Lydiah Kibe, ist sehr stolz auf den Erfolg von «Stopp Malaria». Sie betont, dass die umweltfreundliche Mückenbekämpfung keine kurzfristige Sache sei. «Unser Projekt war eine lange Reise.» Und sie weist auf einen sehr erfreulichen Zusatzeffekt hin: «Die Massnahmen wirken auch gegen virale Krankheiten, die von Mücken übertragen werden. Im Projektgebiet sind etwa die Fälle von Gelbfieber, Dengue, Chikungunya und Elephantiasis spürbar zurückgegangen.»

Doch nun müssen sich auch die Menschen in Malindi der Covid-19-Pandemie stellen. Immerhin bleiben sie dabei von der Malaria weitgehend verschont.