Krisenaktionsplan zur Wieder-aufnahme der Klimadebatten

Wenige Tage vor Beginn der parlamentarischen Junisession, die sich hauptsächlich mit der Revision des CO2-Gesetzes befasst, veröffentlichte das «Klimastreik»-Kollektiv einen Krisenaktionsplan. Das Dokument wurde sämtlichen Parlamentsmitgliedern zugestellt mit der Bitte an alle Parteien, während der Sommersession 2020 die ambitioniertesten Motionen zur Klimakompatibilität zu unterstützen.

Alessandra Roversi, Nachhaltiger Konsum und Kommunikation | Geschäftsstelle Westschweiz

In den vergangenen Monaten hat die Corona-Krise die Themen rund um den Klimawandel in den Hintergrund gedrängt. Mit dem kurzgefassten «Krisenaktionsplan» sollen nun die Gespräche über die wichtigsten konkreten Massnahmen, wieder in Gang kommen. Das Dokument fasst den wichtigen «Klimaaktionsplan» zusammen, der in der zweiten Jahreshälfte veröffentlicht werden soll, nachdem er monatelang in elf Arbeitsgruppen mit Aktivistinnen und Aktivisten und Fachleuten verhandelt wurde.

Der Experte für schweizerische Agrarpolitik bei Biovision, Daniel Langmeier, war an der Ausarbeitung eines Massnahmenkatalogs für die Landwirtschaft beteiligt, welcher im «Klimaaktionsplan» näher erläutert wird. Des Weiteren unterstützte Daniel Langmeier den aus den Klimastreiks hervorgegangenen Verein «Landwirtschaft mit Zukunft», bei der Erarbeitung ihrer Vision «Vision 2030 – für eine Landwirtschaft mit Zukunft», die im Februar 2020 veröffentlicht wurde.

Die wirtschaftliche Wiederbelebung nach Covid-19 muss von Sozial- und Umweltvorschriften begleitet werden. Die Forderungen der Klimaaktivisten und -aktivistinnen in den verschiedenen Bereichen haben sich seit 2019 nicht verändert, sondern wurden vielmehr verstärkt durch die Folgen der Pandemie.

Für eine regionale Landwirtschaft und gegen Massentierhaltung

Dieser erste «Krisenaktionsplan» schlägt zwei griffige Massnahmen für die Landwirtschaft vor, die beide auch von Biovision im Rahmen ihres Programms «Transformation Nahrungssystem Schweiz» unterstützt werden. 

Als Erstes sollte die Landwirtschaftspolitik eine lokale und agrarökologische Nahrungsmittelproduktion fördern. Dabei muss die Arbeit von Kleinbauern und -bäuerinnen sowie von Landarbeiterinnen und -arbeitern angemessen entlohnt werden. Agrarökologie umfasst nicht nur andere Produktionsmodelle, sondern auch andere Vertriebsmodelle, die sich in den vergangenen Monaten in der Schweiz mehr denn je gezeigt haben, so etwa kurze Transportwege für regionale Produkte.

Die zweite aus diesen Krisenmonaten hervorgegangene Erkenntnis lautet: Die Schweiz muss sich gegen die Massentierhaltung einsetzen, sowohl mit ihrer inländischen Fleischproduktionspolitik als auch mit ihrer Importstrategie. Massentierhaltung, welche zu Biodiversitätsverlusten führen kann, hat das Auftreten des Coronavirus begünstigt. Ziel sollte sein, die Konsumentinnen und Konsumenten zu einer Ernährungsweise mit weniger tierischem Eiweiss zu motivieren. Das Motto «Weniger ist mehr!» ist eine gute Richtschnur: Unserer Gesundheit wie auch dem Klima zuliebe sollten wir weniger Fleisch, Milch und Eier konsumieren, dafür aber von besserer Qualität und lokaler Herkunft. 

Kollektive und individuelle Aktionen

Die Auswirkungen von tierischem Eiweiss auf das Klima können erheblich sein. Auf unserer Website über verantwortungsvollen Konsum «CLEVER» kann jede und jeder verschiedene Produkte des täglichen Bedarfs und deren Alternativen miteinander vergleichen. Doch auch die politischen Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit Konsum und Produktion nachhaltiger gestaltet werden kann.

Damit die Schweiz bis 2030 das Ziel von Netto-Null-Emissionen erreicht, müssen sämtliche Tätigkeitsbereiche mit konkreten Zielsetzungen einen Beitrag leisten. Der sozialen, bäuerlichen und agrarökologischen Landwirtschaft muss dringend eine bedeutende Rolle zukommen, um gesundheitliche, wirtschaftliche oder klimatische Krisen auf gerechte Weise zu bewältigen und damit eine widerstandsfähige Gesellschaft zu fördern.