Wissen ist wie hausgemachte Suppe

Die Verbreitung von Wissen zur innovativen landwirtschaftlichen Techniken ist der Kern vieler Biovision-Projekte. So auch in Kenia, wo Bauernfamilien unter anderem lernen, wie Schädlingsbekämpfungsmittel auf biologischer Basis hergestellt werden. Bäuerin Eunice Wayua war an einem der Kurse dabei, andere holen sich die Informationen über das Radio und Internet oder die Bauernzeitung.


Von Shruti Patel, Programmverantwortliche "Farmer Communication Programme"

Margaret Kioko, Feldberaterin von Biovision, demonstriert die Herstellung eines Mittels zur biologischen Schädlingsbekämpfung.

Bring es zum Brodeln und rühre kontinuierlich während 20 Minuten. Dann nimm es vom Feuer, lass es abkühlen und giesse es durch ein Sieb. «Es ist wie Suppemachen», sagt Eunice Wayua, eine Bäuerin aus der Machakos Region in Ostkenia. Das schaumige Gebräu, das unter einem Eukalyptusbaum köchelt, mag einfach herzustellen sein. Aber es ist weder nahrhaft noch geschmackvoll. Eigentlich ist es ein giftiges Gebräu aus Wasser, Seife und Asche. Die Mischung dient dazu, Schädlinge zu bekämpfen und damit Schaden an Nahrungspflanzen zu verhindern. Von Margaret Kioko, einer Feldberaterin von Biovision, lernen Eunice und die anderen Mitglieder der Selbsthilfegruppe «Green Shade», wie sie dieses Bio-Schädlingsbekämpfungsmittel herstellen können. Während die Flüssigkeit abkühlt, wiederholt Margaret das Rezept mit den Schlüsselingredienzen und den Mengenangaben. Ihr Ziel ist einfach: Die Gruppenmitglieder sollen sich an das Rezept erinnern und es selbst umsetzen können. Mit einem Augenzwinkern witzelt Margaret zum Schluss, es könne in drei Monaten dazu einen Test geben, wenn sie wiederkomme.

Viele Probleme brauchen viel Wissen

Die Ernten vieler Bäuerinnen und Bauern in der Region sind durch die Folgen des Klimawandels stark beeinträchtigt. Unvorhersehbare Regenfälle, Dürren und Pflanzenkrankheiten werden immer häufiger. Obwohl Mais, Bohnen, Erbsen, Kohl und Langbohnen von Eunice sicherlich vom hausgemachten Schädlingsbekämpfungsmittel profitieren, ist es nur ein Teil der Lösung. Zusätzliche Massnahmen, wie das Kompostieren und Pflanzen von Bäumen sind essentiell, um die Ernten zu verbessern und auch die Wasserknappheit zu bekämpfen. Glücklicherweise fehlt es nicht an Enthusiasmus. «Dank der Ausbildung bauen wir wichtige Kompetenzen auf, wir möchten weiter lernen», sagt Eunice. Sie und weitere Gruppenmitglieder gehen rüber zu einem Haufen von Kompost, wo Margaret ihre Ausbildung fortsetzt. Mit einer Schaufel wirft sie Teile des Komposts in die Luft. «Damit», erklärt sie, «werden gute Mikroorganismen gestärkt und schlechte abgetötet. » Schon nach kurzer Zeit wollen es alle Mitglieder von «Green Shade» selber ausprobieren.

Die wöchentliche Informationssendung für Bäuerinnen und Bauern von Radio KBC in Kenia kann auch im Osten Ugandas empfangen werden und stösst dort auf grosses Interesse.

Vom Lernen zur Umsetzung

Solche Vorführungen sowie partizipative Ausbildungen bei Bauerngruppen sind Teil des «Farmer Communication Programme» von Biovision. Hinzu kommt eine monatliche Zeitung («The Organic Farmer»), wöchentliche Radioprogramme sowie ein umfassendes Nachschlagewerk, das «Google für afrikanische Biobäuerinnen und -bauern», wird sowohl on- wie auch offline angeboten. Dank der verschiedenen Kanäle kann eine grössere Anzahl Bäuerinnen und Bauern und die praktische Umsetzung des Wissens erreicht werden. Auf diesem Weg ist auch die Selbsthilfegruppe «Green Shadow» entstanden: Nachdem er im Radioprogramm davon gehört hatte, fuhr der Gruppenchef Stephen Kithuku zum Biovision-Bauern-Informationszentrum in der nahen Stadt Katumani. Dort erhielt er Infomaterial und vereinbarte mit Margaret Kioko eine lokale Ausbildung. «Die verschiedenen Kanäle haben es uns möglich gemacht, aus der Dunkelheit des Unwissens herauszukommen», freut sich Stephen heute.