Heilen mit der Natur

von Peter Lüthi, Projektreporter

Betsy Nakate ist Kleinbäuerin und Heilerin. Ich treffe sie am 12. April 2010 auf ihrem Hof in Kyangoma, im Distrikt Mpigi, Uganda. Dort lebt sie mit ihrem Mann und vier Kindern auf einem kleinen Gehöft inmitten sanfter Hügel, Baumhaine und Pflanzäcker. Stolz zeigt sie mir ihren Kräutergarten mit 150 verschiedenen Heilpflanzen. Frau Nakate kennt alle mit Namen und weiss, wie sie gezogen und gehegt werden müssen, wann genau man sie pflückt und welche Pflanzenteile sie zu Salben, Aufgüssen oder Tee verarbeiten kann. «Ich verwende nur Blätter, Blüten und Baumrinde, nicht aber die Wurzeln, weil dies der Natur schaden würde», erklärt sie.

Betsy Nakate, Kleinbäuerin und traditionelle Heilerin aus Kyangoma (Uganda), Projekt Waldschule in Mpigi. Foto: Peter Lüthi / Biovision

Betsy Nakate gehörte zu einer Gruppe von rund 250 Kleinbäuerinnen und -bauern, welche von PROMETRA, unserer Partnerorganisation in Uganda, zu traditionellen Heilerinnen und Heilern ausgebildet wurden. Jeden Mittwoch reist Frau Nakate zur Weiterbildung in die Waldschule von Buyiija, welche von PROMETRA aufgebaut und geführt und von Biovision unterstützt wird. PRO METRA-Präsident, Dr. Yahaya Sekagya, Zahnarzt der westlichen Medizin und zugleich traditioneller Heiler, erklärt die Wichtigkeit der Naturmedizin für sein Land: «In Uganda sind 60 % der Bevölkerung auf traditionelle Medizin angewiesen. Hier kommen auf einen Arzt der westlichen Medizin etwa 25 000 Einwohner.» In der Schweiz ist die Ärztedichte rund 100 Mal höher.

Seit 2009 fördert Biovision mit der Unterstützung des Projekts die Gesundheit der Menschen und die Walderhaltung. Denn die traditionellen Heilerinnen und Heiler schätzen die Wälder wegen ihrer Bedeutung für die Umwelt und als Hort von Medizinpflanzen. Sie sind glaubwürdige Botschafterinnen und Botschafter für die Walderhaltung, da sie bei der Lokalbevölkerung hohes Ansehen und Respekt geniessen.
 

  • Die Ausbildung der traditionellen Heilerinnen und Heiler von PROMETRA Uganda umfasst neben Anatomie, Kräuterkunde und spirituellen Heilmethoden auch das Richten und Schienen gebrochener Glieder.
  • Betsy Nakate, traditionelle Heilerin im Distrikt Mpigi (Uganda), zieht in ihrem Garten 150 Heilpflanzenarten und verarbeitet die verschiedenen Pflanzenteile zu Salben, Aufgüssen und Tee.