Gute Beispiele machen Schule

Von Charlotte Pavageau, Projektmanagerin Politikdialog & Anwaltschaft

Charlotte Pavageau vom Team Politikdialog & Anwaltschaft hat mit ihrem Kollegen Fabio Leippert und Hans Herren, Präsident von Biovision Anfang Februar in San José, Costa Rica, an der Zweiten Globalkonferenz des «One Planet Network» Programms für Nachhaltige Ernährungssysteme teilgenommen.

Am zweiten Tag in Costa Rica nehme ich zusammen mit anderen Konferenzteilnehmenden an einer Besichtigung einer intergriert produzierenden Farm im hügeligen Hinterland von San José teil. Auf der Finca «Doña Rosa» wachsen im Schatten von Bäumen Kaffee und Heilpflanzen und es gibt eine Kleinviehzucht. «Ausserdem», erklärt der Besitzer Rodolfo Valverde, «führen wir ein Aufforstungsprojekt durch und kombinieren unser Angebot mit dem Gemeindetourismus».

Dialog und Austausch fördern

Der Rundgang auf der Farm bietet die Gelegenheit, mich mit den anderen Teilnehmenden auszutauschen. Darunter sind unter anderem ein Manager eines internationalen Entwicklungsfonds, der kleine Produzenten unterstützt, ein Forscher, der sich auf Fragen des internationalen Handels spezialisiert hat, und ein Manager einer NGO, die sich mit nachhaltiger Ernährung und Strassenküchen in Bolivien beschäftigt. Ich stelle bald fest, dass wir alle eine Überzeugung teilen: Unser heutiges Ernährungssystem funktioniert nicht mehr richtig und es ist Zeit, es rasch zu verändern.

Wie die anderen Teilnehmenden höre ich Rodolfos Ausführungen interessiert zu und bin von seiner Arbeit beeindruckt. Seine Initiative leistet auf lokaler Ebene einen wichtigen Beitrag zur notwendigen Veränderung. Dabei geht die Finca mit gutem Beispiel voran. Wir sehen und erfahren von Rodolfo, wie Nachhaltigkeit im Kleinen praktisch umgesetzt und gelebt werden kann. Zurück auf der Finca: Im Schatten der Veranda diskutieren bald alle engagiert und tauschen sich darüber aus, wie solche lokalen Initiativen sich weiterverbreiten und global Wirkung erzielen können. Die Haupthindernisse sind rasch entdeckt: Einerseits dominieren den internationalen Diskurs immer noch Ansätze, die sich ausschliesslich auf die Massenproduktion von Lebensmitteln konzentrieren. Aber vor allem handeln Regierungen, Behörden, etc. anders als hier auf der Finca «Doña Rosa» nicht integriert. Die verschiedenen Herausforderungen zur Entwicklung nachhaltiger Ernährungssysteme - Schutz der biologischen Vielfalt, Reduktion des ökologischen Fussabdrucks beim Konsums, Verhindern von Food-Waste, Förderung gesunder Ernährung oder Verhindern des Klimawandels – werden im Gegenteil von verschiedenen Ministerien, öffentlichen Stellen oder Akteuren unabhängig voneinander behandelt.

  • Charlotte Pavageau am Side-Event von Biovision an der 2nd SFS Programme Conference.
  • Die Finca "Doña Rosa" über sich: "We take sustainability seriously, because it’s the right thing to do."
  • Die Lernbesichtigung lohnte sich schon alleine wegen der atemberaubenden Aussicht.
  • Die Teilnehmenden tauschen sich während und nach der Besichtigungstour aus und teilen ihre Erkenntnisse und Erfahrungen.
  • Kaffee aus integriertem Anbau der Finca "Doña Rosa"
  • Fabio Leippert, Charlotte Pavageau (Projektleiter Biovision), Hans Herren, Präsident Biovision, James Lomax, UNEP Sustainable Food Systems Programme

Mit kleinen Schritten in die richtige Richtung

Der Besuch auf der Finca hat die Überzeugung bei allen gefestigt, dass jetzt die Umsetzung eines globalen und integrierten Ernährungssystems vom Produzenten bis zum Verbraucher notwendig ist und dass sich dafür alle Akteure konsequent austauschen und regelmässig konsultieren müssen. Mir zeigte das Erlebnis auf der Finca erneut, wie effektiv es ist, Entscheidungstragende mit praktischen Beispielen zu inspirieren und sie damit zum Austausch zu bewegen. Bei unserem Biovision Side-Event vom Vortag hielten wir uns ebenfalls an diesen Ansatz. Wir zeigten integrierte agrarökologische Beispiele aus dem Biovision Portfolio und schufen für die Teilnehmenden Raum für Dialog und Austausch. Das Interesse der Teilnehmenden an unseren innovativen Fallstudien war gross. Zwischen den engagierten Gesprächen wurden ausserdem rege neue Netzwerke und Kontakte geknüpft.

Gastgeber gehen mit gutem Beispiel voran

Ein letzter Höhepunkt fand zum Abschluss der Konferenz statt: Die Gastgeberregierung Costa Ricas unterzeichnete ein Abkommen zwischen dem Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht und dem Ministerium für Umwelt und Energie mit dem gemeinsamen Ziel, integrierte landwirtschaftliche Betriebe zu fördern. Für mich ein kleiner aber wichtiger Erfolg, denn es ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung!