Erfolgreich gegen Hunger und Armut

Monica und Joseph Gatobu haben es geschafft. Die Kleinbauern aus Meru sind nicht mehr auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Sie fanden dank ökologischen Anbaumethoden und neuen Marktnischen den Weg aus der Armutsfalle.
 

Von Peter Lüthi, Biovision

Der Blick in den Pflanzgarten ist eine Freude.

Auf den 1,5 Hektaren gedeihen viele Bäume. Sie spenden Schatten, liefern Holz und Früchte, und sie schützen den Boden vor Erosion. Unter den Blätterdächern lagern Haufen von Kompost und Mist, fein säuberlich zugedeckt mit welkem Laub. Die verschiedenen Pflanzungen sind sorgfältig angelegt. «Das war nicht immer so», lächelt Monica Gatobu. «Früher hatten wir oft schlechte Erträge, weil alles wild durcheinander wuchs.» Die Ernten seien sehr bescheiden gewesen, erinnert sie sich. Sie hätten mit ihren Kindern nur knapp davon leben können und manchmal habe es nicht ausgereicht. «Dann mussten wir staatliche Nahrungsmittelhilfe beanspruchen», sagt sie. Heute können Monica und Joseph sich und ihren behinderten Sohn sowie zwei Kinder einer verstorbenen Tochter ernähren und dank Ertragsüberschüssen auch Geld verdienen.

Ökologischer Anbau und lokale Sorten

Die Wende begann mit einer Ausbildung in den Methoden des ökologischen Anbaus, welche vom Institute for Culture and Ecology (ICE) durchgeführt und von Biovision finanziert wurde. Die kenianische Organisation engagiert sich für die Erhaltung der einheimischen Kultur, die Bewahrung und Weiterentwicklung angepasster Landwirtschaftsformen sowie die Erhaltung der Umwelt. Ein besonderes Augenmerk wird auf einheimische Gemüse-, Getreide- und Früchtesorten gelegt. Joseph Gatobu sieht darin viele Vorteile: «Unsere alten Sorten sind schmackhaft und gesund. Man kann sie einfach und billig anbauen, weil sie ohne chemische Hilfsmittel auskommen», erklärt er und betont, dass die Bauern Samen und Setzlinge der lokalen Sorten im Unterschied zu modernen Hybriden selber ziehen könnten, was ihnen Unabhängigkeit von Samenlieferanten verleihe. «Auch brauchen die einheimischen Pflanzen weniger Wasser und sie sind resistenter gegen Trockenheit und Krankheiten», sagt er überzeugt.

Nahrungssicherheit und Einkommen

Auf dem Markt finden die alten Sorten Zuspruch. Gemäss Monica waren sie früher verbreitet und sehr beliebt. Im Lauf der Zeit seien sie aber in Vergessenheit geraten, weil in der Stadt nur noch moderne Gattungen feilgeboten wurden. Jetzt steige die Nachfrage nach den vergessenen Gemüsen und Früchten dank erfolgreicher Mund-zu-Mund-Propaganda stetig an. «Heute kaufen die Kunden Bananen oder Süsskartoffeln sogar direkt von der Farm», sagt sie zufrieden und rechnet vor, dass sie damit monatlich etwa 5000 KSH verdienten (ca. 55 Franken). Dazu kämen Einnahmen aus dem Milchverkauf.
Frau Gatobu ist überzeugt von den lokalen Sorten, weil sie damit ihre eigene Nahrungssicherheit verbessern konnte. Und sie nennt noch einen weiteren Vorteil des Projekts: «Es hat den Zusammenhalt unter uns Bauern verstärkt. Wir pflegen heute mehr Austausch und arbeiten viel mehr zusammen.»