Die Fruchtbarkeit der Böden erhalten!

Warum erzielen ostafrikanische Kleinbauernfamilien selbst in klimatisch günstigen Anbaugebieten oft nicht ausreichende Erträge? Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einer davon ist die abnehmende Fruchtbarkeit der Böden. 

 

«Die Herstellung und der Einsatz von Kompost kombiniert mit Mist ist eine der wichtigsten Neuerungen, die ich in den Anbaukursen von Biovision gelernt habe.» Fatuma Nabakibi, Ssukka Village, Kayunga, Uganda (Bild: Peter Lüthi)

Von Peter Lüthi, Biovision

In vielen Völkern Afrikas gehört das Wissen um Stoffkreisläufe in der Landwirtschaft und entsprechende Anbautechniken nicht zum kulturellen Erbe. Subsahara-Afrika war etwa im Vergleich zu Mitteleuropa über lange Zeit dünn besiedelt und verfügte dementsprechend über sehr grosse Landreserven. Wenn der Boden nichts mehr hergab, machten die Bauern ein neues Feld urbar.  

Viele Menschen gehören zudem Nomadenvölkern an, die seit Generationen von ihren Tieren lebten. Heute müssen immer mehr Nomaden ihre Tradition aufgeben und auf Feldbau umstellen. Wie etwa die Massai in Tansania. Dazu nützt ihnen ihr umfangreiches Wissen über die Tierhaltung wenig.   

Neues Wissen für neue Herausforderungen   

Aber auch für afrikanische Ackerbäuerinnen und Bauern stellen sich heute je länger je grössere Herausforderungen. Fruchtbare Böden werden immer rarer, gleichzeitig wächst die Bevölkerung. Die Menschen sind gezwungen, auf ihren kargen Äckern zu bleiben und mehr aus dem Boden herauszuholen. Das lässt sich jedoch nur mit sachkundiger Pflege und Nährung der Erde erreichen. Dazu aber fehlt oft das Wissen. 

Die Folgen des Klimawandels mit extremen Trockenheiten, Überschwemmungen und dem Verlust fruchtbarer Böden durch Erosion verschärfen die Situation der Kleinbauernfamilien zusätzlich. In dieser schwierigen Lage wären insbesondere auch die Staaten mit ihren Landwirtschaftsbehörden und Bauernberatern gefordert. Von ihnen kommt aber wenig Unterstützung. Denn Kleinbauern leben oft in abgelegenen Gebieten. Sie haben kaum politisches Gewicht und werden daher häufig marginalisiert und allein gelassen.     

Kleinbäuerinnen und Bauern in der Sackgasse  

Längst sind Agrarkonzerne aus den Industriestaaten in die Bresche gesprungen und haben ein weitverzweigtes Verkaufsnetz für ihre synthetischen Hilfsmittel aufgebaut. (Pestizide in Kenia – ein grosses Problem) Diese werden von firmeneigenen Landwirtschaftsberatern offensiv propagiert. In den ländlichen Gebieten Ostafrikas etwa finden sich überall sogenannte «Agro-Vet-Shops», in welchen Agrar- und Veterinärprodukte samt Beratung verkauft werden.  

Wer es sich leisten kann, erwirbt sich im Kampf gegen sinkende Erträge Kunstdünger und synthetische Pflanzenschutzmittel. Dadurch geraten Kleinbauernfamilien jedoch in Abhängigkeiten, mitunter mit fatalen Folgen. Denn sie können sich die teuren Hilfsmittel je länger je weniger leisten.  

Kompost statt Kunstdünger  

Kulturpflanzen entziehen dem Boden verschiedenste Nährstoffe. Um sie zu ersetzen, muss gedüngt werden. Nun enthalten aber Kunstdünger bloss eine kleine Auswahl an Nährstoffen. Alle übrigen Substanzen, die ebenfalls wichtig sind zur Erhaltung der Fruchtbarkeit, werden der Erde nicht zugefügt und gehen sukzessive zur Neige. Die Böden werden immer unfruchtbarer; sie laugen aus.  

Kompost – insbesondere gemischt mit Mist – enthält hingegen die ganze Palette an Nährstoffen, mit welcher die Bodenfruchtbarkeit erhalten oder gar erhöht werden kann. Er kann von Kleinbauernfamilien selbst hergestellt werden. Das erfordert zwar Zeit und viel Arbeitskraft, schont aber das Budget der Bauern, weil sie sich die Kosten für teure Inputs aus dem Agro-Vet-Shop sparen können.  

Wissen schafft Nahrung  

Biovision hat sich in den Afrika-Projekten auf die Vermittlung von Wissen und praktischen Fähigkeiten an Kleinbauern konzentriert. Sie erhalten wissenschaftlich geprüfte und praxis-erpobte Anleitungen zur Herstellung von Kompost und Flüssigdünger aus Pflanzen, die sachgerechte Bodenbearbeitung, und Erosionsbekämpfung mittels Anlegen von Terrassen, Hecken, Zwischeneinsaaten und Mischkulturen. Auch die natürliche Schädlingsbekämpfung mit selbst gemachten Spritzmitteln auf Pflanzenbasis ist ein ständiges Thema. Oft werden die Kurse ergänzt mit Modulen über Produkte-Marketing und die Einführung eines zinslosen Spar- und Verleihsystems in Bauerngruppen.  

Madogo Issa, eine gestandene Bäuerin aus Mkunjuni Village in Tansania, hatte 2015 einen Biovision-Kurs in «Organic Farming» besucht und darauf ihren Gemüse- und Ackerbau erfolgreich auf ökologische Produktion umgestellt. Rückblickend sagt sie: «Ich habe sehr viel gelernt im Bereich des biologischen Anbaus und wurde zur erfolgreichen Unternehmerin. Vor der Ausbildung verharrte ich im Dunkeln. Das Projekt hat mir die Augen geöffnet und mich befähigt, mein Leben zu verbessern.»  

Bäuerin Madogo Issa
Bäuerin Madogo Issa (Bild: Patrick Rohr)