Dezembergeschichte 2014.4: Kayunga-Distrikt, Uganda

Ökolandbau besiegt den Hunger

Fatuma, ihr Mann und ihre Kinder gingen früher oft mit leerem Magen zu Bett. Die Geschichte einer Familie aus Uganda, die wirksame Wege aus der Hungerproblematik gefunden hat.

Wie die Orgelpfeifen steht die Familie aus Uganda vor dem Haus, als wir ankommen: Das Ehepaar Fatuma Nabakibi, 32 Jahre und Hassan Kabugo, 35 Jahre haben insgesamt 8 Kinder im Alter von einigen Monaten bis zu 15 Jahren. Eine grosse Zahl von Kindern ist vor allem bei der armen Bevölkerung in Afrika eine Art Altersvorsorge. Studien zeigen, dass mit höherem Einkommen die Kinderzahl zurückgeht.

Nur ein Mädchen befindet sich unter der Kinderschar. In Uganda haben es Frauen und Mädchen häufig schwer, da sie meist die ganze Feldarbeit erledigen und nur wenige Rechte haben. Wer in Uganda viele Kinder hat, sieht sich oft mit der Hungerproblematik konfrontiert. Um eine Zehnköpfige Familie zu ernähren, ist man auf gute Ernteerträge angewiesen. Im Kayunga-Distrikt stehen erfolgreiche Ernten nicht gerade an der Tagesordnung. Das Wetter wird immer unberechenbarer. Trockenperioden wechseln sich mit sintflutartigem Regen ab. „Es kommt oft vor, dass ich mehrmals säen muss, da der Regen zu lange auf sich warten lässt, oder die Saat im ausgetrockneten Boden einfach weggeschwemmt wird“, erklärt Fatuma.

Der Klimawandel ist in vielen Entwicklungsländern eine grosse Herausforderung. Und meist trifft er die ländliche Bevölkerung, die sich grösstenteils von der eigenen Ernte versorgt, besonders stark. Trotzdem zeigt uns Fatuma stolz ihre Gemüsegärten. Auf insgesamt 5 Acres, was etwa 2 Hektaren entspricht, baut sie Ananas, Mais, grüne Bohnen, Kaffee und einige Bananen an. Das landwirtschaftliche Handwerkszeug hat ihr ihre Mutter mitgegeben. Bis vor einigen Jahren bewirtschaftete Fatuma die Flächen konventionell, mit fatalen Folgen. Der ausgelaugte Boden und das Fehlen von Nützlingen liessen die Erträge stetig schrumpfen. Die Familie hätte viel Geld für Kunstdünger ausgeben müssen, um genügend Nahrungsmittel produzieren zu können. „Oft hatten wir grossen Hunger und nichts zu essen“, erinnert sich Fatuma bekümmert. Ein Schicksal, das einen Grossteil der Bevölkerung des Kayunga-Distrikts trifft.

Fatuma Nabakibi und ihr Ehemnann Hassan untersuchen ihren Mais auf Schädlinge – Fehlanzeige, dank intensiver aber schonender Pflege.
Am Ufer des Nil im Kayunga-Distrikt.
Verglichen mit anderen Ländern Ostafrikas ist Uganda dank ausgiebigen Regen sehr grün. Aber die Böden sind oft karg und die Ernten entsprechend limitiert.
32 jährig, Bäuerin und Mutter von acht Kindern: Fatuma Nabakibi aus Kayunga.
Durch das Anlegen von Mischkulturen haben sich Erträge deutlich erhöht.
Das Motorrad nutzt Hassan vor allem für seinen Taxidienst und nur ausnahmsweise für die Familie.
Im Kayunga-Distrikt gibt es grosse Riedflächen, die nur sehr beschränkt genutzt werden können.
Bis auf den letzten Platz besetzt: Ein Training in ökologischer Landwirtschaft bei der “Rural Women Development Association“ (RDWA).
John Bosco, ein qualifizierter Landwirtschaftsberater, erklärt den KursteilnehmerInnen die Grundlagen des Ökolandbaus.
In Uganda ist Feldarbeit sehr oft Frauensache.


Wissen und Wasser zum Leben

Im Jahr 2010 absolvierte Fatuma ihr erstes Training in ökologischer Landwirtschaft bei der NGO „Rural Women Development Association“ (RDWA), die von Biovision jedes Jahr mit rund 20‘000 Franken unterstützt wird. Sie lernte, wie durch den Einsatz von Mist und Kompost der Boden fruchtbar bleibt und wie Mulchen das Wasser im Boden hält und gleichzeitig das Unkraut unterdrückt. Ihre Erträge sind in den letzten vier Jahren stetig gestiegen. „Seither leiden wir keinen Hunger mehr“, freut sich Fatuma. Die RDWA, die sich auch auf die Informationen des „Farmer Communication Programmes“ (FCP) stützt, legt in ihren Trainings zudem einen besonderen Schwerpunkt auf die Speicherung von Wasser für Trockenzeiten. Den Bauerngruppen, die mehrheitlich aus Frauen bestehen, wird beispielsweise vermittelt, wie man kostengünstig Teiche mithilfe von Plastiksäcken anlegt. „Es macht Sinn, das Wasser während der Regenzeit aufzufangen anstatt es davon fliessen zu lassen. Trotzdem wenden noch viele Bauernfamilien diese einfache Technik nicht an, da sie sich oft die Abdichtung nicht leisten können“, erzählt Fatuma nachdenklich.

Einkommen aus Zwischenhandel
Das Leben ist für Fatuma und ihre Familie in den letzten Jahren leichter geworden. Das liegt allerdings nicht nur an den neu erlernten Anbaumethoden, sondern auch an der Innovationskraft von Vater Hassan. Ihm ist es gelungen, ein kleines Business als Zwischenhändler für landwirtschaftliche Produkte aufzubauen. „Ich hatte die Möglichkeit in der Gegend einen kleinen Laden zu mieten, habe mir eine Schubkarre gekauft und losgelegt“, berichtet er. Die Leute aus der Umgebung beliefern den engagierten Geschäftsmann mit Kaffee, Bohnen und Mais, welche er dann weiterverkauft. Das Geschäft lief so gut, dass sich die Familie inzwischen ein Motorrad leisten konnte. Mit dem Motorradtaxidienst erwirtschaftet Hassan ein zusätzliches Einkommen für die Familie.

Blick in die Zukunft
Dennoch ist die Landwirtschaft nach wie vor das wichtigste Standbein für die Familie. Früher sind sie in guten Ernteperioden oft auf ihren Produkten sitzengeblieben. „Heute gibt es zum Glück einen kleinen Markt und ich bin zuversichtlich, dass dieser in naher Zukunft wachsen wird“, so Fatuma. Das Wissen um ökologische landwirtschaftliche Methoden hat die Grossfamilie in den letzten Jahren um einiges weitergebracht. Fatuma hat bis dato insgesamt sieben Trainings absolviert, weitere werden mit Sicherheit folgen. „Wir sind sehr glücklich mit der Wende zum Guten. Wir haben genug zu Essen, dank dem Wissen zu ökologischer Landwirtschaft, das ich auf unseren Feldern anwenden kann“, meint Fatuma abschliessend mit einem erleichterten Lächeln.