6.12.2015

Dezembergeschichte 2015.1: Arusha, Tansania

Besser spät als nie

Bauer werden nach der Pensionierung und mit Überzeugung ökologischen Anbau betreiben? Das ist die Geschichte von Isack Lema aus Arusha, Tansania.

Im Newsletter Nr. 34 von März 2015 wurde über den Erfolgskurs der Bauernzeitung auf Swahili berichtet – „Mkulima Mbunifu“, übersetzt der schlaue Bauer. In den mittlerweile 39 Ausgaben des „Schlauen Bauers“ wurden schon manche Anbautipps der ökologischen Landwirtschaft geteilt und Geschichten erfolgreicher Bauern vorgestellt – Isack Lema ist einer von ihnen.

Isack Lema ist 78 Jahre alt und lebt seit 1984 in Nduruma, einem Dorf in der Nähe von Arusha, Tansania. In der Bauernzeitung „Mkulima Mbunifu“ wird er respektvoll als „Mzee“ vorgestellt, was so viel bedeutet wie der ältere Herr. Dieser ältere Herr hatte 37 Jahre lang für die lokale Polizei gearbeitet, bevor er 1995 pensioniert wurde. Nach seiner Pensionierung wurde er zum Bauern  und schaffte sich damit eine Beschäftigung und eine Erwerbsmöglichkeit. Anfangs noch mit konventionellen Anbaumethoden, betreibt er mittlerweile nur noch Bio-Landbau, nachdem er im Jahr 2000 einen Kurs in ökologischer Landwirtschaft besucht hatte. Der überzeugte Biobauer verfügt heute über eine circa 10‘000 m2 grosse Anbaufläche, auf der er Kühe und Bienen hält, verschiedene Gemüsesorten, Bananen, Erdbeeren, Vanille und Yamswurzeln kultiviert und auch Fische züchtet.

„Kilimo mseto, unakijua?“

„Agroforstwirtschaft, kennst du das?“ – so lautet die Beschriftung des Hofs, der viel Lebensfreude ausstrahlt. Nicht zuletzt  dank dem Blickfang der blauen Erdbeersäulen – das Markenprodukt seines Hofs, für welches er in 2014 zum ersten Mal in „Mkulima Mbunifu“ porträtiert wurde.

Die Bauernzeitung lernte er vor zwei Jahren durch eine Kirche kennen, welche die Zeitung der Gemeinschaft zur Verfügung stellt. Seitdem lernte Lema einiges über ökologische Landwirtschaft in der Praxis. Er zählt vier Praktiken auf, die er durch den „Schlauen Bauer“ gelernt habe: Erstens, wie man Kompost und Flüssigmist produziert und richtig einsetzt. Zweitens, wie man Fischteiche und verschiedene Fischarten pflegt. Drittens, moderne Bienenhaltung. Und schliesslich allgemeine wertvolle Tipps und Tricks zum ökologischen Landbau.

Dank „Mkulima Mbunifu“ sei er nun im Stande, Bienen zu halten und Honig zu produzieren. Auch sei er in der Lage, Bananen in besserer Qualität anzubauen, die er zu einem höheren Preis verkaufen könne. Während er früher ca. 7‘000 TSH (CHF 3,50) pro Büschel verdiente, könne er heute zwischen 15‘000 – 18‘000 TSH (CHF 7,00 bis 8,50) verlangen. Für unverarbeitete Vanilleschoten bekomme er rund 6‘000 TSH (CHF 2,85) pro Kilo. Obwohl es seinen Kühen momentan aufgrund des Futtermangels nicht so gut gehe, produzierten sie immer noch rund ein bis zwei Liter Milch pro Tag, mit der er sich und seine Familie immerhin gut selbst versorgen könne. Lema versichert, die Bauernzeitung habe sein Leben stark positiv geprägt.


„Werdet Bauer!“

Als die „Mkulima Mbunifu“-Redaktion die Jugendarbeitslosigkeit zum Thema machte, fragten sie den „Mzee“ Isack Lema nach Ratschlägen für die Jugend. Der Ratschlag von Lema ist kurz und bündig: „Werdet Bauer!“ Den vielen arbeitslosen jungen Menschen, die verzweifelt und erfolglos beim Staat oder in der Privatwirtschaft nach Büroarbeit suchen, rät er, ihre Zeit nicht mehr auf der Strasse zu verschwenden, sondern jetzt aktiv zu werden. „Mit Landwirtschaft verdient ihr mehr. Und ihr könnt sicher sein, dass der Verdienst die täglichen Bedürfnisse deckt – nicht so wie ein miserabler Lohn bei irgendeiner Arbeit.“ Er nimmt sich selber als Beispiel: „Mit einem breiten Angebot an ökologischen Produkten kann ich sicherstellen, dass meine Familie und ich überleben. Ich liebe es, auf meinem Hof Bauer zu sein. Ich wünschte, ich hätte schon viel früher damit angefangen, als ich noch mehr Kraft dafür hatte als heute.“

Aber er fordert auch von der Regierung, bessere Rahmenbedingungen für junge Leute zu schaffen – nicht zuletzt um Kriminalität zu bekämpfen. Kredite sollen speziell für junge Leuten bezahlbar sein, um ihnen Zugang zu Boden zu ermöglichen und sie somit moderne Landwirtschaft betreiben können. „Das wird ihren Leben Richtung geben.“