So erreicht die Schweiz die Ziele der Agenda 2030

03.07.2018

Welche Massnahmen sind jetzt notwendig, damit die Schweiz einen substanziellen Beitrag zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele leistet? Der Bericht des Bundesrats vom 20. Juni enttäuschte auf der ganzen Linie. Die zivilgesellschaftliche Plattform Agenda 2030 hingegen zeigt, wie es geht. 

Michael Bergöö, Leiter Programm Schweiz

Mitte Juli wird die offizielle Schweiz vor der UNO in New York berichten, wie sie die Agenda 2030 umsetzt. Leider hat der Bundesrat seine Hausaufgaben nicht gemacht und einen äusserst lückenhaften Bericht vorgelegt. Die zivilgesellschaftliche Plattform Agenda 2030* präsentiert heute  ihren eigenen Bericht zur Umsetzung der Agenda 2030. Er beinhaltet elf Forderungen, die in Zusammenarbeit aller Mitglieder verfasst wurden, sowie inhaltliche Beiträge zu verschiedenen Themen der Agenda 2030, welche die thematischen Experten der Plattform geschrieben haben.

Den Bericht der zivilgesellschaftlichen Plattform Agenda 2030 „Wie nachhaltig ist die Schweiz? Die Umsetzung der Agenda 2030 aus Sicht der Zivilgesellschaft“ finden Sie hier zum Download.

 

Hebel bei Landwirtschaft und Ernährungssystemen ansetzen

 

Biovision hat ihr Expertenwissen bei den Kapiteln „Landwirtschaft und Ernährungssystemen der Schweiz“ (SDG 2) und „Nachhaltiger Konsum und Produktion“ (SDG 12) eingebracht. Es wurden folgende Handlungsfelder mit konkreten Empfehlungen für wirkungsvolle Massnahmen aufgezeigt:

1. Schweizer Landwirtschaft umwelt- und klimafreundlicher gestalten
Direktzahlungsprogramme zur Förderung einer standortgerechten Produktion sollen gestärkt werden: Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF), Weidebeiträge (RAUS) sowie die Förderung der Biolandwirtschaft. Die Umweltziele Landwirtschaft (UZL) müssen gemeinsam mit den Landwirten erreicht und Pestizid- und Düngeremissionen so weit gesenkt werden, dass Pflanzenvielfalt und Insektenpopulationen nicht beeinträchtigt und Stickstoffüberschüsse vermieden werden. Der Ökologische Leistungsausweis ÖLN soll zur Senkung des ökologischen Fussabdrucks weiterentwickelt werden.

2. Feed no Food bei Wiederkäuern
Die Haltung von Wiederkäuern ist im Grasland Schweiz standortgerecht. Mit einer konsequenten Feed no Food-Strategie bei Wiederkäuern wird die Konkurrenz zwischen Futtermitteln und menschlicher Ernährung minimiert und die Kraftfutterimporte und somit die Ammoniakemissionen werden reduziert.

3. Forschung und Ausbildung im Bereich Biolandwirtschaft stärken
Eine Stärkung der Biolandwirtschaft ist zentral für den Biodiversitäts- und Klimaschutz. Mit dem Verzicht auf Mineraldünger, einer schonenden Bodenbearbeitung, dem Aufbau von Humus durch organische Dünger sowie der Förderung der Weiden wird der Boden zur CO2-Senke.

4. Handelspolitik für eine nachhaltige Landwirtschaft
 Der neue Verfassungsartikel 104a muss vom Bund umgesetzt werden. Eine in allen drei Dimensionen nachhaltige Landwirtschaft kann nur erreicht werden, wenn allfällige Liberalisierungen der Agrarmärkte nur nach sorgfältiger Prüfung stattfinden. Ein einseitiger Abbau des Grenzschutzes ohne Minimalstandards für Importe ist ausgeschlossen. Die Agrar-, Aussen- und Handelspolitik der Schweiz muss zudem so umgestaltet werden, dass sie keinen Druck auf wertvolle Lebensräume und Arten im In- und Ausland ausübt.

5. Handelspolitik zugunsten der Entwicklungsländer verbessern
 Für Importe, insbesondere bei Tropenfrüchten, Kaffee und Kakao, müssen faire Preise bezahlt werden. Damit die Entwicklungsländer mehr Wertschöpfung generieren können, müssen die Zollpräferenzen auf verarbeite Produkte ausgeweitet werden. Zudem muss sich die Schweiz dafür einsetzen, dass jedes Land seine eigene Produktion mit Zöllen schützen kann, damit die bäuerliche Landwirtschaft nicht verdrängt wird.

6. Bewusstes Konsumverhalten der Schweizer Bevölkerung
Die Bevölkerung ist über die Auswirkungen des Konsumverhaltens auf die Umwelt und die Entwicklungsländer zu sensibilisieren. Das Vermeiden von Food Waste sowie einen reduzierten und bewussten Fleischkonsum (z.B. from nose to tail) sind zentral.

7. Ökologischer Fussabdruck senken
Der Bund fördert Strategien, um den ökologischen Fussabdruck der Schweiz auf ein nachhaltiges Mass von einer Erde zu senken. Wachstum, das auf einer weiteren Steigerung des Ressourcenverbrauchs basiert, darf sich nicht mehr auszahlen.

8. Kreislaufwirtschaft fördern
Im Bereich soziale Innovation und kollaborative Wirtschaft sollen mehr Forschungsgelder bereitgestellt werden. Forschung zu lokalen Wirtschaftskreisläufen, Kreislaufwirtschaft, sozialer Innovation und Sharing Economy sowie Pilotprojekte in Gemeinden und Kantonen müssen gefördert werden. Gewonnene Erkenntnisse sind im grossen Stil in die Praxis umzusetzen und die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

9. Preis auf CO2
Durch Auflagen und verursachergerechte Abgaben insbesondere in den Bereichen Mobilität und Wohnen senkt die Schweiz den Einsatz von fossilen Brennstoffen.

* Die Plattform Agenda 2030 ist ein Zusammenschluss aus rund 40 zivilgesellschaftlichen Akteuren, darunter Biovision als Gründungsmitglied.